Analog Basics: MM oder MC auf die Spitze getrieben

Ein guter und günstiger Tonabnehmer für meinen Plattenspieler? Das AT95 von Audio Technica, antwortet der HiEnd-Freak, und rümpft die Nase. Danach geht es mit MC-Systemen weiter. Das AT95 ist tatsächlich der Billigheimer unter den Abtastern. Es kostet knapp 60 Euro, spielt tonal unverfärbt und für den Preis unglaublich detailfreudig. Noch etwas muss man zu Audio Technica sagen: Die Produktkonstanz ist vorbildlich! In all den Jahren in denen ich wohl weit über hundert AT95 verkauft, eingebaut, ausgebaut, nachjustiert habe, war nicht ein einziger Ausreißer darunter.
„Analog Basics: MM oder MC auf die Spitze getrieben“ weiterlesen

Analog Basics: Kein S im Arm

sme_3009Die Entwicklung des Tonarms lässt sich auf zwei Namen reduzieren: Alastair Robertson-Aikman und Roy Gandy. Robertson-Aikman gründete 1946 das Traditionsunternehmen SME. 1959 entwickelte er den ersten SME-Tonarm. Als SME 3009 wurde er bis zum Ende des vorigen Jahrhunderts nur wenig verändert gebaut. Die geschwungene S-Form wurde stilprägend. Bis in die 70er Jahre hinein sah ein Tonarm genau so aus. In den 70ern kam eine 12 Zoll lange Version, der 3012, hinzu. Der Gedanke: Ein 12-Zoll-Arm verändert den Winkel des Tonabnehmers zur Rille so günstig, dass dieser fast gerade in der Rille steht. Dadurch wollte man den gefürchteten Spurfehlwinkel vermeiden, der am Anfang und am Ende der Platte lauerte. Das sind die Stellen, an denen die Nadel schräg in der Rille steht. Als das Ideal betrachtete man den Tangentialtonarm, der von außen quer über die Platte gelegt wurde und stets senkrecht zur Rille stand. Der Tangentialtonarm führte im audiophilen Lager nie mehr als eine Nischenexistenz. Zu aufwändig zu produzieren. Außerdem folgt er nicht so leicht den Bewegungen des Tonabnehmers in der Rille, und er besitzt zuviele bewegliche Teile. Gerade mit diesem letzteren Makel hatte man nicht gerechnet. Doch um die Mitte der 70er Jahre tauchte der andere Protagonist auf: Roy Gandy. Gandy gründete mit einem Partner die Firma Rega. Rega produzierte einen genialen, simplen Plattenspieler. Der erste Tonarm von Rega besaß zwar noch die S-Form, aber sein Tonarmrohr war samt der Headshell, in die der Tonabnehmer montiert wird, aus einem Stück einer Titan-Aluminium-Legierung gezogen, denn wo es keine Nähte und Übergänge gibt, da staut sich keine mechanische Energie. Doch die Entwicklung war damit nicht abgeschlossen. In der nächsten Stufe dachten Gandy und sein Team darüber nach, wie der Tonarm den Abtaster noch besser führen könnte. Die Lösung: Die Masse muss geringer werden. Ergo wurde das Tonarm gerade. Außerdem veränderte sich in einem Tonarm das Resonanzverhalten: Ein kegelförmiges Tonarmrohr erwies sich als das günstigste. Der Rega-Tonarm war fertig.

Rega RB 250
Foto: Rega
Die Rega-Tonarme klangen so sauber, so ausgewogen und waren dabei doch so billig. Kein Wunder, dass noch im selben Jahrzehnt, den 80er Jahren, SME das neue Top-Modell, den SME V, weitgehend an die Form des Rega-Tonarms anpasste. Dennoch behielt er eine gewisse Erdenschwere, die allerdings von vielen Fans geschätzt wird. Es blieb Franz Kuzma überlassen, das Konzept von Roy Gandy zuende zu denken. Der Kuzma Stogi Reference werwirklichte in seiner extremen Kegelform das rechnerisch günstigste Verhältnis zwischen Durchmesser und Länge. Und Kuzma wählte die Neun-Zoll-Länge, die sich messtechnisch als bester Kompromiss zwischen Spurfehlwinkel und Resonanzverhalten erwiesen hat.
Nicht erörtern will ich an dieser Stelle die Einpunktgelagerten Tonarme Naim Aro oder Hadcock, mit denen mir die Erfahrung fehlt. Wer die mechanische Instabilität dieser Konstruktionen nicht scheut, der sollte sich den hervorragenden und preislich interessanten Kuzma Stogi S anhören.

Analog Basics: Masse ist nicht automatisch Klasse

Acoustic Signature final Tool Mk IIEigentlich gibt es kein einfacheres HiFi-Gerät als den Plattenspieler. Wir brauchen einen Plattenteller, einen Motor, der ihn dreht, einen Abtaster, der durch die Rille gleitet und einen Tonarm, der ihn hält. Dazu brauchen wir etwas, das alle diese Komponenten in der richtigen Anordnung zueinander hält. Das kann beispielsweise eine Holzplatte sein. Der Rega-Plattenspieler verwirklicht dieses Prinzip am konsequentesten.

Nur wenige audiophile Hersteller setzten auf Direktantrieb

Wie treibt nun der Motor den Teller an? Direkt oder über einen Transmissionsriemen? Der Direktantrieb hat einige prinzipbedingte Schwächen: Er sitzt direkt unter dem Tellerlager und daher dichter am Abtaster als es beim Riemenläufer möglich ist. Seine elektromagnetischen Felder können die feinen Ströme stören, die anschließend zu Musik hochverstärkt werden. Seine Vibrationen übertragen sich zudem direkt auf den Plattenteller. Nur wenige Laufwerkshersteller mit audiophilem Anspruch geben dem Direktantrieb den Vorzug. Micro Seiki sei hier als der Namhafteste genannt.

Riemenantrieb und Eisenbahn verhalfen Subchassis zum Durchbruch

Die Idee der Abkoppelung der Teller-Tonarm-Einheit vom Motor führte zum Siegeszug des Subchassis. Dabei hängt oder steht eine Einheit mit Teller und Tonarm vom Rest des Laufwerks entkoppelt. Entstanden ist es übrigens aus ganz profanen Erwägungen. Um Schallplatten, damals Schellacks, auch in Eisenbahnzügen abspielen zu können, musste man den Plattenspieler gefedert aufstellen. Bei Thorens oder Linn hängt das Subchassis an Federn vom eigentlichen Chassis herunter. VPI und Roksan entschieden sich dafür, das Subchassis auf hochdämpfende Kunststoffelemente zu stellen.

Allen gemeinsam ist, dass sich bei jeder Bewegung des Subchassis auch der Abstand zwischen Motor und Teller, mithin auch die Riemenspannung verändert. Gleichlaufschwankungen sind dank der massiven Zinkdruckgussteller dieses Plattenspielertyps kein Problem. Aber es kommt zu hörbaren Unsauberkeiten im Klang. Ein Problem, mit dem ich mich in den Artikeln über die Thorens-Laufwerke und den Linn Sondek auseinandersetzen werde. Das jedenfalls schien der große Vorteil der Direkttriebler zu sein.

Masselaufwerke: Kiloschwere Plattenspielerburgen

So lange bis die Masselaufwerke aufkamen. Solche Plattenspielerburgen, die in den 80er Jahren die Herzen der Hi-End-Freaks höher schlagen ließen, wogen und wiegen nicht selten 20 oder 30 Kilogramm. Jedoch ist auch hier Gewicht nicht alles. So brachten zwar die Plexiglasskulpturen von Transrotor oder Zarathustra stattliche Pfunde auf die Wage, doch haftete ihnen auch eine gewisse Erdenschwere an. Ein bleierner Klang, der auf den ersten Eindruck durch majestätische Ruhe beeindruckte, doch nach wenigen Minuten durch seine Trägheit verdross. Die Ruhe kommt durch den festen Abstand zwischen Teller und Motor. Die Schwere brachte das falsche Material.

Thomas Scheu: Möglichst viel Masse auf kleinem Raum

Der inzwischen verstorbene Plattenspieler-Papst Thomas Scheu hat für Masselaufwerke die Regel aufgestellt: Möglichst viel Masse auf möglichst kleinem Raum. Dafür war Plexiglas das falsche Material. Messing, das Material, das der Slowene Franz Kuzma für seinen genialen Kuzma Stabi S verwendete, ging in die richtige Richtung. Das Optimum ist jedoch Blei. Es besitzt das höchste spezifische Gewicht, ist aber zu weich. Die Firma Acoustic Signature rührte dem Blei gerade soviel Aluminium bei, dass die Bauteile ihre Form behalten. Firmen wie Acoustic Signature oder die verwandten Solid Acoustic-Laufwerke emanzipierten das Massesystem auch in Puncto Spielfreude und Lebendigkeit.

Foto: Acoustic Signature Final Tool Mk II: Stand der Dinge in Sachen Masselaufwerk.  © Acoustic Signature.

Foto: Kuzma Stabi S.  © Kuzma

Neue Kategorie: Rund um den Plattenspieler

„So wird Ihr Thorens wieder fit“ Das verspricht die HiFi-Zeitschrift Stereo in ihrer neuesten Ausgabe. Dann jedoch tun sie dem wunderbaren Subchassis des Thorens-Plattenspielers mit Bitumen-Dämpfung Gewalt an. Jahre lang habe ich im Kasseler HiFi-Studio Speaker Selection Plattenspieler aller Preisklassen getunt oder repariert. Und besonders am Herzen liegen mir die klassischen Thorens-Laufwerke der 100er-Serie. Aber auch über andere klassische Plattenspieler möchte ich in dieser Kategorie eingehen. Also: Keine Folge verpassen.