Kino: Kein Quantum Trost

quantum.pngEin Quantum ist eine bestimmte, nicht festgelegte Menge vor irgendetwas. Die Mengen machen dem neuen Bondabenteuer „Ein Quantum Trost“ zu schaffen. Mit 107 Minuten soll er der kürzeste Bond aller Zeiten sein. Dennoch zieht sich dieses Quantum gefühlt in die Länge. Das liegt an der zerstückelten Handlung. Bond (Daniel Craig) setzt an, wo er in Casino Royale aufgehört hat.

Er verfolgt die Bösewichte, denen er den Tod seiner geliebten Vesper vorwirft. Logisch, dass Geheimdienstchefin M (Judi Dench) den Geheimagenten in eigener Mission nicht gern sieht. Natürlich erledigt 007 die Schufte. Außerdem verhindert er quasi im Vorbeigehen einen Militärputsch in Bolivien und legt dem Fiesling Dominic Greene (Mathieu Amalric) das Handwerk. Der macht zwielichtige Geschäfte unter dem Deckmantel des Umweltschutzes. Was hat das in der Rachestory zu suchen? Nur eine der Fragen, die das neue Bondabenteuer aufwirft – und nicht beantwortet.

Ich weiß, man sollte nicht James Bond nie durch unrealistische Erwartungen an die innere Logik überfordern. Auch früher zeichnete sich James Bond nie durch raffinierte Wendungen in der Handlung aus. Aber immerhin war James Bond eben James Bond. Man wusste, worauf man sich einließ. Regisseur Marc Forster lässt seinen James Bond über weite Strecken wie Jason Bourne zwischen allen Stühlen sitzen. Diesmal legt er sich nicht nur mit der eigenen Chefin M an, die immer mehr wie eine Oberamtsrätin auf Altersteilzeit wirkt. Diesmal jagen ihn auch die Amerikaner.

Aber wo die Bourne-Trilogie für konstant hohen Adrenalinspiegel sorgt, stürzt Bond-Regisseur Marc Forster in ein Wechselbad aus übertrieben hektischen Actionszenen und gefühligen Momenten, in denen der innerlich gebrochene Protagonist Seelenschau betreibt. Da kann ein Quantum Zweifel aufkommen: Ist das noch ein James Bond? Zumal Filmkomponist David Arnold von der eigenen Kreativität so eingenommen ist, dass er dem Zuschauer das typische James-Bond-Thema erst zum Abspann serviert.

War es also doch ein James Bond, Haben wir uns doch nicht im Multiplex-Palast ins falsche Kino verirrt. Doch ein Trost ist das nicht. Nicht einmal ein Quantum.

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Der Bond ist im Wandel Wolff. Stimmt schon, dass einige Sachen nicht ganz rund laufen, aber tröste Dich, Marc Forster ist zwar der nächste Bond angeboten worden, aber er hat abgelehnt.

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