Buchtipp: J.-C. Grangé – Das Herz der Hölle

Der Polizist Luc Soubeyras ist in einem Fluss ertrunken, konnte aber wie durch ein Wunder wiederbelebt werden. Nun liegt er im Koma. Selbstmord, glauben Kollegen und Mediziner. Doch Lucs Freund und Kollege Mathieu Durey will das nicht glauben. Luc und Mathieu haben gemeinsam das Priesterseminar besucht, waren entflammt für die Botschaft Christi und die katholische Kirche.

Gemeinsam haben sie dem Priesterseminar den Rücken gekehrt, um dem Teufel dort entgegen zu treten, wo er sein Unwesen treibt: auf der Straße. So landeten beide im Polizeidienst. Und solch ein fanatischer, asketischer Streiter für das Gute soll einen Selbstmordversuch verübt haben? Eine Todsünde in den Augen der Kirche?

Mathieu ermittelt und entdeckt eine Reihe grauenvoller Foltermorde. Alle Fälle gleichen sich aufs Haar. Doch sonst findet Mathieu nur einen Zusammenhang. In allen Fällen waren die dafür verurteilten Mörder zu irgendeinem Zeitpunkt ihres Lebens einmal tot, wurden von den Ärzten aber wieder ins Leben zurückgeholt. Haben die Täter in der kurzen Spanne des klinischen Todes etwas erlebt, das ihnen allen befahl, sich für ihren Tod auf die bis ins Detail gleiche Art an ihren Mitmenschen zu rächen? Verfolgt Mathieu Durey den raffiniertesten Serienkiller des noch jungen 21. Jahrhunderts? Oder den Teufel selbst? Der französische Bestsellerautor Jean-Christoph Grangé („Die purpurnen Flüsse“) beschert seinen Lesern mit „Das Herz der Hölle“ einen neuen Albtraum.

Seit seinem düsteren Debut „Der Flug der Störche“ (1994) hat er in kurzer Zeit unglaubliche fünf Thriller geschrieben. Einer abseitiger als der andere. Seine Helden erscheinen seelisch kaum intakter als die Verbrecher, die sie jagen. Mathieu ist ein gutes Beispiel. Der ehemalige Priesterlehrling wollte hinabsteigen in die Welt der Normalsterblichen. Dabei blieb er Mönch, lebte in Askese und Zölibat.

Als er die Selbstüberschätzung erkennt, die darin liegt, zerbricht er fast. Spät, zu spät erkennt er, was er sich vorenthalten hat. Seine erste wirkliche Liebe. Schon diese Liebe zwingt den Beinahe-Kleriker Mathieu Durey dazu, um eine wissenschaftliche Erklärung der rätselhaften Fälle zu kämpfen. Am Ende ist er der Einzige, der nicht wahrhaben will, dass die Täter ihre Befehle nicht vom Teufel selbst bekommen haben. Aus dem Herzen der Hölle.

Grangé ist bestimmt nicht Jedermanns Sache. Dazu ist er zu düster. Außerdem verlangt er seinen Lesern so einiges ab. Über lange Passagen folgt man ihm durch endlose Detailschilderungen, die man dennoch nicht überspringen darf. Denn am Ende geht alles sehr schnell. Dann spielen all die kleinen Details plötzlich eine wichtige Rolle. Dann fragt Grangé wie ein gestrenger Lehrmeister den Leser ab.

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