Analog Basics: Rega II
Rega beweist bis heute, dass das Thema Plattenspieler immer noch nicht völlig ausgereizt ist. Selbst wenn man auf eine so einfache Konstruktion festgelegt ist wie Rega. Bei den höherpreisigen Modellen ist die mitteldichte Faserplatte (MDF) des Laufwerks resonanzdämpfenden Materialien gewichen. Doch die wichtigste Innovation spielt sich am unteren Ende ab. Beim Planar 1 hat Rega endlich den Glasteller gegen einen Teller aus MDF getauscht. Schon früher waren die Rega-Nachbauten mit MDF-Teller beispielsweise von NAD ein Geheimtipp.
Die Nachbauten litten allerdings unter der schlechten Qualität der Arme. Die mit einem roten Label versehenen OEM-Versionen des Rega-Tonarms RB-250 wiesen deutliches Lagerspiel auf. Nicht so die grün gelabelten von Rega verbauten RB-250. Der RB-250 besaß als erster Tonarm ein durchgängig aus einem Stück gezogenes Tonarmrohr. Das Fehlen von Schweißnähten verhindert, dass sich Resonanzen im Tonarmrohr aufbauen. Das von Rega für diesen Arm entwickelte Gussverfahren garantiert zudem eine konstante Festigkeit über die gesamte Länge des Arms. der Arm ruht in Präzisionslagern auf einem Sockel aus Messing.
Der RB-250 überflügelt klanglich jedweden Thorensarm. Er bringt eine bessere Detailauflösung, mehr Luft in die räumliche Darstellung und einen echten Bass. Gegenüber den großen Brüdern limitieren ihn allerdings einige bauliche Mängel, die natürlich der angepeilte Preis erzwingt.
Messing ist kein schlechtes Material, wie wir schon im Kapitel über Masselaufwerke gelernt haben. Als Basis für einen Tonarm ist es zu weich und weil der Tonarmsockel wohl kaum genug Masse mitbringen kann, um das auszugleichen, schaukeln sich hier Resonanzen auf. Die zweite Schwachstelle ist das hohle Kunststoffbauteil, das als Achse für das Gegengewicht des Tonarms dient. Auch hier bauen sich schnell Resonanzen auf. Die Firma Origin begann schon zu Beginn der 1990er Jahre damit, Rega-Tonarme mit massiven Stahlachsen auszustatten.
Für den nächstgrößeren Tonarm entschied sich Rega für einen Tonarmsockel aus Edelstahl. Edelstahl ist leichter aber fester als Messing. Er gewährleistet an dieser Stelle eine deutlich bessere Ableitung von mechanischer Energie, sprich: Resonanzen. Auch läuft beim RB-300 das Gegengewicht schon ab Werk auf einer massiven Edelstahlachse. Das Gegengewicht selbst besteht aus einer Walfram-Legierung mit hohem spezifischen Gewicht. Das Gegengewicht ist zwar nur halb so groß wie das des kleinen Bruders, aber deutlich schwerer. Dadurch liegt das Gewicht bei gleicher Auflagekraft deutlich näher beim Lager, klanglich ein Fortschritt.
Seit den Rega-Armen steht fest: Je mehr sich die Masseverteilung im Arm zum Lager hin orientiert desto besser ist der Arm. Auch da sind wir wieder beim Verhältnis von Masse zu Resonanz. Masse neigt dazu, mechanische Energie zu speichern. Wenn aber die größten Massen in der Nähe des Lagers liegen, fällt die Ableitung mechanischer Energie günstiger aus als an der Headshell, die den Tonabnehmer trägt.
Als Lager verwendet Rega beim RB-300 hochpräzise, selektierte Kugellager. Sie sollen mit demselben Selektionsgrad aus derselben Produktion stammen wie die von Top-Tonarmen wie dem Linn Ekos. Das Gegengewicht bekommt beim RB-300 Unterstützung durch ein Rad, über das mittels Federkraft die Auflagekraft eingestellt wird.
Die HiFi-Welt ist an Mythen so reich wie J.R.R. Tolkiens Märchenkontinent Mittelerde. So geistert bis heute der Mythos herum, der RB-250 sei in Wirklichkeit der bessere der beiden klassischen Rega-Arme. Das mag für einige mediokre Laufwerks- und Tonabnehmerpartner gelten. Da kann es tatsächlich sein, dass die weichere Gangart des RB-250 die Schwächen der Partner eher vergibt. Ansonsten distanziert der RB-300 den kleinen Bruder mit deutlich verbesserter Detailtreue. Er ist tonal neutraler als der RB-250 und produziert den genauesten, schlackenlosesten, präzisesten Bass diesseits vierstelliger Preisklassen.
Es gibt am RB-300 kaum etwas zu verbessern. So entspricht der jetzt aktuelle RB-301 bis auf Details dem Vorgänger. Selbst die größeren Modelle, RB-700 und RB-1000, gleichen dem Urahn zumindedst äußerlich. So bestand beim 900er, dem Vorgänger des heutige Top-Rega RB-1000, das Tonarmrohr nicht mehr aus einer Magnesiumlegierung, sondern aus einem Keramikmaterial aus der Rüstung. Dasselbe Keramikmaterial wird für chemische Gefechtsköpfe verwendet. Diese Waffen enthalten meist zwei Giftstoffe, die erst beim Zusammentreffen die tödliche Mischung ergeben. Im Gefechtskopf trennt sie eine Wand aus eben diesem Keramikmaterial. Das Material weist bei geringer Masse eine sehr hohe innere Festigkeit auf: ideal für einen echten Top-Tonarm. Doch die Sache hat ihren Preis.
Jetzt habe ich so lange über die Konstruktion der Rega-Tonarme doziert, dass ich – ganz gegen meine Absicht – nicht mehr zu möglichen Modifikationen der Rega-Arme gekommen bin. Ich verspreche das hoch und heilig für die nächste Folge der Analog Basics.