Sipgate: Telefonieren mit VoIP

Stofftier, Elch mit Sipgate-Handy

Foto: Sipgate

Sipgate bietet einen Telefonanschluss mit Ortsvorwahl per Internet (VoIP) und bei Bedarf mit Festnetzflat. VoIP-Nutzer können Ihren Anschluss von jedem Internet-PC nutzen. Einen Anrufbeantworter gibt es kostenlos, ebenfalls online.  Ich habe den Service ausprobiert.

SIP-Telefonie: Zweitanschluss auf jedem Internet-PC

Wer sich in den eigenen vier Wänden selbstständig macht, braucht einen Geschäftsanschluss. Die Handynummer allein wirkt auf die unstet. Singles lernen einfach, sich am gewohnten Festnetztelefon mit „Firma Meyer, mein Name ist Meyer“ zu melden. Wer Familie hat, muss das Problem anders umschiffen. Glücklicherweise gibt es Anbieter für Internettelefonie (Voice over IP, VoIP). Diese Firmen bieten Telefondienste ohne eigenen Anschluss an. Kein Technikerbesuch, kein Herumschrauben an Routern oder Hardware. Außerdem kann man den VoIP-Anschluss praktisch von jedem PC mit Internetzugang oder über jeden WLAN-Hotspot nutzen.

Zu den bekanntesten VoIP-Anbietern zählt Sipgate. Das 2004 gegründete Düsseldorfer Unternehmen nutzt ein internetbasiertes Kommunikationsprotokoll, das „Session Initiation Protocol“, kurz „SIP“. Das Protokoll vermittelt dabei die Gesprächsformalitäten. Das Gespräch selbst läuft in Sprachpaketen über das Internet. Der Anbieter selbst verwaltet lediglich die Anschlüsse.

Mit Sipgate in 5 Minuten zum Festnetzanschluss

Prinzipiell kann jeder Interessent innerhalb von fünf Minuten seinen Sipgate-Anschluss anmelden und lostelefonieren. Als Einstieg eignet sich der Tarif „Basic“. Dafür zahlt der Kunde keinen Cent Grundgebühr. Gespräche ins deutsche Festnetz kosten 1,79 Cent/Minute, Gespräche in Handynetzte gehen ins Geld. Auch Auslandsgespräche kosten natürlich Aufpreis. Interessant: Die Firma wirbt mit kostenlosen Gesprächen zwischen Sipgate-Kunden weltweit.

SIP-Softphone Phoner-Lite für Sipgate-Kunden mit Windows

Bei Anmeldung kann der Neukunde aus einer Auswahl von Nummern eine wählen. Zum Telefonieren fehlt ein Endgerät. Dafür bietet Sipgate im Online-Shop eine Auswahl vorkonfigurierter Telefone an. Natürlich kann der Nutzer auch anderswo ein VoIP-Telefon kaufen, muss es dann aber selbst konfigurieren. Dasselbe gilt für Besitzer eines iPhone, iPad oder eines Android-Gerätes. Sie können Apps herunterladen, müssen diese aber ebenfalls selbst konfigurieren. Nur für einige Nokia-Modelle schickt Sipgate die Daten gleich aufs Telefon.

Damit kann man gleich lostelefonieren.  Wir haben kein Nokia-handy und wollen trotzdem sofort telefonieren. Als Endgerät kann auch ein Computerprogramm dienen, ein sogenanntes Softphone. Windowsnutzern bietet Sipgate im Benutzerberich ein vorkonfiguriertes Phoner-Lite an. Linux-Nutzer müssen Softphones wie Ekiga oder Twinkle selbst konfigurieren. Jetzt brauchen wir noch ein Headset oder ähnliches, und fertig ist die Telefonzentrale.

Sipgate-Konfiguration kein Hexenwerk

Noch ein Wort zur Konfiguration: Dahinter verbirgt sich kein Hexenwerk. Jeder Sipgate-Kunde bekommt eine siebenstellige ID, die Kundennummer. Sie hat nichts mit der Anschlussnummer zu tun. Diese ID und das zugehörige Passwort braucht der Nutzer, um sein Softphone, seine iPhone-App oder sein Smartphone zu konfigurieren. Hilfe leistet der Telefonsupport. Die Hotline glänzte mit kurzen Wartezeiten und qualifizierten Auskünften.

Kostenloser Anrufbeantworter

Bis jetzt sind wir über unseren neuen Sipgate-Anschluss nur erreichbar, wenn der PC angeschaltet ist und das Softphone gestartet. Es fehlt ein Anrufbeantworter. Das hat Sipgate vorausgesehen und bietet daher Voicemail an. Der Nutzer hinterlegt eine PIN, damit ist der Anrufbeantworter prinzipiell aktiviert. Er lässt sich jetzt noch an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Hinterlassene Nachrichten kann man sich auf die bei der Anmeldung angegebene E-Mailadresse in Form von wav-Dateien.

Telefonieren mit Sipgate 

Ich verwende an meinem Büro-PC einen geschlossenen Kopfhörer Sennheiser HD-201 und ein Logitech Desktop-Mikrofon. Im Allgemeinen ließ das Telefonieren mit Sipgate keinen Unterschied zur gewohnten Qualität meines DSL-Komplettanschlusses erkennen. Selbst beim Durcheinanderreden hielten sich die Einbußen in akzeptablen Bahnen. In einem einzigen Fall allerdings zeigte die Telefonverbindung deutliche Verzögerungen in der Sprachübertragung. Insgesamt ein gutes Bild.

Nachtrag: Sipgate kontra Telekomriesen

VoIP-Handy Pirelli DP-L10. Foto: Sipgate

VoIP-Handy Pirelli DP-L10. Foto: Sipgate

Ich hatte zum ersten Mal mit Sipgate zu tun als ich 2007 die redaktionelle Verantwortung für das Telekommunikationsportal www.tariftip.de übernahm. Damals testete ich ein VoIP-Handy, das Pirelli DP-L10. Seinerzeit fühlte sich Sipgate von dem Trend zu DSL-Komplettanschlüssen bedroht. Der Hintergrund: Viele Anbieter führten über diese Anschlüsse sogenannte Next-Generation-Networks (NGN) ein. In diesen NGN übertragen Netzanbieter Datenpakete nicht mehr gleichrangig. Sie bevorzugen bestimmte Netzpakete. Sipgate fürchtete, als ungeliebter Konkurrent aus den Netzen der Telekomriesen ausgeschlossen zu werden. (Tariftip: VoIP-Anbieter warnt vor schlechtem Telefonnetz). Die Befürchtungen scheinen unbegründet: VoIP mit Sipgate funktioniert.

4 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Wolff,

    Wer sich in den eigenen vier Wänden selbstständig macht, braucht einen Geschäftsanschluss….Wer Familie hat, muss das Problem anders umschiffen. Glücklicherweise gibt es Anbieter für Internettelefonie (Voice over IP, VoIP). Diese Firmen bieten Telefondienste ohne eigenen Anschluss an. Kein Technikerbesuch, kein Herumschrauben an Routern oder Hardware.

    Hier sind in meinen Augen die „Home-/Zuhause- und ähnlichen Optionen“ der Mobilfunkanbieter eventuell
    besser geeignet, da sie u.a. ebenfalls eine Festnetznummer anbieten.

    Ich setze diese seit Jahren in Verbindung mit einer „Europa-Flat“ auf meinem Handy ein. Befinde ich mich
    im Umkreis von 2 Kilometern um meine (monatlich gegen geringe Gebühr änderbare) definierte Zuhause-
    Adresse klingelt mein Handy, wenn jemand die Festnetznummer wählt. Befinde ich mich außerhalb dieser
    Zone, wird der Anruf auf die Handy-Mailbox geleitet.

    So benötige ich noch nicht einmal einen PC, um übers Festnetz erreichbar zu sein. Weiterhin telefoniere ich im Gegensatz zu Voip innerhalb der sowieso bezahlten Flatrate und habe Zugriff auf sämtliche Kontakte.

    Gruß,

    Manfred

  2. Hallo Manfred,
    mir geht es nicht um die Erreichbarkeit. Mir geht es darum, nach außen einen Festnetzanschluss zu besitzen, von dem ich telefonieren kann, ohne den Familienanschluss zu belasten. Die Weiterleitung ist ein Argument. Ich habe mich dennoch für Sipgate entschieden. Das Homezellenangebot der Mobilfunker hat einen gravierenden Nachteil: Wenn ich von meinem Mobilfunkanschluss telefoniere, dann bekommt mein Gesprächspartner die dazugehörige Mobilfunknummer angezeigt, nicht aber die Festnetznummer. Und zwar auch dann, wenn ich aus meiner Heimatzelle telefoniere. Ich will aber eine vollwertige Festnetznummer haben.
    Die Vorteile von Sipgate überwiegen in meinen Augen:
    1. Ich kann jederzeit – auch unterwegs – von meinem Festnetzanschluss telefonieren (mobiles Internet macht’s möglich). Wenn ich einen Coworking-Space nutze, dann zieht mein Telefonanschluss einfach mit mir um.
    2. Entgangene Anrufe zeichnet meine Voicemail auf und sendet sie mir als WAV-Datei per eMail. Das bietet mir mein DSL-Anbieter nicht an.
    3. Meine Kosten belaufen sich auf 8,90 Euro im Monat. Dafür bekomme ich weder bei Vodafone noch bei O2 einen Anschluss wie du ihn benutzt.
    Letztlich muss sich wohl jeder entscheiden, wo er die Prioritäten setzt.

  3. @Manfred:
    Ich benutze Twinkle. Das funktionierte einfach nach Eingabe der Benutzerdaten von Sipgate. Beim Gnome-Tool Ekiga habe ich die Einrichtung nicht hingekriegt. Linphone werde ich mir mal anschauen.
    @all:
    Vielleicht kommt ja mal ein Ekiga-Nutzer vorbei, der hier weiterhelfen kann. Zögert bitte nicht, einen Kommentar zu hinterlassen.

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