Chromebook-Test: Medion Akoya S2013

Das Chromebook zählt zu den Verkaufsschlagern in US-Elektronikmärkten. Das Erfolgsrezept: Günstige Technik mit einem anspruchslosen Betriebssystem und Googles Online-Diensten im Hintergrund. Dafür begibt man sich in Abhängigkeit zu dem Internetkonzern. Ich war neugierig, wie das Chromebook tickt, und habe mir eines der letzten Medion Akoya S2013 mit einem 11,6-Zoll-Bildschirm geleistet, das günstigste Chromebook, das ich auf dem deutschen Markt finden konnte.

Erinnern Sie sich noch an den letzten Wechsel Ihres Smartphones? Vieles geht dabei einfach von der Hand. Apps, Kontakte, Termine – alles bei Google gespeichert. Aber was ist mit Fotos und Videos, die wir per Whatsapp  oder aus anderen Quellen erhalten? Der Wechsel von einem Gerät auf ein anderes erfordert immer noch viel Handarbeit. Wäre es nicht schön, wenn wir uns einfach auf dem neuen Gerät anmelden könnten, und alles so vorfänden wie wir es verlassen haben? Genau das verspricht das Chromebook. Ein solches hat mir das Christkind unter den Weihnachtsbaum gelegt.

Wer an Heiligabend ein neues Notebook bekommen hat, sollte sich für den ersten Weihnachtsfeiertag sonst lieber nichts vornehmen. Das Einrichten dauert. Anders beim Chromebook mit Chrome OS. Auspacken, einschalten, Sprache und Tastaturlayout einstellen, WLAN verbinden, mit den Google-Zugangsdaten anmelden, fertig. Danach befinden wir uns im Google Browser Chrome. Die ganze Prozedur hat unter 1 Minute gedauert. Das Chromebook ist ganz nebenbei der ideale Oma-und-Opa-Computer. Notrufe und Supporteinsätze dürften den Enkeln erspart bleiben.

Der Chrome Browser bildet den Kern von Googles Betriebssystem Chrome OS. Apps aus dem Chrome OS Web Store laufen in der Regel im Internet. Und auch das Chromebook selbst speichert Daten standardmäßig online auf Google Drive. Chromebooks verfügen darum nur über wenig lokalen Speicherplatz. Bei meinem Medion Akoya S2013 sprechen wir über 16 GB. Das günstigste Chromebook auf dem deutschen Markt liegt damit auf der Untergrenze seiner Gerätekategorie. Einen Großteil davon braucht das Betriebssystem. Das reicht im Alltag völlig aus. Der lokale Speicher dient ohnehin eher als Puffer, als temporärer Speicher bei Netzabbrüchen.

Das Chromebook taugt nicht für digitale Entwicklungsländer

Das bringt uns zum größten praktischen Nachteil des Chromebooks. In digitalen Entwicklungsländern wie dem unseren eignet sich das Chromebook nur bedingt für das Arbeiten unterwegs. Ich kann zwar das Officepaket Google Docs auch für den Offline-Betrieb einrichten. Aber schon wenn ich auf andere Daten zugreifen muss, bin ich ohne einigermaßen schnelles Internet aufgeschmissen. Das ist eigentlich schade, denn eigentlich ist das Chromebook das ideale Unterwegs-Notebook. Lasse ich mein Gerät einmal versehentlich im Zug liegen, dann hält der Finder nur ein Chromebook in Händen, nicht aber meine Daten. Außerdem könnte der fest verbaute Akku das Gerät auch auf längeren Reisen mit Strom versorgen. Das Chromebook zeigt im frisch geladenen Zustand über 9 Stunden an, was sich ungefähr mit meinen Erfahrungen deckt.

Damit sind wir bei den angenehmen Seiten des Chromebooks. Mein Chromebook, wie gesagt das günstigste auf dem deutschen Markt, besitzt ein helles, kontrastreiches, farbstarkes Display. Die Tastatur könnte einen etwas kräftigeren Tastenhub haben. Dafür sind die Tasten größer als bei Netbooks üblich. Chromebooks besitzen beispielsweise keine Caps-Lock-Taste, ein Relikt aus der Ära der Schreibmaschinen. Am oberen Rand befinden sich gut erkennbare Tasten für Lautstärke, Helligkeit und andere Funktionen. Vorbei die Zeit der Tasten F1- bis F-schießmichtot, bei denen ich mir nie merken konnte, welche jetzt im Zusammenhang mit der Fn-Taste die Lautstärke regelt. Danke, Google, vielen Dank.

Chromebook: Netbook auf Speed

Richtig Punkte macht das Chromebook mit seiner Geschwindigkeit. Handgestoppte 26 Sekunden nach dem Aufklappen sitze ich vor einem eingabebereiten Chrome-Tab. Knapp die Hälfte der Zeit brauche ich übrigens für die Eingabe meines Google-Passwortes. Im Betrieb folgt das Chromebook allen Eingaben ohne merklichen Verzug. Anwendungen starten ohne Wartezeit. Dabei besitzt das Medion Akoya S2013 nur 2 GB Arbeitsspeicher – auch in dieser Hinsicht liegt es damit am unteren Ende der Chromebook-Spezifikationen.

Das Medion ersetzt bei mir ein Acer-Netbook, das ebenfalls über 2 GB RAM verfügt, aber damit selbst unter dem leichtgewichtigen Lubuntu Linux nur noch zur Spaßbremse taugt. Das Chromebook ist ein Netbook auf Speed. Obwohl es ebenfalls auf Linux (Gentoo) basiert, rennt ChromeOS, wo selbst spartanische Linux-Distributionen zu kämpfen haben. Updates für ChromeOS laufen vollkommen unauffällig im Hintergrund ab. Zudem gilt das Betriebssystem als sehr sicher.

Das Chromebook profitiert auch von den Online Apps. Für GIMP musste mein Netbook eine ganze Reihe von Bibliotheken aufrufen. Mein Chromebook muss nur die entsprechende Webseite ansteuern, um die mit GIMP vergleichbare Bildbearbeitung Pixlr aufzurufen. Hier zeigen sich allerdings auch die knappen Ressourcen des kleinen Medion Chromebooks. Da zeigt sich schon mal ein Ruckler. Vielleicht liegt das aber auch an der Seite, die Flash verwendet. Für die Nachbearbeitung von Fotos empfehle ich übrigens Polarr.

Ausstattung: Geht so

Das Hartplastikgehäuse des Medion Akoya S2013 bemüht sich ehrlich, wie gebürstetes Aluminium zu wirken. Sagen wir mal: Man merkt dem günstigen Chromebook den Einsatz des Rotstiftes an, Unter dem Strich wirkt es aber robust. Mit einigen Einschränkungen muss der Besitzer des Billigheimers von Medion leben: Googles Play Store für Android-Geräte steht derzeit nicht auf dem Medion Chromebook zur Verfügung. Auf anderen aktuellen Chromebooks ist das inzwischen Standard. Andererseits fressen Android Apps den Speicherplatz auf und machen das Chromebook langsamer. Ärgerlicher ist, dass der Besitzer des Medion Akoya S2013 nicht den kostenlosen Speicherplatz auf dem Google Drive bekommt. Der Internetriese verspricht eigentlich jedem Kunden mit einem Chromebook 100 GB zusätzlichen Speicherplatz für zwei Jahre gratis. Leider nicht für Medion Books, heißt es auf der entsprechenden Seite bei Google. [update] Inzwischen hat Google mein Chromebook erkannt und mir 100 GB Speicherplatz auf Google Drive für zwei Jahre kostenlos zugestanden. Tipp für alle Chromebook-Einsteiger: Wenn Google euch beim ersten Versuch abweist: einfach noch einmal anfragen. [/update]

Pro und Contra Chromebook

Neben dem Chromebook und dem Dell besitze ich noch ein Smartphone und mein altes Netbook. Diesen Artikel habe ich im Wechsel zwischen dem Chromebook und dem Dell geschrieben. Auf letzterem musste ich mich natürlich im Browser in mein Google Drive einloggen, denn dort lag der Artikel. Das Chromebook ist das erste Gerät, das der Realität des verteilten digitalen Arbeitens und Lebens konsequent Rechnung trägt. Daten gehören heute nicht mehr auf lokale Festplatten, sondern in die Cloud. Alles andere kostet Zeit und Nerven. Das Chromebook koppelt mich vom lokalen Speicher ab – ein Luxus, auf den ich nicht mehr verzichten möchte.

Ja, das Chromebook führt in die Abhängigkeit von Google. Ich persönlich schätze Google-Anwendungen und bin gespannt, was sich der Konzern in der Zukunft noch einfallen lässt, um mir das Leben zu erleichtern. Dafür überlasse ich Google meine Nutzerdaten. Das sehe ich ganz und gar nicht unkritisch. Gern würde ich ein ähnliches Angebot eines europäischen Konzerns nutzen. Aber selbst für Unternehmen gibt es kaum so leistungsfähige und flexible Cloudlösungen wie die von Google, Amazon oder Microsoft. Dem Privatmann oder dem Kleinunternehmer bleibt kaum eine Wahl als seine Daten einem der großen US-Konzerne anzuvertrauen.

Ich habe mich für das Chromebook entschieden, weil ich genau genommen schon lange eines besitze. Mein Android Smartphone ist ebenfalls an Google gebunden. Ich nutze die Datensicherung in der Cloud, ich nutze Maps und GMail. Hinzu kommen die Trackingfunktionen der meisten Apps. Schließlich installieren auch die Smartphoneanbieter eigene Software auf den Geräten, um sich ihren Anteil an unseren Nutzerdaten zu sichern. Dabei bietet Android nicht im Ansatz die Vorteile von Chrome OS. Ähnlich sieht das mit Windows PCs aus. Auch Microsoft hat sein Betriebssystem mit allerlei Trackingfunktionen versehen. Wir dürfen annehmen, dass auch Apple nicht darauf verzichten wird, die Geräte der Nutzer auszuspionieren.

Wer seine Daten also absolut nicht teilen möchte, muss sich für einen PC mit Linux entscheiden. Darauf sollten dann auch ausschließlich Open-Source-Anwendungen installiert sein. Außerdem sollten datensensible Gemüter Dienste wie Microsoft Office, Outlook, Google oder Dropbox nicht nutzen. Unter den oben beschriebenen Sammelwut ausnahmslos aller IT-Riesen vermag ich nicht zu erkennen, was Google jetzt böser macht als Microsoft, Apple oder Amazon. Wer ChromeOS einmal unverbindlich testen will, kann es auf einen USB-Stick schreiben und von dort testen. Die Basis für ChromeOS bildet das freie Betriebssystem ChromiumOS, das als CloudReady bei Neverware zum Download steht.

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