Phaenomene des Alltags: Brückentechnologie

Die Brücke ist immer gut. Brücken überwinden alle Hindernisse. Und sie tun es so diskret. Sie schaukeln nicht wie Boote und stürzen nur sehr selten ab. Sie nehmen uns die Angst vor der Reise. Denn wer reist schon gern, wenn er nicht weiß, ob das Flugzeug Bordtoiletten besitzt, oder wie die Hotels am Urlaubsort sein werden? Keiner würde sich fragen, wie es wohl ist, über diese oder jene Brücke zu gehen. Und keiner fragt sich, wie es wohl am anderen Ende sein wird. Die Brücke ist gleichsam immer eine Verlängerung des Hier und Jetzt. Deshalb hat sich unsere Kanzlerin Angela Merkel in der Debatte um die Energiepolitik für das Bild der Brücke entschieden. 

Die Brücke verspricht einen Wandel, den man nicht merkt

Die Brücke setzt dem Sehnen nach dem Wandel ein „Weiter so“ voran, das den Wandel verspricht, aber ihm in Wirklichkeit entgegensteht. Die Brücke ist das, was über den Wandel hinweg führt. Wir hier oben, trocken auf der Brücke, während unten in der Schlucht das grüne Anti-Atomchaos tost. Und die Brücke verspricht: „Solange Ihr auf mir wandelt, soll euch nichts drohen noch mangeln. Und auf der anderen Seite wird es genauso sein wie hier. Ihr werdet den Wandel gar nicht merken. Denn Mutti ist bei euch und bringt Euch sicher nach Drüben. Doch dieses Drüben wird so sein wie das Hüben, aus dem Ihr aufbrecht, nur irgendwie ohne Atom und ohne Klimawandel. Aber das werdet ihr nicht merken, denn Mutti hat euch den Wandel gebracht, nur ohne Wandel und mit trockenen Füßen.“

Die Brückentechnologie tarnt den Stillstand als Bewegung

Die „Brückentechnologie“ tarnt Stillstand als Bewegung. Sie suggeriert, es gäbe eine Nichtbewegung, die der Bewegung vorausgehen müsse, damit am Ende die Bewegung so gut gelingt, dass sich keiner zu bewegen braucht. Und die Brücke, das ist Mutti Merkel selbst. In all ihrer unergründlichen Rätselhaftigkeit. Denn so wenig, wie wir wissen, wo Mutti eigentlich mit uns hin will, so wenig wissen wir, wo ihre Brückentechnologie am Ende hinführen soll. Müssen wir auch nicht. Wir müssen nur wissen: Mutti ist mit uns. Und führe ihre Brücke auch ins Nirgendwo, es bleibt eine Brücke.

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