In Berlin hat die Vernunft gewonnen

Es wird ein harter Schlag für viele West-Berliner werden, wenn im Herbst der Flughafen Tempelhof geschlossen wird. Schließlich hat Berlins Innenstadt-Airport Geschichte geschrieben. Hier startete die erste Lufthansa-Maschine und hier landeten in den Zeiten der Berlin-Blockade die alliierten Rosinenbomber. Dennoch hat sich bei der Abstimmung über das Schicksal von Tempelhof die Vernunft durchgesetzt.

Die Gegner einer Schließung des Flughafens haben in dem Bürgerentscheid eine Niederlage erlitten. Nun ist es Zeit, einzusehen, dass durch den Weiterbetrieb von Tempelhof die Hauptstadt nicht noch sexier geworden wäre, sondern nur ärmer. Es fehlte an Argumenten. Die Bundestagsabgeordneten fliegen von Tegel aus in ihre Wahlkreise, und auch die Bundesbeamten, die ins beschauliche Bonn fliegen, starten in Tegel. Verschiedentlich hörte man in der Diskussion die Meinung, dass Tempelhof doch von privaten Sponsoren betrieben werden könnte. Das spielte wiederum der Berliner rot-roten Koalition argumentativ in die Hände. Ein Shopping-Flughafen für arabische Ölscheichs und russische Gazprom-Milliardäre? Da lässt sich doch eine Plakatkampagne draus schustern. Mit ehrlichen Arbeitergesichtern, die unterm gelben Helm den Promi-Flughafen geißeln. Lieber Herr Wowereit, solche Menschen kommen in ihrer Stadt nur in homöopathischer Dosierung vor.

Doch eins bleibt unbestreitbar: Selbst wenn private Sponsoren den Weiterbetrieb von Tempelhof übernähmen. Nach einiger Zeit würde es heißen: Das ist zu teuer für uns. Nun muss die Stadt einspringen, sonst gehen soundsoviele Arbeitsplätze verloren. Friedbert Pflüger (CDU) will weiter für Tempelhof streiten. Warum er das tut, bleibt sein Geheimnis. Weil etwas, das SPD und Linkspartei beschlossen haben, nie und nimmer richtig sein kann?

Knappe Mehrheit für Demokratie

Nur 60 Prozent haben Vertrauen in die Demokratie. Die Meldung geisterte am Montag durch die Nachrichtenportale. Sie geht zurück auf eine Umfrage für die Leipziger Volkszeitung. Bei den Ossis genießt unsere Staatsform noch weniger Vertrauen. Allerdings schneidet die Soziale Marktwirtschaft noch schlechter ab. Nur 48 Prozent haben noch Vertrauen in die Wirtschaft. Kunststück: Wenn die Befragten repräsentativ ausgewählt wurden, muss unsere Wirtschaft über 48 Prozent noch glücklich sein. Das sind die, die für dieses Jahr noch keine Kündigung gekriegt haben, die nicht von Hartz IV leben und die nicht für einen Hungerlohn malochen.

Dass die Deutschen nicht mehr an die soziale Marktwirtschaft glauben, ist die Korrektur eines Bildes vom weißhaarigen, väterlichen Unternehmer, der seine 30.000 Mitarbeiter alle mit Namen kennt und für jeden ein offenes Ohr hat. Dieses Bild war ein schöner Traum aus Zeiten, in denen man noch sanft auf der nächsten Gehaltserhöhung und der sicheren Rente ruhte. „Knappe Mehrheit für Demokratie“ weiterlesen