Google Chrome: Sturm im Wasserglas

logo_chrome.jpgDer Berg kreißt und gebiert eine Maus. Der Berg, das ist Google. Die Maus hört auf den Namen Chrome und ist ein Internetbrowser. Viel Getöse hat es um die Sturzgeburt gegeben. Immerhin hatte Google das Projekt geheim gehalten bis die Beta-Version fertig war. Dann kam über das offizielle Google-Blog die Ankündigung und ab 21 Uhr gestern Abend luden Tausende von Neugierigen das Programm herunter. Die Zeitungen sahen einen neuen Browserkrieg mit Microsoft herauf ziehen, als ob es keinen Firefox gäbe. Gleichzeitig begann das mystische Rätselraten um den Datenkrake Google, als ob irgendjemand so genau wüsste, welche Daten Microsoft aus den PCs seiner Kunden ausliest. Dabei bietet Chrome kaum Neues. Die Tab-Bedienung ist bei Opera abgeguckt, die Navigation bei Firefox und mit dem Inkognito-Fenster nimmt Google etwas vorweg, das Microsoft für den Internet Explorer 8 angekündigt hat. Ja, richtig: Inkognito. Bei einer Sitzung im Inkognito-Fenster soll der Browser keine Cookies und Informationen über besuchte Webseiten speichern – sagt Google. So bleibt als lustiges Gimmick nur die Möglichkeit, einen Tab per Drag &Drop in ein Browserfenster umzuwandeln oder umgekehrt. Hand aufs Herz: Hat uns das im Firefox oder Opera nicht immer schon gefehlt?

Ach ja: Die Inhalte in den Browsertabs sind strikt getrennt. Damit soll nicht mehr der Browser abstürzen, wenn eine geöffnete Seite defekt ist. Ehrlich gesagt, nerven auch die etablierten Browser nicht mit massenweisen Abstürzen. Selbst der Geschwindigkeitsvorteil gegenüber Opera und Firefox hält sich in Grenzen.

Nein, viel spektakulärer als der Browser selbst ist das Google-Marketing: Just zum Abschluss der IFA lanciert das Unternehmen sein neues Baby, und schafft es so bis in die Mainstream-Radiostationen, in die Hauptnachrichten im Fernsehen und in jede Tageszeitung zwischen Eisenhüttenstadt und Euskirchen.

Google ist schließlich ein Mythos, die geheime Macht hinter den bunten kullerigen Buchstaben über einer Eingabezeile im Internet. Und der Krieg zwischen Microsoft und Google ist publizistisch so breit getreten wie die Unterwäsche von Paris Hilton. Davon hat jeder schon gehört. Wenn zwei Stiere die Hörner aneinander knallen, dann schauen wir alle gerne zu.

Dabei hat außerhalb des Internet weniger Erfolg gehabt als Microsoft im Internet. Während Microsoft seine Live-Search wenigstens unter den vier bedeutendsten Suchmaschinen platziert hat, rangiert Googles Betriebssystem gOS nicht nur hinter Windows und Apples Mac OS, es dürfte auch hinter einer illustren Schar von Linux-Distributionen liegen.

Vielleicht sollten die beiden Kampfähne sich auf das besinnen, was sie können: Microsoft außerhalb des Internets und Google innerhalb.

Google Chrome: Download

Auf tariftip.de: Erster Blick auf Google Chrome

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Naja, das Ding ist sehr schick, sehr klein, sehr schnell, sehr schlank – alles das was uns FF mal versprach, aber längst nicht mehr einlöst. Ich warte jeden Tag auf das Desktop-Betriebssystem von GOOGLE, damit die Jungs endlich den gewünschten Direktzugriff auf meinen PC haben 😉 Das würde doch die ganzen blöden Umwege über Picasa, GMail, Chrome usw. endlich überflüssig machen.

  2. Das Desktop-Betriebssystem gibt es schon: gOS. Und FF ist deswegen nicht mehr so schlank, weil all die User so schöne Erweiterungen gebastelt haben. Übrigens warnen Sicherheitsexperten im Augenblick vor Chrome, weil er ein altes Webkit benutzt und die „Carpet Bomb“ vom Safari geerbt hat. Das heißt, er lädt ungefragt Dateien aus dem Internet herunter. Übrigens bringt Google Chrome schon ein zentrales Spionage-Tool. Mit Chrome kommt Google Updater.exe auf den PC. Ich habe verzweifelt versucht, das Ding wieder rauszukriegen. Das kommt übrigens auch mit Picasa und anderen Googel-Desktop-Anwendungen.

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