Test: Linux-Distributionen für den Asus Eeepc – 3/3 Fazit

Eeebuntu
Das Ubuntu für den Eeepc kommt mit der von Ubuntu designten Netbook-Oberfläche. Die ist sehr schick,mehr aber auch nicht. Es unterstützt die Fn-Tasten des Eeepc out of the Box und auch die Einwahl ins WPA-geschützte Funknetzwerk. Außerdem Allerdings bricht die WLAN-Verbindung zusammen, wenn man eine Anwendung startet, die aufs Internet zugreift. Egal ob den Paket-Manager Synaptic, den Firefox-Browser oder was auch immer: Das WLAN fällt aus.

Ich gestehe, dass die Voraussetzungen nicht leicht sind: Das Internet von meinem Kabelanbieter RFT bricht manchmal zusammen, und der dahinter geschaltete WLAN-Router von Belkin bucht sich dann manchmal aus. Dennoch: Eeexubuntu 7.10.3 verhielt sich hier immer mustergültig, und hinter diesen Standard will ich nicht mehr zurück.

Unverständlich finde ich auch die Zusammenstellung: Eeebuntu verwendet den Gnome-Desktop, mixt ihn aber mit dem Kontrollzentrum und dem Network-Manager von KDE. Auf jedem “großen” PC will ich nichts gegen solch einen Mix sagen. Auf dem Eeepc 701 4G ballert Eeebuntu jedoch den gesamten Festspeicher voll, weil es neben den GTK- auch noch die QT-Bibliotheken braucht. Noch eine Frage: Was soll der Speicherfresser Open Office auf der kleinen Kiste?

Mit Rücksicht auf den umfangreichen Gnome-Desktop habe ich Eeebuntu gestattet, eine Swap-Partition anzulegen. Das macht den Speicherplatz auf dem Festspeicher noch knapper. Aber selbst mit Swap läuft Eeebuntu auf dem kleinen Eeepc nur sehr hakelig. Eeexubuntu lief ohne Swap stets flüssig und schnell. Also: Runter damit.

Fluxflux
Fluxflux läuft schon auf dem USB-Stick sehr geschmeidig. Statt Open Office bringt das System die kompakte Textverarbeitung Abiword mit. Sehr gut. Das System sieht die Einbindung eines Surf-Sticks vor und läuft auch in WPA-geschützten Funknetzwerken sehr stabil.

Fluxflux passt sich am besten an den Eeepc an. Ein Traum. Leider hat die Installation auf die Festplatte nicht geklappt. Ich bin jedoch entschlossen, es auf meiner Speicherkarte weiter zu testen.
Jeder Eeepc-Besitzer sollte Fluxflux auf jeden Fall eine Chance geben. Dieses System ist der Hammer – wenn die Installation gelingt.

Mandriva 2009.0
Mandriva erhebt den Anspruch, das einzige Mainstream-Linux anzubieten, das ohne Basteleien perfekt auf dem Eeepc läuft. Sehr gut: Bei der Net-Installation lässt sich die Programmzusammenstellung an die Gegebenheiten auf dem Eeepc anpassen. Abiword statt Open Office, IceWM statt Gnome oder KDE. Ich habe mich für Gnome entschieden. Und siehe da: Mandriva läuft auch mit Gnome absolut flüssig. Keine Zicken, keine Hakeleien. Dabei verwendet auch Mandriva ein üppig ausgestattetes grafisches Kommandozentrum. Nehmt euch ein Beispiel dran, Ubuntu!

Mandriva ist ein vollkommen unterschätztes Linux. Im Bedienungskomfort braucht es sich hinter Ubuntu nicht zu verstecken. Im Gegenteil: Mandriva setzt so konsequent auf grafische Systemverwaltung wie sonst nur noch Suse, ist aber kompakter und wirkt übersichtlicher. Die Fn-Tastenkombinationen funktionieren perfekt.
Leider scheiterte auch Mandriva daran, eine stabile Netzwerkverbindung mit meinem WLAN herzustellen. Beim Start des Firefox war es vorbei mit dem Internetanschluss.

Pupeee
Pupeee ist eine angepasste Version von Puppy Linux. Es läuft pfeilschnell vom USB-Stick, weil das gesamte System in den Arbeitsspeicher geladen wird. Schon das normale Puppy ist eine heimliche Liebe von mir. Es reduziert Linux auf das Notwendigste, bleibt aber dabei überraschend benutzerfreundlich – anders als das auf einen ähnlichen Zweck gerichtete Damn Small Linux. Während Puppy im Gesamtumfang unter 100 MB bleibt, misst Puppeee 139 MB. Es war aber immer noch die kleinste Distribution im Test.

Der Funktionsumfang überrascht. Für Internet und E-Mail ist Seamonkey an Bord, eine Textverarbeitung ist dabei,Player für Musik und Multimedia und, und, und. Leider habe ich es auch mit viel Recherche in Foren und viel Probieren nicht geschafft, Pupeee mit meinem WPA-geschützten Funknetzwerk zu verbinden. WEP ist übrigens kein Problem. Puppeee ist ein System, das sich beispielsweise empfiehlt, wenn die Festplatte dereinst einmal hinüber ist (Festspeicher vertragen nur eine begrenzte Zahl von Schreibzugriffen). Wenn Puppeee in WPA-geschützten Funknetzwerken funktionieren würde, wäre es ein ideales System für den Eeepc 4G.

Slack2go
Slack2go beruht auf Slackware. Es kommt mit Open Office (Geht’s nicht noch größer?) und einem Desktop, der sich am Easy Desktop von Xandros orientiert. Wie dieser lässt der Slack2go-Desktop nicht ohne weiteres Systemveränderungen zu.

Das nervt schon deswegen, weil Slack2go offensichtlich an den etwas größeren Bildschirm des Eeepc 900 mit seinem 9-Zoll-Display angepasst ist. Auf dem 7-Zöller des 701 kann der Nutzer nur raten, was sich am rechten Bildschirmrand verbirgt. Außerdem erkannte Slack2go die WLAN-Karte nicht. Keine Chance. Slack2go flog von der Platte.

Fazit

Ich bin inzwischen bei Eeexubuntu 7.10.3 zurück. Ich weiß jetzt, was ich daran habe. Ich lebe mit den Fehlern und freue mich an einer soliden Arbeitsmaschine.

Das “große” Ubuntu habe ich nicht nur in der Xubuntu-Version ausprobiert. Die Community bietet zwar einen Kernel an, der alle Funktionen des Eeepc unterstützen soll. Doch genau dieser Kernel liegt Eeebuntu zugrunde, und das war eine Enttäuschung.

Ich werde jetzt versuchen Fluxflux auf meiner SD-Karte zum Laufen zu bringen. Wenn ich das geschafft habe und mein Eeepc mit einem stabilen System auf der Speicherkarte läuft, dann werde ich versuchen, entweder Xubuntu 8.10 auf die Platte zu bringen oder ich gebe Mandriva noch eine Chance.
Von den speziell angepassten Distributionen hat mich Fluxflux begeistert. Interessant ist auch Puppeee: Keine Distribution lief im Test so flink. Slack2go sollten Besitzer eines Eeepc 900 einmal ausprobieren. Vielleicht ist das System dort das Maß der Dinge.
Man liest öfter, dass der kleinste (und älteste) Eeepc auch derjenige ist, der die meisten Bastelarbeiten verlangt. Meine Versuche scheinen dies zu bestätigen. Die Netbook-Hersteller schießen sich allmählich auf eine Plattform rund um Intels Atom-Prozessor ein. Dementsprechend treiben auch die großen Linux-Distributoren ihre Systeme für diese Plattform voran.

Schon deshalb verdienen Entwickler wie Thomas Schönhütl und Linux-Systeme wie sein Fluflux allen Respekt. Immerhin zeichnet sich ein Silberstreif am Horizont ab: Laut einer Meldung von Heise gibt es endlich einen Open-Source-Treiber für die Atheros-WLAN-Karten. damit könnten die WLAN-Probleme auf den Eeepcs bald ein Ende haben – auch auf dem kleinsten.

Test: Linux-Distributionen für den Asus Eeepc – 1/3 Einleitung

Test: Linux-Distributionen für den Asus Eeepc – 2/3 Installation

22 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo,

    als Erstes danke für das Testen von Slack2Go!

    Zitat: “Wie dieser lässt der Slack2go-Desktop nicht ohne weiteres Systemveränderungen zu.”

    Selbstverstaendlich kann Slack2Go mit der nativen KDE-Oberflaeche betrieben werden, welche dann auch die gewohnten Änderungen am Desktop zulässt.

    Da Slack2Go zwar auf einem EeePC701 entwickelt, aber nicht explizit nur für den EeePC konzipiert wurde, sondern als universal einsetzbares Live-System, ist das ‘Simplemode-ähnliche” Control-Center’ zugegebenermassen fuer den EeePC groß geraten.

    Für den Benutzer, welcher ein vollwertiges Linux-System benutzen möchte, reicht es aus, dass Control-Center zu schliessen.

    Die Wlan-Karte funktioniert definitv, solange man sie per ‘FN+F2‘ einschaltet.

    Desweiteren wäre es schön gewesen, wenn auch das Programm-Angebot in den Test eingeflossen wäre.

    Ich werde im Laufe der Woche eine neue Version online stellen und würde mich freuen, wenn auch diese kritisch getestet würde.

    Gruss, Manfred Müller

  2. Hallo und vielen Dank für die Ergänzungen. Ich hätte ja nicht gedacht, dass ich so schnell Resonanz bekomme. Ich finde die Idee, Slackware für den Eeepc anzupassen sehr interessant. Mein Problem war, dass der Desktop zu groß für den Bildschirm meines Eeepc war. Eigentlich hätte ich versucht, im X11 die Xorg.conf zu modifizieren. Leider habe ich kein Terminal gefunden. Das Einschalten der Karte habe ich probiert, habe aber kein Funknetzwerk gefunden. Ich bin gespannt auf die neue Version und werde sie ganz bestimmt ausprobieren. Zum Desktop: Ich fand schon den Easy Desktop von Xandros nicht hilfreich. Vielleicht könntest du ja die nächste Version parallel in einer Full-Desktop-Version bereitstellen. Alternativ könnte ich mir ein Howto vorstellen, das erklärt wie man den KDE aktiviert.

  3. Pingback: blogring.org

  4. Pingback: RTFM! | Puppy Linux 4.1.2 ist verfügbar

  5. Freut mich, dass fluxflux-eee gefallen hat.

    Die Kernelpanic bei einer Installation gibt es nur, wenn die Rootpartition nicht ext3-formatiert wurde (der PCLinuxOS-Installer ist da in der jetzigen Form etwas “tricky”: wenn man eine neue Partition erstellt, dann wählt er ext2 und wenn man dann nicht im Expertenmodus auf ext3 umstellt, dann findet die initrd.img beim ersten Start statt der benötigten ext3-Partition eine ext2-Partition und kann das Root-Filesystem nicht mounten, was die Kernelpanic zur Folge hat).

    Oder aber es handelt sich um ein sehr neues BIOS auf dem eeePC, das bei einer Installation auf SDHC beim Reboot eine andere Devicebezeichnung vergibt (das kann der Installer nicht fixen, das muss dann der Nutzer selber machen, ist im übrigen ein Problem, mit dem alle Distributionen kämpfen, die auf SDHC oder USB installieren) und damit kann die Rootpartition nicht gefunden werden, da die /etc/fstab nicht mehr stimmt.

    Bei den Standard-BIOS-Versionen konnte ich das durch den Installer ausgleichen, bei den neuen BIOS-Versionen ist dies nicht mehr möglich, kam aber bisher tatsächlich nur vereinzelt vor, da der Großteil der eeePC-Nutzer das System auf die interne SSD installiert, nachdem es als Liveversion getestet wurde.

    Grüße,

    Thomas Schönhütl.

  6. Vielen, vielen Dank für die vielen Reaktionen. Da scheint es ja richtig Bedarf zu geben.
    @Thomas Schönhutl: Vielen Dank für den Hinweis. Ich werde das nochmal probieren.
    @kOko: Ich habe Ubuntu-eee nicht erwähnt, weil ich es nicht per Unetbootin auf den USB-Stick gekriegt habe. Als ich vom Stick zu starten versuchte, fand der Eeepc keinen Kernel. Ich habe im Netz gelesen, dass solche Dinge auch am Fabrikat des USB-Sticks hängen können. Kurz und gut: Ich hätte die Daten zu Fuß auf den Stick kopieren und ihn bootfähig machen müssen. Das wollte ich mir nicht antun.
    Ich weise nochmal darauf hin: Ich wollte nur meine Erfahrungen aus der Sicht eines erfahrenen Anwenders schildern. Minimalanforderung war der Komfort von Eeexubuntu 7.10.3.

  7. Das Erstellen eines bootfähigen USB-Mediums für fluxflux sollte ausschließlich mit den Bordmitteln erfolgen! Unetbootin liefert nicht einwandfrei laufende Systeme, da in der ISO fünf verschiedene initrd.gz und syslinux.cfg existieren, die vom Nutzer ja nach Modell ausgewählt werden müssen. Mit der ISO sieht man das auf Anhieb …

    Thomas Schönhütl.

  8. Puuuh! Ich hatte gehofft, es ginge ohne. Ich werde mir mal auf der Fluxflux-Page die Anleitung für die Bordmittel durchlesen. Wenn ich Zeit habe, werde ich das vielleicht mal probieren.

  9. Hallo,
    mit etwas Verspätung ist Slack2Go 2009.1 fertig geworden.
    Zu finden unter http://slack2go.com/releases

    Die Anregungen bezüglich Desktop sind eingeflossen.

    Da einer der grössten ‘Stromfresser’ bei den Netbooks die Wlan-Karten sind, werden
    sie, sofern möglich, nicht automatisch gestartet.

    Vorgehensweise EeePc:

    1. Mit ‘FN+F2′ Wlan einschalten
    2. Mit Linksklick auf das Netzwerkapplet in der Taskleiste Wicd öffnen
    3. Einmal auf ‘aktualisieren’ klicken und die Karte wie gewünscht konfigurieren.

    Version 2009.1 wurde erefolgreich getestet auf:

    ASUS EeePC 701
    Lenovo S10e
    Sony Vaio SRX77p
    IBM Thinkpad A30/A31 (incl. Dockingstation)
    Samsung M40
    HP Pavillion ZE5525
    HP/Compaq NW8440

  10. Hi
    just read this review and would like to know: what is so bad with open office on an eee?
    I am using one of the old school 701 4Gs and open office is fine. I use it every day.
    Currently still on a heavily tweeked gOS (based on ubuntu hardy) with the array kernel and lots of other stuff. But planning to move to slack2go when time allows for some more experiments.
    I think one thing should also be clear: if you are going to rip off the Xandros you have already shown you are willing to hack. So hacking a bit to make a system work should not be seen as a negative aspect. Of course it should be clearly listed what hacks need to be done (and not like the niceeepc hack where it ruined my system ;-)…)
    Cheers,
    andE

  11. @ndEEE
    You’re absolutely right concerning the Open Office. This is a matter of personal taste. I prefer Abiword – even on much larger machines. It’s compact an doesn’t need much space. I had Open Office with the default Xandros but I love Abiword.
    I don’t agree that changing the Linux on your Eeepc means You’re ready to hack. If You try Eeebuntu or – my current favorite – Cruncheee You got an installation that is as easy as installing Ubuntu on my Think Pad.
    I know that with a decent amount of hacking You can bring to life Linux on almost every Machine, but I’m fascinated by the fact, that Linux has come to a point where it can be easily administrated by any experienced User.
    This doen’t mean that I don’t respect the work of people like Thomas Schönhütl (Fluxflux) or Manfred Müller (Slack2go).
    By the way: There is a new version of Slack2go where You can make a choice to start the Eeepc in Easy Desktop- or in KDE-mode.
    Good Luck
    Wolff

  12. Mir hat Fluxflux nicht so gut gefallen, und ich habe mich für EasyPeasy entschieden, das ich anfangs von eine SD betrieb, von wo aus es schon sehr rund lief – mit Gnome und Open Office und allem, was dabei war. Open Office habe ich trotzdem gegen Abiword getauscht, weil ich nur einen Writer brauche. Compiz, von dem ich hier und da gelesen habe, es sei nix für den EeePc, habe ich auch am Laufen. Alles ohne größere Probleme.

  13. Vielen Dank für den Hinweis, Herr Müller. Wenn ich das richtig verstehe, ist Slackware die Basis für Lin2go. Denn fluxflux basierte ja auf PCLinuxOS.

  14. Pingback: Wolff von Rechenberg » Lin2Go: Neue Linux-Distribution

  15. Pingback: Wolff von Rechenberg » Lin2go: fluxflux-sl_pre3 auf dem Eeepc

  16. Ich habe den Artikel zu Puppeee gerade wiederentdeckt. Beim erneuten Überlesen fiel mir auf daß ich entgegengesetzt zu ihren Aussagen schon seit langem Puppeee (auf einem eeePC701) in einem WPA-geschützen Funknetz nutze. Für den eeePC701 ist Puppeee die 1. Wahl.
    Das größte Manko ist, daß man dauernd als root ohne einen Passwortschutz arbeiten muß.

  17. @HannoS:
    Freut mich, dass es bei anderen funktioniert. Ich habe inzwischen auch das neue Puppy 5.0.1 ausprobiert. Aber mein 4G verweigert auch damit den Kontakt in unserem Funknetzwerk.

  18. Hallo,
    um Pupeee permanent nutzen zu können, müssen Sie das System auf den Eee-PC installieren. Im Menü sollte es ein Installationsprogramm geben. Leider habe ich das System nicht zur Hand. Ich weise allerdings darauf hin: Für unerfahrene Linux-Nutzer eignen sich besser FluFlux (jetzt in Version 2011.1 am Start), der Mandriva-Ableger MUD-LXDE und auch der neue Ubuntu-Ableger lubuntu. Sollte Ihnen Pupeee nicht zusagen, sollten Sie sich diese Systeme einmal anschauen.
    Viel Spaß
    Wolff von Rechenberg

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