Good bye, E-Plus

Logo aus den Anfangstagen von E-Plus
Quelle: commons.wikimedia.org

Ich bin jetzt kein E-Plus-Kunde mehr. Ja, ich weiß: Schon im Oktober 2014 hat O2 / Telefónica Deutschland den Mobilfunkanbieter meines Vertrauens übernommen. Doch erst heute bin ich offiziell in einen O2-Tarif gewechselt – mit dem Gefühl, ein Stück Heimat verloren zu haben. Fast 20 Jahren habe ich E-Plus die Treue gehalten. In derselben Zeit habe ich mehrfach den DSL-Anbieter gewechselt. Manchmal nach zwei Jahren oder noch schneller. Ohne große Emotionen. Bei E-Plus war das anders: Ich habe mein erstes Handy 1998 angeschafft. Ein Nokia 5110 mit grasgrüner Oberschale. Farblich passend zum E-Plus-Vertrag. Fast 20 Jahre bin ich dem Anbieter treu geblieben. Das war nicht immer leicht. Zu Anfang klafften große Löcher im Netz des Unternehmens mit dem grünen Singvogel. Dafür übertrug in den Jugendjahren des Handyzeitalters kein D-Netzanbieter Sprache so gut wie E-Plus, und der Service war vorbildlich.

E-Plus bot günstige Tarife – wenn auch um den Preis verschleppter Innovationen. Der Paket-Datendienst GPRS stand den Kunden von E-Plus nur mit Verspätung zur Verfügung. Ähnlich schleppend verlief Jahre später die Einführung von UMTS. Dennoch blieb ich E-Plus treu. Denn in seinen Tarifen blieb das Unternehmen mit Sitz in Düsseldorf stets leicht überschaubar und fair. Die Tarife von E-Plus nahmen eine wichtige Pionierrolle ein.

So bot das Unternehmen schon 1999 mit „Time & More“ ein Tarifmodell mit nur drei Kostenstufen an. Vorboten der Flatrate und sensationell einfach im Vergleich zu den Tarifdschungeln von Telekom und Vodafone! Auch dort konnte man günstig mobil telefonieren, aber nur zu bestimmten Teilnehmern, zu bestimmten Tageszeiten oder nur sonntags. Mit „Free & Easy“ verhalf E-Plus dem Prepaid-Handy zum Durchbruch. 2005 brachte E-Plus mit simyo den ersten Mobilfunk-Discounter an den Start. Einfache Kostenstruktur und jederzeit kündbar.

Auch für andere Discounter öffnete E-Plus seine Netze – als erster Netzanbieter in Deutschland. Während andere Netzbetreiber alle paar Jahre bei der Politik Schutz vor dem Wettbewerb einklagten, öffnete E-Plus seine Netze für Aldi Talk und ungezählte andere Anbieter. Die Düsseldorfer entwickelten einen Abrechnungsdienst, der es bald jeder Bekleidungskette erlaubte, eigene SIM-Karten anzubieten. E-Plus bewies, dass sich Netzausbau auch mit Wettbewerb finanzieren lässt.

Ich bin jetzt O2-Kunde. Ob das auch in Zwei Jahren noch der Fall ist, kann ich nicht sagen.

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