Von Ubuntu 10.04 auf 12.04: Cinnamon oder Mate

Ubuntu-LogoAllen Nutzern der Ubuntu-Version 10.04 steht in Kürze ein Upgrade auf die Version 12.04 „Precise Pangolin“ bevor. Dann heißt es Abschied nehmen vom gewohnten Gnome-Desktop. Ubuntus neue Standardoberfläche Unity wird viel Umlernen erzwingen und eignet sich nicht für den Produktiveinsatz. Mit Mate und Cinnamon stehen zwei Alternativen zur Verfügung, die das Benutzererlebnis das gewohnte Gnome-Feeling retten wollen.

Eine neue Ubuntuversion! Für die Anhänger der anwenderfreundlichen Linux Distribution war das stets ein Feiertag. Gerade, wenn Ubuntu eine neue LTS-Version (= Long Term Support) herausbrachte. Diese Versionen entstehen alle zwei Jahre und werden von Ubuntu drei Jahre lang mit Sicherheitsupdates versorgt. Der Distributor Canonical versieht diese Versionen mit einer besonderen Empfehlung für den produktiven Einsatz.

Unity und Gnome 3: Kampf gegen den Desktop

2012 flößt der bevorstehende Wechsel auf Ubuntu 12.04 eher Furcht ein. Der vertraute Desktopumgebung Gnome 2 ist Geschichte. Ubuntus neue Standardumgebung Unity wartet  auf die Wechsler. Problem im produktiven Einsatz: Ähnlich Gnome 3 erfordert Unity ein Umdenken in der Bentzung eines Desktops. Fenster öffnen sich stets bildschirmfüllend, das Arbeiten mit mehreren Anwendungen gerät zum Kampf gegen den Desktop.

Ich will keineswegs bestreiten, dass sich absolute Computerneulinge schneller auf Unity zurechtfinden als auf dem seligen Gnome 2, auf XFCE, KDE oder Windows 7. Ich lebe aber schon zwei Jahrzehnte mit Computern und 8 Jahre mit Linux. Die Linuxgemeinde bietet zwei interessante Alternativen zu Unity oder Gnome 3: Mate und Cinnamon. Um beide Desktopumgebungen auszuprobieren bieten sich Live-DVDs von Linux Mint 13 („Maya“) an.

Von Lucid zu Precise: Der Upgrade

Bisher schlägt Ubuntu Nutzern von 10.04 „Lucid Lynx“ noch keinen Wechsel auf 12.04 vor. Wer dennoch jetzt schon wechseln möchte, öffnet ein Terminal und gibt den Befehl sudo do-release-upgrade ein. Nach der Bestätigung mit dem Passwort startet der Vorgang. Entgegen der Anleitung auf Askubuntu brauchte ich zuvor keine Dateien zu editieren. Precise brauchte etwa eineinhalb Stunden auf die Festplatte meines Lenovo G530. Danach grüßt Unity.

Installation von Mate und Cinnamon auf Ubuntu 12.04 

Der Mate-Desktop soll nach dem Willen seiner Entwickler den Fans von Gnome 2 eine vertraute Umgebung bieten. Meine Erfahrungen mit Mint und Mate auf meinem Netbook zeigen, dass der Desktop das hält. Ubuntuportal.com erklärt wie man Mate auf Ubuntu 12.04 installiert.  Wieder öffnen wir ein Terminal und geben der Reihe nach die folgenden Befehle ein:

sudo add-apt-repository „deb http://packages.mate-desktop.org/repo/ubuntu $(lsb_release -cs) main“
sudo apt-get update
sudo apt-get install mate-archive-keyring
sudo apt-get update
sudo apt-get install mate-core
sudo apt-get install mate-desktop-environment

Cinnamon verwendet Gnome 3 als Basis, bietet jedoch eine weitgehend ähnliche Benutzerführung wie der gute alte Gnome 2. Auch für die Installation von Cinnamon bietet das Netz reichlich Anleitungen. Beispielsweise auf Noobslab.com. Noch einmal öffnen wir ein Terminal und geben der Reihe nach die folgenden Befehle ein:

sudo add-apt-repository ppa:gwendal-lebihan-dev/cinnamon-stable
sudo apt-get update
sudo apt-get install cinnamon

Beide Desktops stehen beim Login zur Auswahl – neben Unity und dessen Basis Gnome 3.

Mate und Cinnamon auf Ubuntu 12.04

Wie schlagen sich die beiden Gnome-Dissidenten unter den Desktopumgebungen? Cinnamon kommt mit dem von Mint gewohnten Menü daher. Darauf sollte sich jeder gleich zurechtfinden. Cinnamon verwendete sofort meinen gewohnten Desktophintergrund. Leider entfernte er den Opera Browser aus der Schnellstartliste. Wie er dahin zurückkommt, erfordert eine Recherche. Vieles fasst sich an wie Gnome, aber doch nicht alles. Wem das schwarze Farbthema der Fenster und Menüs zu düster ist, muss beim Installieren neuer Themes von Grund auf umdenken – und dazulernen. Außerdem fehlten nach der Installation die Fensterknöpfe und regelmäßig stürzten Anwendungen ab. In den Menüs herrscht ein wildes Gemisch aud Deutsch und Englisch vor. Sehr ärgerlich. Mate funktionierte aus dem Stand. Allerdings kommt er im Gnome-2-Standardgrau und er erkannte mein gewohntes Wallpaper nicht.

Mate: Der Erbe von Gnome 2

Wer echtes Gnome-2-Feeling sucht, sollte sich derzeit für Mate entscheiden. Zumindest auf Ubuntu 12.04 sprechen gegen Cinnamon derzeit folgende Argumente.

  • Mangelnde Stabilität
  • Menüs noch nicht komplett übersetzt
  • Konfiguration unterscheidet sich stark von Gnome 2

Dabei gibt vor allem der dritte Punkt zu denken: Wenn ich einen Desktop wähle, der das Benutzererlebnis von Gnome 2 verspricht, will ich nicht im Netz recherchieren müssen, wie ich Themes installieren oder Fensterleisten wiederherstellen kann. Cinnamon ist der benutzerfreundlichere Gnome 3, aber ein Ersatz für Gnome 2 ist er nicht. Dem Mitbewerber Mate mangelt es eigentlich nur an der Integration in Ubuntu. Doch nach ein paar Schönheitsreparaturen erweist sich dieser Desktop als wahrer Erbe von Gnome 2.

Ich bin gespannt auf eure Meinungen.

 

2 Antworten auf „Von Ubuntu 10.04 auf 12.04: Cinnamon oder Mate“

  1. informativ und knapp geschrieben – gratulation!
    plage mich eben mit maya & cinnamon herum, der grund: nvidia an bord, wie ich stunden später recherchieren durfte… ;(
    gestern hatte ich gott-sei-dank keine zeit zum herumspielen, da wäre mate gefolgt. heute wirds wohl eher xfce werden. mate wäre natürli auch eine alternative, aber ein unfertiger desktop auf dem notebook reicht mir im allgemeinen ;))

  2. Vielen Dank,
    freut mich, dass meine Erfahrungen hilfreich sind. Nvidia hört sich nicht gut an. Deren Produkte machen unter Linux häufig Ärger. Ich bin sicher, dass du per Google oder in einem der zahlreichen Linuxforen eine Lösung findest. Mate ist nicht unfertig. Ich betreibe Mint Maya mit Mate auf meinem Netbook und bin hochzufrieden. XFCE wäre aber sicher ebenfalls eine gute Desktopalternative für Gnome- oder Unity-Flüchtlinge.

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