Hifi-Klassiker: Musical Fidelity A1

Musical Fidelity A1Bratpfanne nannte man ihn oder Waffeleisen. Für seine Fans war er das heißeste Ding seiner Zeit. Und das war der Vollverstärker Musical Fidelity A1 tatsächlich. Seine große Musikalität machte ihn zur Legende – genauso wie seine Wärmeabgabe und wie seine zahlreichen Macken. Gerade erst hat die Zeitschrift STEREO den A1 mit seinem aktuellen Wiedergänger verglichen und bei dem Oldtimer eine Oberflächentemperatur von stolzen 64 Grad Celsius gemessen. Das reicht nicht für ein Steak, aber locker für ein paar Brandblasen.

Die Ursache lag im Funktionsprinzip. Musical-Fidelity-Mastermind Antony Michaelson nutzte für seinen Musical Fidelity A1 nutzte Class-A-Technik. 1984, im Geburtsjahr des A1 war das revolutionär in dieser Preisklasse. Der A1 kostete in Deutschland nur 1.300 D-Mark. Ein Billigheimer unter den High-End-Pretiosen.

Was der Musical Fidelity A1 nicht für seine  Bestimmung brauchte, gab er als Wärme ab

Class A bedeutet, dass der Verstärker stets nahe an der Volllast arbeitet – selbst im Leerlauf. Was der Verstärker nicht für seine eigentliche Aufgabe braucht, gibt er über die Geräteoberseite ab. Im Falle des A1 gab der Hersteller einen Ruhestrom von 0,8 Ampere an. Mark Hennessy schließt in seiner A1-Analyse daraus, dass der Verstärker lediglich 8 Watt in reinem Class-A-Betrieb liefert.

Der A1 wärmte das Herz seines Besitzers – in jeder Hinsicht

Auf jeden Fall wärmte der Musical Fidelity das Herz seines Besitzers – in jeder Hinsicht. Die Kühlrippen auf der Oberseite bescherten dem A1 sein unverwechselbare Äußeres. Wer einen A1 betrieb, hatte es stets kuschelig warm in der Wohnung und eine stolze Stromrechnung. Der Hersteller verglich die Wärmeabgabe des A1 mit der einer 75-Watt-Glühbirne.

Was so heiß ist, brennt schnell durch. Das galt auch für den Musical Fidelity A1. Durchgeschmorte Bauteile, versengte Platinen. Außerdem zog der Verstärker durch seine Hitze Staub wie ein voll aufgedrehter Heizkörper. Dadurch verstaubten Lautstärkeregler und Quellenwahlschalter ständig. Wer einen A1 besaß, war Dauergast beim Kundenservice seines HiFi-Händlers.

Aus all diesem Aufwand holte der A1 vergleichsweise bescheidene 20 Watt. Spätere Versionen lieferten 25 Watt. Bei Denon, Sony oder Technics gab es für die 1300 D-Mark des A1 richtige Kilowatt-Verstärker-Dickschiffe. Mit linealgeraden Frequenzgängen, zig Lautsprecherausgängen, Klangreglern und Anschlüsse für alle möglichen und unmöglichen Quellen.

Der Musical Fidelity A1 stand für den Sonderweg des  British HiFi

In Großbritannien widerstand man diesem Trend, schuf gar einen Gegentrend. Musical- Fidelity bildete da keine Ausnahme, und der A1 stand symbolisch für diesen Sonderweg. Sein Frequenzgang beschrieb weite Kurven, er besaß keine Klangregler, nicht einmal einen Kopfhörerausgang. Was ließ so viele Audiophile klaglos jede Stromrechnung begleichen? Was bewegt sie bis heute dazu, ihren A1 immer wieder zum Kundenservice zu tragen?

Der Klang. Der A1 stellte akustische Instrumente und kleine Besetzungen in den schimmerndstend Klangfarben auf eine realistische Bühne. Was in der Musik war, holte der A1 heraus. Dass der A1 viele Aufnahmen eher etwas zu schön abbildete, verziehen ihm seine Fans. Sie liebten ihn dafür, dass er dauerhaft ermüdungsfreien Hörgenuss garantierte. Der A1 war auch musikalisch kein Alleskönner. Für lauten Rock, für Parties oder Opernabende taugte der Musical Fidelity nicht.

Kaum ein anderes HiFi-Gerät nötigte seinem Besitzer soviel Zuwendung ab. Wenn je ein HiFi-Verstärker Suchtpotenzial bewiesen hat, dann der Musical Fidelity A1. Ein wahrer HiFi-Klassiker.

Foto: MC HANS BLOG

 

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