Die Akte JJ2

Im deutsch-österreichischen Grenzgebiet wurde ein Braunbär gesichtet. Forscher rechnen damit, dass er in die Bundesrepublik einwandern wird. Der letzte deutsche Braunbär soll 1835 bei Ruhpolding erlegt worden sein.

Foto: Wikimedia Commons

Während der Biologe schon frohlockt, wiegt der Beamte bedächtig das sorgenumwölkte Haupt. Der Bär würde ja aus Österreich einwandern, also über einen sicheren Drittstaat. Damit verlöre er jeden Anspruch auf Asyl. Anders sähe die Sache aus, wenn der Bär ein waschechter Österreicher wäre. Dann stünde ihm als EU-Einwohner natürlich freie Wahl von Wohnort und Arbeitsplatz zu. Damit wäre der Bär einer von uns. Bis auf wenige Ausnahmen: Er verfügt beispielsweise weder über aktives noch passives Wahlrecht bei der Bundestagswahl.

Mit Hochdruck arbeiten Experten an der Identifizierung des fraglichen Tiers. Die Netzzeitung berichtet wörtlich: “Derzeit wird eine DNA-Probe analysiert, die Aufschluss über die genaue Herkunft des Tieres geben soll. Man vermutet, dass es sich um JJ2 handelt. Dieser Bär war bereits im letzten Jahr in der Schweiz und in Tirol beobachtet worden.” So heißt er also? JJ2? Könnte man doch nur alle wanderwilligen Südländer so genau verfolgen…

Nach dem Gentest wird man sehen müssen, ob die Akte JJ2 sich zu einem Fall für die Ausländerbehörden entwickelt, oder zu einem für das Einwohnermeldeamt. Noch ein Ziel hat die Überprüfung des genetischen Fingerabdrucks von JJ2: Man weiß, wohin man den Bären abschieben muss, wenn ein möglicher Asylantrag abgelehnt würde, woran überhaupt kein Zweifel bestehen kann. Papiere hat JJ2 natürlich keine dabei, aber das ist man ja von Zuwanderern gewohnt: Einfach den Perso aufessen, um dem deutschen Staat die Abschiebung schwer zu machen.

Wenn er Bleiberecht erhielte, wenn er also EU-Ausländer wäre oder irgend etwas kann, was wir gerade brauchen (Programmieren? Spargel stechen?), dann könnte er natürlich auch die deutsche Staatsbürgerschaft beantragen. In diesem Fall müsste er alle deutschen Mittelgebirge und alle Zuflüsse der Donau mit Namen kennen, er müsste detaillierte Kenntnisse der deutschen Geschichte besitzen und die deutsche Sprache gut genug beherrschen. Dann wollen wir ihn gern bei uns aufnehmen. Bei Österreichern haben wir uns damit ja nie schwer getan. Dem prominentesten zugewanderten Österreicher haben wir seinerzeit sogar die Staatsbürgerschaft hinterhergetragen, weil er sonst nicht unser Führer hätte sein können. Der war übrigens auch braun.

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