Tod eines Einwanderers

Adieu, Bruno! Aber du lebst ja weiter, auch wenn dir ein mutiger Waidmann entgegengetreten ist, und dir aus einer Entfernung von 150 Metern mannhaft das Licht ausgeblasen hat. Deichbruch fordert im kommenden Viertelfinale gegen Argentinien Trauerflor für die deutsche Nationalmannschaft. Außerdem zitiert das Blog eine Todesanzeige, die dpa dieser Tage verbreitet, in der eine bayerische Familie Rache an der Wahlurne schwört. Wie John Dillinger, Robin Hood oder Dr. Kimble warst du, Bruno, auf der Flucht vor den vielen Hunden, die zwar des Hasen, aber niemals eines Bären Tod sein können. Die Republik zitterte mit dir und betete für dich. Je weiter weg von dir desto stärker. Nie hat das Schicksal eines einzelnen Migranten die Republik so bewegt wie das deine es tat. Dabei warst du keineswegs ein Mustereinwanderer. Im Ausländer- Einwohnermelde- oder Arbeitsamt hat man dich nie gesehen. Nein, was du zum Leben brauchtest stahlst du vom Felde. Dabei kamst du den Behausungen der Ureinwohner zu nahe. War es deine Schuld, dass der Bayer buchstäblich mit seinen Hühnern schlafen geht? Oder mit den Schafen? Schnell war das Urteil gesprochen: Ein normaler Bär tut das nicht. Aber was tut denn so ein normaler Bär? Und woher wussten das jene, die seit 170 Jahren keinen Bären mehr gesehen haben – außer im Zoo? Und warum wusstest du das nicht? Da ist viel zu tun in der Integration. Für den nächsten Bären wäre eine Art Staatsbürgerkunde sinnvoll, ein Unterricht, der dem Tier sagt, was es zu tun und vor allem zu lassen hat. Aber was hättest du mit einem Bärenknigge anfangen können, lieber Bruno? Du konntest ja nicht lesen. Schade eigentlich, denn wackere Bärenfreunde haben sogar ein Kondolenzblog für dich eingerichtet.

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