Kategorie: Politik und Gesellschaft

Donald Trump oder der Reiz eines Rabauken

Ein Versuch, Donald Trump zu begreifen

Zum Abgang von Donald Trump als 45. US-Präsidenten schwirren schadenfrohe Memes in Massen durchs Netz. Ein letztes Mal. Spüren wir währenddessen dem Phänomen Trump nach. Ein letztes Mal.

Haben Sie sich einmal die Mühe gemacht, eine Rede von Donald Trump in voller Länge zu anzuschauen? Versuchen Sie es. Vielleicht in einer Art nostalgischer Anwandlung. Denn der Urheber dieser ungewöhnlichen Wortergüsse hat sich aus unserer Lebenswirklichkeit endgültig verabschiedet – selbst wenn er in den USA weiter politisch aktiv bleibt. Versuchen Sie nicht, den oft wirr verknüpften Gedanken des stets frei sprechenden Soap Stars zu folgen. Begleiten sie ihn einfach durch seine Sendezeit, wie sie einen Standup Comedian begleiten würden.

Dafür ist er geboren, glaubt Trump

„Give the people what they want“ – „Gebt den Leuten, was sie wollen“, sagt man im Showgeschäft. Und der Mann am Mikro enttäuscht seine Zuhörer nicht. Im Gegenteil. Der Ex-Unternehmer und Ex-TV-Star scheint im Wahlkampf seine Bühne gefunden zu haben. Genau dafür ist er geboren worden, denkt er. Mit Witzen und Grimassen zieht er über bestimmte Politiker oder Politiker im Allgemeinen her, bringt sein Publikum zum Lachen und Brüllen. Dann, auf dem Gipfel der Begeisterung, steuert Trump um. Er führt die Masse in die Wut. Auf einem Ozean aus Adrenalin und Endorphinen brechen die Emotionen nun krachend an die Felsen der politischen Klasse. Keiner vor Trump hat das gewagt. Das imponiert seinen Fans.

Präsident durch Geburt?

Trumps Reden zeichnet ein sicherer Instinkt für Timing und Spannungsbögen aus. Bedenken wir: Der Mann ist beratungsresistent. Der hat das ganz sicher nicht trainiert. Es gibt kein Skript, keine Choreographie – und keinen doppelten Boden, Das ist Mut. Das ist Talent. Wer das nicht versteht, wird nie begreifen, was die Faszination von Donald Trump ausmacht. Können wir uns da wundern, dass er sich für einen Präsidenten durch Geburt hielt? Wem würde das nicht so gehen? Ein Präsident wirst du nicht, wenn du an dir und deiner Bestimmung zweifelst. Keiner trat je so furchtlos auf wie Donald Trump. So oft haben wir Comedians zugesehen, wie sie Politik und Politiker auf die Hörner nehmen. Und hier kommt tatsächlich einer, der sich das im Amt traut.

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Inauguration Day aus der Defensive betrachtet

Gedanken zur Amtseinführung von Biden und Harris

Ein Höhepunkt der Inauguration von Joe Biden zum 46. Präsidenten der USA und Kamala Harris zur 49. Vizepräsidentin der USA: Ein Gedicht der Poetin und Aktivistin Amanda Gorman. Pathos pur. Aber was fasziniert uns daran?

„There is always light, if only we’re brave enough to see it, if only we’re brave enough to be it“, rezitierte Amanda Gorman zur Amtseinführung von Joe Biden und Kamala Harris in Washington. Amerika sei kein gebrochenes Land, es sei ein unvollendetes Land. Soviel nationales Pathos sprechen wir nicht einmal in unseren Träumen aus. Wir Einwohner eines Landes, das tatsächlich gebrochen ist. Aber nicht nur deswegen schauen wir gebannt zu.

Ein Konsens, der tiefer gründet

Wir schauen zu, weil uns die Lebenseinstellung dahinter fremd und abenteuerlich erscheint. Die Rituale der Vereinigten Staaten von Amerika sind Ausdruck eines gesellschaftlichen Konsens, der tiefer gründet als unser Grundgesetz. Ein Enfant Terrible vom Schlag eines Donald Trump im Weißen Haus, der diese Traditionen nicht respektiert, kann die amerikanische Demokratie leicht erschüttern. Zumal die US-Verfassung auch extreme Auslegungen erlaubt.

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CDU: Mit Laschet weiter so

Armin Laschet ist neuer CDU-Vorsitzender. Er gilt als Garant für die Fortsetzung des politischen Kurses von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die CDU hat klug gewählt, denn es fehlt an Alternativen.

Mit der Rückkehr zu konservativen Werten hatte Friedrich Merz um die Stimmen des CDU-Parteitages geworben, der am 15. und 16. Januar 2021 online stattgefunden hat. Als Gegenpol hatte sich Norbert Röttgen positioniert, mit seiner Forderung nach einer modernen, jüngeren und weiblicheren CDU. der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet warb ohne markige Slogans und konkretes Programm für sich. Schon im Vorfeld galt Laschet als Garant für eine Fortsetzung des politischen Kurses von Bundeskanzlerin und Ex-CDU-Chefin Angela Merkel.

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Corona: Pro und Contra Shutdown

„Der Söder macht das richtig“, höre ich oft in meinem Umfeld. Gemeint ist Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Jetzt alles herunterfahren, damit sich niemand mehr ansteckt. Aber warum folgen nicht alle Bundesländer dem Beispiel Bayerns? Die Redaktion des Wissenschaftsmagazins Quarks erklärt in einem Beitrag, warum ein Shutdown das Problem nur verschiebt, es aber nicht löst.

Auf den Punkt gebracht, spricht für den Shutdown: Durch die sehr niedrigen Ansteckungsraten bleibt das Gesundheitssystem stabil bis ein Impfstoff zur Verfügung steht. Wenn alle Bundesländer und auch alle anderen Nationen dem Beispiel folgen würden, könnte das Virus augetrocknet werden.

Gegen den Shutdown spricht: Das öffentliche Leben kommt zum Erliegen. Ein Shutdown wäre also keine langfristige Lösung. Bis aber ein Impfstoff zur Verfügung steht, werden voraussichtlich mindestens zwölf Monate vergehen. Solange müsste man den Shutdown aufrechterhalten. Wird der Shutdown aufgehoben, bevor ein Impfstoff zur Verfügung steht, käme es lediglich mit Zeitverzug zur befürchteten unkontrollierten Ansteckungswelle.

Aus diesem Grund haben sich die Bundesregierung und die meisten Bundesländer gegen eine Ausgangssperre entschieden. Sie versuchen, zu einer Lösung zu gelangen, mit der die Ansteckungszahlen niedrig bleiben, die aber ein Mindestmaß an sozialem Leben ermöglicht, in dem wir uns dauerhaft einrichten können. Denn die Bekämpfung von Corona ist kein Sprint, sondern ein Marathon.

Corona: Vollbremsung in Deutschland?

Knapp 20.000 Infizierte, mehr als 50 Tote: Das ist Deutschlands Corona-Bilanz nach Angaben der Johns Hopkins Universität, deren Corona-Statistik derzeit als Goldstandard gilt. Virologen raten zu sozialer Distanz, und die Politik hat reagiert. Geschäfte und Büros bleiben geschlossen, wer kann, arbeitet von Zuhause. Das riet auch Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer ihrer seltenen TV-Ansprachen an die Deutschen. Doch viel zu viele Bundesbürger ignorieren die Ratschläge der Mediziner und die Appelle aus der Politik. Deshalb wird wohl auch Deutschland in absehbarer Zeit auf die Bremse treten, wie zuvor Italien, Spanien und Frankreich. Einige Bundesländer, darunter Bayern, reagieren bereits mit Ausgangssperren.


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