Parteien zur Wahl: SPD

Warum SPD? Einen echten Grund, die eigene Partei zuwählen, werden wohl nur ganz besonders treue Parteigenossen finden. Die SPD wirkt wie eine Partei der Schusseligen. Sie will immer noch ein wenig die Schröderpartei sein. Dabei hat sie doch glatt vergessen, dass ihr Zugpferd in die freie Wirtschaft gewechselt ist.

Dann will sie doch lieber die Arbeiterpartei sein. Doch da sind keine Arbeiter mehr. Und außerdem schauen die Agenda-2010-Architekten beim Wort Mindestlohn immer aus der Wäsche als müssten sie gleich losheulen. Was waren das für Zeiten, als man unter Schröder Industriemagnaten und Zahnärzten umwarb.

Heute müssen Steinmeier und Münte um die Gunst von Industriearbeitern buhlen, auf deren persönlicher Agenda 2010 ein Wort droht: Arbeitslosigkeit. So würde sich Thomas Gottschalk fühlen, wenn er eine Gameshow bei 9Live moderieren müsste. Selbst der Klosterschüler Jürgen Rüttgers wirkt in der Rolle des Arbeiterführers authentischer als “FW”.

Mit dem Kürzel “FW” trimmt die SPD ihren Spitzenkandidaten Frank-Walter Steinmeier für die Obama-Generation. Aber wenn FW ruft: Yes, we can, dann hört sich das an, als habe er soeben festgestellt, dass der SPD-Vorstand noch aus eigener Kraft laufen kann.

Machen wir uns nichts vor: Die SPD ist an Kopf und Gliedern verbraucht. Am Kopf, weil ihr überzeugendes Führungspersonal fehlt. Das schnelle Ministerpostenkarussell der Schröder-Jahre hat viele Granden vorzeitig in die Vorstände von Industrieunternehmen und parteinahe Stiftungen katapultiert. Aus der Basis wächst nichts nach. Schröder hat ganze Ortsverbände geschlossen aus der Partei verdrängt, hat die SPD in nahezu allen Bundesländern auf die Oppositionsbank gebracht.

In den vergangenen zehn Jahren hat die SPD so gut wie alle Bevölkerungsgruppen verraten, die sie einmal gewählt oder unterstützt haben. Da wollen wir nicht dazu gehören, liebe Leser. Warten wir darauf, wie sich die Partei nach der Wahl erneuern wird.

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