Test: Linux Mint 13 mit Mate-Desktop auf dem Netbook Acer Aspire One D257

Auch wenn sich die Stimmen mehren, Gnome 3 nähere sich allmählich der Benutzbarkeit: In den Augen vieler Linuxanwender bleibt Gnome 2 der nutzerfreundlichste Linux-Desktop. Sie können mit Mate bei alten Gewohnheiten bleiben. Mate will das Benutzererlebnis von Gnome 2 konservieren. Zu den ersten ‌Distributionen, die Mate den Vorzug vor Gnome 3 gaben, zählt Linux Mint.

Unter Mint 13 läuft Ubuntu 12.04 mit allen Vor- und Nachteilen

Linux Mint 13 (Codename: Maya) läuft auf der Basis von Ubuntu 12.04. Wie dieses erhält es fünf Jahre lang Unterstützung durch Sicherheitsupdates. Von Ubuntu 12.04 hat es aber auch einen eigenartigen Fehler geerbt. Wer eines der beiden Linuxe von einem USB-Stick installieren will, sollte dafür das Programmm “Unetbootin” verwenden. Ich habe mehrere Installationsimages mit dem “dd”-Befehl auf den Stick geschrieben und erlitt mehrmals Schiffbruch bei der Installation.

Am Ende der Installation versucht das System, den Bootloader GRUB auf das Installationsmedium zu schreiben. In meinem Fall “/dev/sdb”. Die Korrektur des Eintrags bringt keinen Erfolg. Das System lässt sich nach der Installation nicht starten. Dieser Fehler trat – wie gesagt – nur auf, wenn das ISO-Image mit “dd” auf den Stick geschrieben wurde.

Installation: Ubuntu-typisch kinderleicht

Die Installation selbst läuft kinderleicht und unauffällig ab, wie man das auch von Ubuntu kennt. Nach der Installation fällt zunächst das Mint-Menü auf. Ein zentrales Startmenü ersetzt bei Mint die von Gnome 2 gewohnte Startleiste aus “Anwendungen”, “Orte” und “System”. Ich finde das Menü nicht besonders praktisch. Es verstellt auf seine Weise den Zugriff auf alle installierten Anwendungen.

Freunde von Gnome 2 fühlen sich auf Mint 13 mit Mate sofort heimisch

Unser Ziel ist der gewohnte Gnome-2-Desktop. Das Mint-Menü lässt sich über ein Auswahlmenü aus dem Panel entfernen, das sich nach dem recchten Mausklick öffnet. Auf dieselbe Weise lässt sich die Menüleiste hinzufügen. Jetzt noch das Panel am oberen Bildschirmrand angedockt und die Menüleiste nach links verschoben, fertig ist der von Gnome 2 gewohnte Desktop. Anwendungsstarter – in meinem Fall für firefox, Thunderbird und ein Terminal – lassen sich im Panel platzieren wie von Gnome 2 gewohnt.

Freunde von Gnome 2 fühlen sich sofort heimisch in der neuen Umgebung. Ganz ohne Umdenken geht es aber auch mit Mate nicht. Da einige zentrale Gnome-Anwendungen nicht mehr für Gnome 2 zur Verfügung stehen, musste das Projekt eigene Lösungen finden. So ersetzt der Mate Texteditor Pluma den Gnome-Editor Gedit und der Mate-Dateimanager Caja den von Gnome vertrauten Nautilus.

Linux Mint mit Mate läuft auf dem Acer-Netbook flüssiger als Gnome oder Unity

Mate läuft auf dem Acer Aspire One D257 flüssiger als es Gnome 3.2 tut, von Ubuntus Unity-Desktop ganz zu schweigen. Selbst mit laufenden Anwendungen bleibt der Speicherbedarf des Systems meist unter 500 MB. Ein hervorragender Wert. Gnome 2 nimmt sich auf meinen Rechnern in der Regel deutlich mehr als 500 MB. Dass Mint auch in Version 13 alle Funktionen des Acer Aspire One D257 unterstützt, überraschte mich nicht. Schließlich hatte diesbezüglich auch Mint 12 schon die volle Punktzahl erreicht.

Hat Mate Zukunft? 

Ob sich Mate durchsetzen kann, wird davon abhängen, wie schnell Gnome 3 zerstörtes Vertrauen bei den Nutzern zurückgewinnen kann. Auf die Lebensdauer von Mate will ich keine Wette anbieten. Mate nutzt die Grafikbibliotheken von GTK2. Da Gnome sich voll auf GTK3 stützt, steht die Mate Community hier früher oder später vor einem Problem. Die Anwendungsprogrammierer werden kaum den Wunsch verspüren, GTK2 nebenher weiter zu unterstützen. Auf lange Sicht könnte der von Mint parallel angebotene Cinnamon Desktop die interessantere Perspektive bieten. Cinnamon gibt es nur für Linux Mint. Der Desktop setzt auf Gnome 3 auf, behält dabei allerdings das Nutzererlebnis von Gnome 2 bei. So oder so reicht Mint augenblicklich allen Nutzern die rettende Hand, die auf dem Computer mehr machen als …  Naja, wofür auch immer sich Gnome 3 oder Unity eignen.

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