Phänomene des Alltags: Der kleine Mann

Der kleine Mann ist immer der Dumme. Aber wer ist eigentlich dieser kleine Mann. Der kleine Mann ist ein Bestandteil der öffentlichen Diskussion. Er macht nur in dieser Funktion Sinn, sehen wir einmal von männlichen Personen unter 1,70 m ab. Entweder argumentiert ein Politiker mit ihm, dann ist er einfältig, spießig, intolerant, fremdenfeindlich und immer schlecht gelaunt. Das heißt: Der kleine Mann ist das, was Politiker fürchten, ein Schreckgespenst, das dem politischen Gegner Angst einjagen soll.Oder der kleine Mann bezeichnet sich selbst so. Dann tut er das, um sich selbst von den großen Tieren abzugrenzen, von jenen, die Macht haben, ihn nie verstehen und nur das Schlimmste im Sinn haben: ihm in den Geldbeutel zu greifen. Und das bringt uns zum Kristallisationspunkt der Frage. Der kleine Mann hat nämlich heute einen Geldbeutel, in den man greifen kann. Das unterscheidet ihn von seinen Vorgängern in den Zeiten Döblins,denen der Fabrikarbeiterlohn kaum reichte, um die ihren durchzubringen. Heute hat der kleine Mann teilweise mehr Geld als so mancher Abgeordnete, der als Adressat seiner Begehrlichkeiten allerdings per definitionem nicht wie er sein kann. Der kleine Mann wirkt heute nur noch klein, weil sein 60.000-Euro-SUV so riesengroß ist. Der wahre kleine Mann ist verschwunden. Er ist schlecht ausgebildet, arbeitslos und geht nicht wählen. Deshalb taucht er in der politischen Diskussion auch nicht als kleiner Mann auf, sondern als Sozialschmarotzer. Im übrigen ist der kleine Mann in Wirklichkeit eine Frau. Eine Frau mit dem größten Armutsrisiko, das unsere Gesellschaft kennt: mit einem Kind!

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