Armer Pluto

Für viele Mitmenschen ist die Sache klar: Früher war alles viel besser. Die Rotfüchse trauern der DDR hinterher, manch einer vom anderen Ende des ideologischen Spektrums schwärmt heute noch von dem österreichischen Psychotiker weiland in Berlin und die Älteren blicken bis zum Kaiser zurück. Plutos Blick wird wehmütig zum Römischen Reich zurück wandern, und gemeint ist hier nicht der Disney-Hund. Gemeint ist der Planet, der keiner mehr ist…

Aber der Reihe nach: Seinen Namen bekam der Himmelskörper von den Römern. Pluto hieß der römische Gott des Totenreiches. Als Kepler und Kopernikus unser Weltbild so zurecht zimmerten, wie es heute noch ist, wurde Pluto ein Planet. Als solcher überdauerte er die Zeiten, sah Kaiser, Diktatoren und Despoten kommen und gehen. Dann kam die Demokratie, und ganz demokratisch durch einfache Mehrheit entschieden Wissenschaftler bei einer Versammlung der International Astronomical Union in Prag, dass Pluto kein Planet mehr sei. Scheißdemokratie, wird er gedacht haben.

Fakt ist: Die Wissenschaftler halten ihn für zu klein. Zu klein! Was ist mit allen Beteuerungen, dass es auf Größe nicht ankomme, dass ein Mann ein Mann sei, ganz egal wie klein sein Pluto sei? Und hat er denn je eine echte Chance gehabt, zu wachsen? So an den Rand gedrängt, wie er ist. Der ewige Kleine, der einsam auf der Außenbahn seine Runden dreht. Jetzt ist er nicht einmal ein Planet, sondern ein “Zwergplanet”. Was ist das anders als ein besserer Gesteinsbrocken? Armer Pluto, wir fühlen mit dir.

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