Was tun mit der Unterschicht?

Verwahrlosung stinkt, und sie stinkt in unserem Fall sogar so stark, dass selbst unsere blau-gelben Hurra-Deregulierer (FDP) vom Börsenteil in der FTD aufschauen. Kuttel Beck (SPD) hat’s als Erster gerochen. Auf der Heimfahrt von Berlin ins verträumte Rheinland-Pfalz muss es ihm irgendwann in die Nase gestiegen sein. Da hat sich der SPD-Chef gedacht: “Mensch, wenn man die Unterschicht schon in einer gepanzerten Limousine riecht, dann müssen wir Scheiße gebaut haben!”

“Recht hat er”, pflichtet CDU-Fraktionschef Volker Kauder bei. “Da müssen politische Konzepte her!” Weiter ins Detail geht er nicht. Oder doch: Das Wort “Unterschicht” stigmatisiere die Betroffenen. “Menschen mit sozialen und Integrationsproblemen” sollen wir all jene nennen, die zur Unterschicht gehören. Aber “soziale Probleme” klingt ja viel besser. Da wird die totale Perspektivlosigkeit zum kleinen Wehwehchen, wo die Tante Ulla Schmidt nur noch ein Pflästerchen draufkleben und “Heile, heile, Gänschen” singen muss. Ansonsten ist man sich einig: Scheiße hat der Schröder gebaut, nicht wir! Das klingt als hätte für Hartz IV keiner die Hand gehoben.

Die FDP warnt gleich vor dem Umverteilen: Umverteilen ist ja schließlich keine Lösung. Armut ist doch beabsichtigt, sonst arbeitet doch keiner mehr für einen Hungerlohn. Außerdem müssen doch erst Arbeitsplätze entstehen, denn wo nichts ist, da ist nichts umzuverteilen. Dabei haben sich doch erst die Manager von Allianz, Siemens und Telekom nacheinander die Gehälter angehoben. Wenn die Hypothek fürs Häuschen abgebucht ist, bleiben da bestimmt noch ein paar Cent zum Umverteilen.

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