Manager in der Krise

Es ist Krise. Da rückt man dichter zusammen. Da erinnert man sich der Ärmsten. Nein, in diesem Fall nicht der Opelaner oder der Karstadt-Kassiererinnen. Die Financial Times Deutschland (FTD) menschelt uns vom geplagten Manager vor. Der leide derzeit an der Krise wie ein Tier. Versagensängste plagen ihn. Da hat er Eigenheim, Boot und Karriere. Dann kommt die Wirtschaftskrise und macht aus dem Manager ein heulendes Elend. Nun, derzeit heult bestimmt auch so mancher Fabrikarbeiter einsam in die Drehbank – auch ohne Boot und Karriere.

Aber die Manager seien in der Krise besonders schlimm dran, zitiert die FTD die Chefärztin einer Privatklinik in Wendisch Rietz. Wenn Sie jetzt finden, dass schon der Name Wendisch Rietz nach Tennisplätzen, Saftbar und gut gepolsterten Yoga-Matten klingt, dann liegen Sie richtig. In Wendisch Rietz erholt sich der Leistungsträger auf Firmenkosten – wenn’s sein muss, monatelang. Wir sprechen vom Manager, einem Menschen, der nie nach Wendisch Rietz hätte fahren können, wenn er seine Untergebenen auf Firmenkosten auch nur nach Bad Schmiedeberg hätte fahren lassen. Jaja, die Krise: Der eine geht zum Beachvolleyball, der andere zur Bundesagentur.

Liebe FTD, ist euch dieses Rührstück nicht wenigstens ein kleines bisschen peinlich? Ansonsten ist das einzig lebendige bei euch der Börsenbericht. Da erfindet ihr immer putzige Dinge, die der DAX gerade tut: Auf der Lauer liegen, zum Sprung ansetzen oder pennen. Lasst die Finger von Sozialreportagen über Manager, die unter der Krise leiden. Ich weiß, liebe Manager: Es gibt kein objektives Maß für die Not, die einer leidet. Aber das gilt auch für all jene von uns, die sich Wendisch Rietz nicht leisten können. Nehmt es uns nicht übel, dass wir uns das Lachen nicht immer verkneifen können, wenn eine Ärztin über euer “Martyrium” doziert. Nehmt es als Indiz, wie weit die Lebenswirklichkeiten in diesem Land auseinander gedriftet sind.

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