Phaenomene des Alltags: Die Flatrate

Nur mit der Flatrate kann das Surfen wohl grenzenlos sein (zu singen nach der Melodie von „Über den Wolken“).

Jeden Monat einen festen Betrag zahlen und dann konsumieren bis der Arzt kommt. Das verspricht nur die Flatrate. Egal ob Flatrate-Surfen oder Flatrate-Saufen: Die Flatrate ist das Maß der Maßlosen, die Packungsgröße der Süchtigen. Je flacher die Rate, so glauben wir – desto größer der eigene Gewinn.

Dabei liegt der Flatrate – zumindest in der Telekommunikation – ein fast solidarischer Gedanke zugrunde. Die Netzanbieter müssen für jedes Gespräch zahlen, das sie in ein anderes Netz übertragen. Die Flatrate lohnt sich auf der Anbieterseite nur dann, wenn einige im Netz viel weniger telefonieren oder surfen als sie eigentlich müssten, damit sich die Flatrate lohnt.

Oder: Nur wenn sich für einige die Flatrate nicht lohnt, kann sie sich für andere lohnen. Ganz wie bei der Krankenversicherung. Der Unterschied: Wenn die Flatrate sich für zu viele Kunden lohnt, dann steigen nicht die Beiträge, dann bekommt der einen oder andere Kunde die Kündigung, der die Verheißungen der Flatrate allzu wörtlich genommen hat.

Anders beim Saufen. Da lohnt sich die Flatrate zwar kurzfristig für die Schnapsnasen, aber langfristig nur für die Spirituosenhersteller. Erst die Flatrate macht aus einer Schnapsbrennerei einen Abfüllbetrieb. So taumeln deutsche Jugendliche randvoll durch die Adoleszenz. Und wenn sie so alt werden, dann fragen später die Enkel: „Opa, was hast du damals gemacht?“ Und sie werden antworten: „Weeß ick nich. Ick war von 12 bis 42 voll wie die Raubritter.“

Nein, Saufen macht nicht klug, und auch die Flatrate nicht. Ein großes Möbelhaus wirbt zurzeit mit der Polstermöbel-Flatrate. Wenn wir uns jetzt schon einen simplen Ratenkredit für eine Flatrate vormachen lassen, dann waren wir wohl bei der letzten Flatrate zu durstig.

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