Lenovo G530 mit Linux

Netbooks wie der Asus EeePC haben der Industrie gezeigt, dass es einen Markt gibt für zuverlässige Technik zum günstigen Preis. Computer für den Alltag. Darum kann sich kein Hersteller mehr drücken. Entsprechend niedrig liegen die Preise für derartige Basisgeräte. Wer auf ein Windows-Betriebssystem verzichten kann, bekommt bei Lenovo und HP schon Notebooks unter 300 Euro. Ich verzichte gern und habe mich für das Lenovo G530 entschieden, inklusive Feigenblatt-Betriebssystem FreeDOS.

Lass mich aus der Rikscha fallen

Im Versandhandel gibt es das Gerät zum Netbook-Preis. Und wie ein Asus EeePC der ersten Generation wirkt das Lenovo. Ein Arbeitsgerät, wie es die Hersteller für die wachsenden Computermärkte in den Schwellenländern konzipieren. So strahlt das Lenovo eine beruhigende Stabilität aus. Es sagt seinem Besitzer: Lass mich ruhig aus der Rikscha fallen oder vom Muli, ich schaff’ das schon. Das raue schwarze Plastegehäuse wirkt mindestens so solide wie das der günstigen IBM Thinkpads – und genauso unscheinbar. Um es neutral zu formulieren.

Dennoch würde ich das Gerät in der Rikscha gut festhalten, und beim Reiten gehört es in eine gepolsterte Satteltasche. Bei mir dient das G530 als Heimrechner. Ich trage es zwischen Couch, Sessel und Tisch hin und her. Diese Strecken schaffe ich auch in meinem Alter noch ganz gut zu Fuß. Außerdem werkelt das Lenovo durchgängig am Netzkabel. Deswegen fehlen Erfahrungswerte, wie lange der Akku hält.

Kein ThinkLight, kein TrackPoint

Schade! Dem “kleinen” Lenovo fehlt das Think-Light. Die kleine LED im Deckel beleuchtet bei Stromausfall die Tastatur der Thinkpads. Ein Vorteil im winterlichen Münsterland. Leider fehlt auch der geniale Trackpoint der IBMs. Der Lenovo-Billigheimer muss sich mit einem Touchpad zufrieden geben. Die meisten Käufer werden das ohnehin eher gewohnt sein. Die Mausersatztasten unterhalb des Pads knacken ohrenbetäubend. Außerdem ist der Absatz zwischen Touchpad und Tasten kaum zu erfühlen. Nicht gut für Zehn-Finger-blind-Tipper und Menschen, die den Winter im Münsterland verbringen.

Neben dem schwarzen Bakelitgehäuse führt Lenovo auch eine weitere IBM-Tradition fort: die Tastatur. IBM Thinkpads waren und sind die besten Reiseschreibmaschinen. Und da hält das Lenovo G530 mit: Die Tastatur biegt sich nicht durch wie bei vielen anderen Billigmodellen. Die Tasten besitzen einen gesunden Hub, einen deutlichen Druckpunkt und nicht das kleinste bisschen Spiel. Super.

Mandriva, Ubuntu: Linux auf dem Lenovo G530

Das Lenovo gilt als gutmütiger Gastgeber für Linux. Deshalb fiel meine Wahl auf das Gerät als Nachfolger meines alten Thinkpad. Einzig der Treiber für den WLAN-Chip sei nachzuinstallieren, heißt es in Internetblogs. Kleiner Tipp: Das Lenovo besitzt einen Harware-Schalter an der Vorderseite. Liebhaber alter Thinkpads kennen diesen Schalter nicht und sollten nicht versäumen, ihn einzuschalten. Das erspart Peinlichkeiten bei Anfragen in Linux-Foren. Zuerst landete eine Live-CD mit

[update] Mandriva 2010.1 One im Laufwerk des Lenovo G530. Überraschung: Mandriva bringt den Treiber fürs WLAN gleich mit. Der Netzwerkmanager listet alle verfügbaren WLANs auf. In der brandaktuellen Version 2010.1 erkennt Mandriva die Sondertasten (Hotkeys) besser. So lässt sich beispielsweise die Lautstärke endlich über die entsprechende Tastenkombination (Fn + Pfeiltasten) verändern. [/update]

Mandriva ist eine ausgezeichnete Wahl für Linux-Einsteiger auf dem Lenovo G530. Beim Download auf die Version One achten! Die hat bereits eine Menge Multimedia-Codecs an Bord.

Zweiter Anlauf: Ubuntu 10.04, das ich anschließend gleich installiert habe. Ubuntu schlägt nach dem ersten Start zwei WLAN-Treiber von Broadcom zur Installation vor: Broadcom-STA und b43. Broadcom-STA ist der richtige. Einfach per Mausklick installieren. Tipp: Der umsichtige Besitzer hängt sein Notebook für diesen Vorgang ans LAN-Kabel. Nach einem Neustart sollte das WLAN funktionieren.

Für Ubuntu spricht die sensationell kurze Startzeit. Innerhalb weniger Sekunden meldet sich das Notebook zum Dienst. Außerdem funktionieren die Hotkeys. Nachteil gegenüber Mandriva: Die Multimedia-Ausstattung muss man sich nachträglich zusammenstoppeln.

Fazit: So laut ist der Lüfter auch wieder nicht

Gamer und Videokünstler werden die Rechnerarchitektur an ihre Grenzen führen – und darüber hinaus. Für alle anderen Fälle hält das robuste Arbeitstier Lenovo G530 genug Leistung bereit. Sicher: Es gibt anderswo für mehr Geld hochwertigere Verarbeitung und einen leiseren Lüfter. Aber ob die teurere Konkurrenz tatsächlich länger hält, muss sie beweisen. Und so laut ist der Lüfter nun auch wieder nicht.

Foto: Lenovo

Daten: Intel Celeron 2,2 Ghz, 1024 MB RAM, 160 GB Festplatte.

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  1. Pingback: Lin2go: FluxFlux 2010.2 im Test | Wolff von Rechenberg

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