FC Bayern: Causa Katar geht über Fußball hinaus

Prangt auf den Trikots des FC Bayern demnächst das Logo von Qatar Airways? Viele Fans des Rekordmeisters der deutschen Fußballbundesliga protestierten auf der Jahreshauptversammmlung des FC Bayern gegen entsprechende Pläne der Bosse. Mehr noch: Sie fordern ein Ende der Zusammenarbeit mit dem Emirat, das der Weltöffentlichkeit zuverlässig Schlagzeilen wegen Menschenrechtsverletzungen beschert. Die Führung des Vereins reagierte ratlos auf die Fan-Proteste und schweigt auch weiterhin. Eine kleine Sensation.

Fan-Proteste sind nicht neu, weder in der Liga noch beim FC Bayern. Auch das Katar-Engagement des Vereins steht bei den Fans regelmäßig in der Kritik, zieht der Bundesliga-Krösus doch jedes Jahr zum Trainingslager in das Emirat. Dass der Übervater des FC Bayern, Uli Hoeneß, auf der Versammlung nicht zu Wort kommt, passiert schon seltener. Immerhin haben wir schon Tage erlebt, an denen Hoeneß im Alleingang eine ganze Jahreshauptverammlung zusammengebrüllt hat. Doch in diesen Tagen wirkt die Vereinsführung ratlos und unsicher wie nie. Warum?

Weißbier und Titel gegen die Zweifel

Der FC Bayern muss sich fragen, ob unter den Fans ein jahrzehntelang gültiger eiserner Konsens zu bröckeln beginnt: Der Erfolg heiligt die Mittel, und zwar alle. Auf den Punkt gebracht im Schlachtruf des Vereins: „Mai san mia!“ Über Zweifel erhebt man sich einfach. Und über den Wolken soll die Freiheit ja grenzenlos sein. In der Kausa Katar lautete die offizielle Linie des Vereins: Durch Einbinden Katars in den Weltfußball wolle man dort menschenwürdigere Verhältnisse zu bewirken.

Das muss uns andere, die wir am Boden der Zweifel kleben, nicht plausibel erscheinen. Immerhin besitzt das Emirat im Weltfußball mit dem Französischen Serienmeister Paris St. Germain seit Jahren eine der ersten Adressen im Weltfußball, ohne dass dies die Verhältnisse im Wüstenstaat geändert hätte. Den Fans des FC Bayern hat das Narrativ der Vereinsführung bisher offenbar gereicht. Mögliche Zweifel daran schluckte man einfach mit dem dritten Weizenbier bei der nächsten Meisterfeier herunter.

Menschen möchten gern auf Seiten der Guten sein

Diesmal sehen wir die Münchener Erfolgsmaschine stottern. Und das ist es, was an den Vorgängen bei der Jahreshauptversammlung über den FC Bayern und den Fußball hinausweist: Wenn selbst beim FC Bayern der Erfolg nicht mehr alle Mittel heiligt, wenn Bayern-Fans ethische Anliegen an ihren Verein richten, Fans, die bisher nur dann laut wurden, wenn ihrer Mannschaft das Verpassen der Champions-League-Plätze in der Ligatabelle drohte, wenn dies passiert, kann kein Unternehmen, kein Verein, keine Regierung mehr sicher sein, Kunden, Anhänger oder Wähler durch Prestige oder wirtschaftlichen Erfolg hinter sich versammelt halten zu können.

Unternehmen, Parteien, Vereine, Kirchen und Vereine haben es mit einer neuen anspruchsvollen Klientel zu tun. Zwei Dinge prägen diese Entwicklung: Menschen möchten gern auf der Seite der „Guten“ stehen. Und dieses „Gute“ definieren wir immer weniger über den eigenen Erfolg im Wettbewerb und zunehmend über ethische Grundsätze. So lohnt es sich offenbar für Fußballvereine plötzlich, ihre Fans mit nachhaltig und fair produzierten Trikots und Schals auszustatten. Der 1. FC Union Berlin zeigt das. Die Köpenicker sind deutscher Meister im nachhaltigen Merchandising (PDF).

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