Kino: Inception – Matrix meets Titanic

Träume zerplatzen nicht sanft wie Seifenblasen, sie versinken in einem Reigen aus umherfliegenden Gebäudeteilen, Bäumen, Autos und Menschen. Christopher Nolan lässt in „Inception“ die Träume seiner Protagonisten mit der Wucht von Nuklearwaffen implodieren – und die Logik auch.  Wenn ein Film in diesem Jahr den Titel „Blockbuster“ verdient hat, dann dieses Weltenerschaffungs- und -zerstörungsepos mit Leonardo DiCaprio.

DiCaprio spielt Dom Cobb, einen käuflichen Spion. Einen Experten, der mit seinem Team die Träume der Mächtigen infiltriert, um deren Unterbewusstsein Geheimnisse zu entreißen. In der Realität gejagt von Polizei und ehemaligen Auftraggebern, bekommt der desillusionierte Geheimagent eine letzte Chance, in ein normales Leben an der Seite seiner Kinder zurückzukehren. Er muss die Träume des Industriellen Robert Fisher (Cilian Murphy) heimsuchen.

Dort soll er im Auftrag des Japaners Saito (Ken Watanabe) aber nicht etwa Geheimnisse ausschnüffeln. Er soll Fisher einen Gedanken einpflanzen. „Inception“ nennt sich dieser Vorgang. Das Unternehmen gerät in Gefahr, weil Cobb seine real tote Frau Mal (Marion Cotillard) nicht aus seinen Träumen verbannen kann. Für Action sorgen außerdem Fishers geträumte Leibwächter, sogenannte „Extractors“.

Anleihen bei Matrix und Star Trek

Schon bevor diese Schutztruppen des Unterbewusstseins die Szene betreten, werden sich Cineasten an den Kultfilm „Matrix“ erinnert fühlen. Wie Neo und Morpheus die Matrix nur angeschlossen an ein Gerät betreten können, so brauchen auch Dom Cobb und seine Mannen ein Gerät für das „Traumsharing“. Inception walzt allerdings die Frage aus, was denn nun besser sei, Traum oder Wirklichkeit. Für zwei Stunden gibt diese Frage allerdings nicht genug her.

Titanic meets Matrix im Limbus

Zehn Jahre später sind die Spezialeffekte natürlich um einiges spektakulärer als in der Matrix. Immerhin faltet Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Christopher Nolan ein ganzes Pariser Wohnviertel über Kopf, wie einen Briefbogen. Das hilft leider nicht über die vor sich hin holpernde Handlung hinweg, über Spinnereien von einem „Limbus“, den Nolan aus dem Star-Trek-Film „Das Treffen der Generationen“ entliehen hat. Ein Ort, an dem unvorsichtige Zeitreisende stranden – beispielsweise, wenn sie in einer Traumebene sterben (Fragen Sie nur nicht nach Logik!). Bei Star Trek hieß das virtuelle Nirvana „Nexus“. Um dem Spektakel wenigstens eine Spur von inhaltlichem Zusammenhalt zu verleihen, lässt Nolan DiCaprio und seine Filmfrau Cotillard in einer schicksalsschweren Liebesgeschichte um die Wette stammeln, schluchzen und klagen. Tinac meets Matrix.

Zehn Jahre nach Matrix reichen natürlich Traum und Wirklichkeit nicht mehr aus. Nolan schichtet Traumebene auf Traumebene.  Im Gewusel der Handlungsfäden sollte man schnell bereit sein, jeden Wunsch nach Logik und Glaubwürdigkeit aufzugeben. Nur dann lassen sich die spektakulären Bilder genießen. Und das gute Schauspielerensemble. Angeführt von einem DiCaprio, der hier an sein eindringliches Spiel in Shutter Island anknüpft.

Lesetipp: Inception auf Zeit-Online.

Foto: Warner Bros.

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