Lin2go: FluxFlux 2010.2 im Test

Linux drauf, ab ins Internet -arbeiten, skypen oder was auch immer. Für diesen Zweck fallen die  immer gleichen Empfehlungen: Ubuntu, Opensuse, Mandriva. Mit den großen Namen unter den Linuxen können die Lin2go-Entwickler Manfred Müller und Thomas Schönhütl nicht konkurrieren. Doch ihre Linux-Distribution Fluxflux ist ein rundes Paket voller cleverer Detaillösungen. Das zeigt ein Test der neuen Version 2010.2.

Installiert habe ich Fluxflux auf meinem Netbook-Oldie EeePc 701. Für EeePCs lässt sich Fluxflux in einer auf den EeePC angepassten Version starten. Die Unterstützung für die EeePCs hat Fluxflux unter Freunden dieser Mini-Computer viele treue Freunde beschert. Besitzer von Netbooks oder leistungsschwachen PCs können Fluxflux zudem mit der Boot-Option “noload=openoffice ” starten. Dann startet der PC lediglich mit der wesentlich schlankeren Textverarbeitung Abiword. Das spart Speicherplatz. Schon die Live-Version startet überraschend schnell. Ein erklärtes Ziel von Manfred Müller.

Linux mit Vollausstattung

FluxFlux zeigt sich mit einem aufgeräumten Openbox-Desktop. Oben befindet sich die WBar, eine Schnellstartleiste mit dem lustigen Lupeneffekt beim Drüberfahren, den MacOS so beliebt gemacht hat. Dort befindet sich der Starter für den Firefox-Browser und für den Mail-Client Thunderbird. Musikhören, Filme, Grafik, Fernsehen – für so gut wie jede gebäuchliche Anwendung hat FluxFlux 2010.2 ein passendes Werkzeug an Bord.

Mit FluxFlux-2010.2 ins Internet

Als Netzwerkmanager gibt FluxFlux dem schlanken WICD den Vorzug vor Tools wie dem Gnome-Network-Manager. Auch hier spart das System Gewicht. Außerdem kommt WICD besser damit zurecht, wenn eine WLAN-Verbindung oft abbricht. Meine Internetverbindung besitzt diese Eigenart (1&1). Nachteil von WICD: Das Programm kann keine UMTS-Verbindungen verwalten. Darum haben die Entwickler dem Einwahlprogramm wvdial ein Skript verpasst. Das macht das Kommandozeilenprogramm intuitiv bedienbar.

Zunächst gibt man die PIN ein. Zum Einrichten der Netzwerkverbindung braucht man die Anschlussnummer, APN, Benutzername und Passwort. Diese Angaben erhält man vom Netzanbieter oder aus dem Internet. Mit meiner Klarmobil-SIM habe ich gute Erfahrungen damit gemacht, in alle Texteingabefelder “internet” einzugeben. Die Telefonnummer habe ich anfangs eingegeben. Das hat nicht funktioniert. Bei einem zweiten Versuch habe ich den Standardwert *99# stehengelassen. Damit ging es.

Die Verbindung bleibt bestehen, solange das Fenster geöffnet bleibt. Kurze Funklöcher überbrückt das UMTS-Programm beim Surfen in der Bahn problemlos. Dehnt sich die digitale Einöde, muss sich der Surfer neu einwählen. Stationär funktioniert die UMTS-Einwahl zuverlässig.

Installation

Die Installation von FluxFlux 2010.2 startet mit dem Partitionsprogramm Gparted. Damit formatiert man die Festplatte oder den Festspeicher. Ein Lob verdient FluxFlux dfür, dass es noch das Dateisystem ext2 anbietet. Das ist zwar weniger betriebssicher als aktuelle Dateisysteme.

Ext2 besitzt kein Journaling. Dadurch ist es weniger ausfallsicher als akuelle Systeme, vermeidet aber auch zu viele Schreibzugriffe auf die Festplatte. Das verlängert unter Umständen die Lebensdauer von Festspeichern (SSD), wie sie in den frühen EeePCs verarbeitet wurden. Im Weiteren sollten auch Einsteiger alle Angaben richtig eingeben können. Zur Installation mehr in einem [update] am Ende des Beitrags.

FluxFlux 2010.2 auf der Platte

Installiert startet FluxFlux-2010.2 in Windeseile. 30 Sekunden nach dem Drücken des Einschaltknopfs auf meinem EeePC 701 kann ich ein Browserfenster öffnen. Um Plattenplatz zu sparen, habe ich auf einen Auslagerungsspeicher (SWAP) verzichtet. Dennoch laufen alle Anwendungen flüssig. Es bleibt zwar darin hinter Ubuntu mit LXDE-Desktop ein wenig zurück, kommt dafür aber mit der besseren Ausstattung. Ich erinnere nur an die Kombination von WICD und dem UMTS-Skript, das besser läuft als der häufig verwendete Gnome-Network-Manager. Mit Funklöchern kommt der Netzwerkmanager von Mandriva, den auch PCLinuxOS verwendet, besser zurecht. Er bleibt auch bei längeren Aussetzern zwischen Brandenburg HBF und Berlin-Friedrichstraße in der Spur.

Fazit:

Als Basis von FluxFlux haben die Entwickler Slackware ausgewählt. Die älteste noch gepflegte Linux-Distribution zeichnet sich durch Stabilität aus, genießt aber nicht die Unterstützung der großen Distributionen. In den Standardpaketquellen sind zwar die wichtigsten Programme verfügbar. Nach ausgefallenen Programmen oder nach Alternativen muss man allerdings im Internet suchen.

FluxFlux-2010.2 sollte man als rundes Paket betrachten. Es wendet sich nicht an Bastler, sondern an all jene, die einfach ein praxistaugliches voll ausgestattetes Betriebssystem für ihren EeePC suchen. Auf dem Lenovo G530 machte sich FluxFlux nicht ganz so gut. Die Tastenbefehle für Lautstärke und Helligkeit funktionierten nicht.

EeePC-Nutzer können die Suche bei FluxFlux-2010.2 beenden. Wer sein Betriebssystem an persönliche Vorlieben anpassen will, sollte sich bei anderen Distributionen umsehen. Hier liegt die große Stärke der Debian- und Ubuntu-Ableger. Wer sich für ein anderes System entscheidet, muss unter Umständen aber auch an Details arbeiten, die bei FluxFlux ganz selbstverständlich funktionieren. Die Tastenkombinationen zum Regulieren der Lautstärke beispielsweise.

[update] Tücken der Installation
Über Debian heißt es: Jedes Huhn kann Debian installieren.Vorausgesetzt, man legt genug Körner auf die Entertaste. Mit dem Drücken der Entertaste kommt man nicht durch die Installation von Fluxflux. Auf dem Desktop haben die Entwickler jedoch eine ausführliche Installationsanleitung mit Screenshots hinterlegt. Wer sich an die Anleitung hält, muss nur noch auf zwei Tücken gefasst sein:
1. Das Installationslaufwerk muss nach dem Partitionieren neu eingehängt werden. Fluxflux verwendet den Partitionseditor Gparted. Eigentlich ein komfortables Programm. Zur Partitionierung muss das Installationslaufwerk ausgehängt werden. Das kann Gparted nicht von allein. Ebensowenig hängt das Programm danach die Platte wieder ein. Leider meldet auch die weitere Installationsroutine keinen Fehler, wenn die Platte nicht eingehängt ist. Erst nach der Installation merkt der Benutzer, dass kein System vorhanden ist.
Das Einhängen des Installationslaufwerkes geschieht über “Partition” -> “Einhängen”
2. Beim Anlegen des Benutzerzugangs nur einmal das Passwort eingeben. Im Grunde erklärt genau das auch die Installationshilfe. Doch der Benutzer ist gewöhnt, ein neues Passwort in der Zeile darunter zu bestätigen. Tut er das zum Abschluss der Partitionierung für Fluxflux, dann schreibt er das Passwort in das Feld zum Eintragen der Gruppen. Ergebnis: Der Benutzer ist für keine existierende Gruppe im System eingetragen und kann sich folglich auch nicht anmelden. [/update]

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