Kategorie: Politik und Gesellschaft

Ganz Hesse lacht – nicht nur zur Fassenacht

Hessens SPD hat die Weichen in Richtung Neuwahl gestellt. Thorsten Schäfer-Gümbel soll Roland Koch und die CDU jetzt das Fürchten lehren. Drei Eigenschaften qualifizieren Thorsten Schäfer-Gümbel zum Spitzenkandidaten: 1. Andrea Ypsilanti braucht ihn nicht zu fürchten, 2. Ypsilantis Gegner in der Hessen-SPD brauchen ihn nicht zu fürchten, 3. Steinmeier braucht ihn nicht zu fürchten.

Er hat aber auch einen Nachteil: Roland Koch braucht ihn nicht zu fürchten. Noch nie ist jemand mit einem Doppelnamen in der deutschen Politik etwas Ranghöheres geworden als Famlien-, Justiz- oder Gesundheitsministerin. Mit Thorsten Schäfer-Gümbel kehrt die Hessen-SPD endlich auf die Verliererstraße zurück, auf der sie sich ohnehin viel besser auskennt. In Berlin kursiert ein netter Witz:

Treffen sich ein Bundestagsabgeordneter aus Hessen und einer aus Berlin.

Der Berliner: „Hast du schon gehört? Bei uns nennt man die Hinterbänkler jetzt Hessenbänkler.“

Der Hesse antwortet: „Ach ja? Bei uns nennt man sie Spitzenkandidaten.“

Obama vs. McCain und die iReporter

Deutsche Radiosender trauen ihren Hörern gerade noch zu, Staus und Radarkontrollen (Flitzer-Blitzer) durchzugeben – CNN lässt seine Konsumenten über die US-Präsidentschaftswahl berichten. Die so genannten iReporter beschreiben ein Land im Ausnahmezustand: Ronnie Senique, Mathe-Lehrer aus Landover, Maryland, traf gegen 4 Uhr in der Frühe (Ortszeit) vor seinem Wahllokal ein, drei Stunden vor Öffnung. Da reichte die Schlange schon um die Ecke, durch die Schule und bis hinaus auf die Straße. Ähnliches schildert iReporterin Lynn Linnemeier im Südwesten von Atlanta. Sie musste sich im Parkhaus in der Schlange anstellen und zwei Stunden warten, bis sie ihre Stimme abgeben durfte. Dabei hatte sie ihre 9- und 16-jährigen Enkeltöchter dabei. Die sollen den Wecker gestellt haben, um ihre Oma ins Wahllokal begleiten zu können. Noch Fragen, liebe deutsche Politiker? Ach so… Ich vergaß… Hier sind wir ja schuld. Wir sind einfach nur zu verdrossen.

Obama vs. McCain: 41.000 Klagen über kaputte Wahlmaschinen

Noch bevor Barack Obama oder John McCain Gelegenheit dazu gehabt haben, hat die amerikanische Demokratie bei der US-Präsidentschaftswahl eine Schlappe erlitten: Die „Election Protection Coalition“, eine Bürgerrechtsbewegung, meldet bereits am frühen Nachmittag (Ortszeit) 41.000 Klagen über defekte Wahlmaschinen. Unter anderem in den US-Staaten Michigan und Florida. Das berichtet ABC.

Der Fall Ypsilanti oder die Angst der SPD vor Siegerinnen

Wenn die Hessen-SPD so mit Siegern umgeht, dann wundert es nicht, dass die Genossen bisweilen Probleme haben, Spitzenkandidaten zu finden. 24 Stunden vor der Wahl von Andrea Ypsilanti zur hessischen Ministerpräsidentin schlug vier sozialdemokratischen Landtagsmitgliedern das Gewissen. Sie verweigerten das Ja-Wort zu einer rot-grünen Koalition mit Billigung der Linkspartei.

Auch wenn SPD-Chef Franz Müntefering im Fernsehen heute Solidaritätsbekundungen mit der gemeuchelten Hessenwahlsiegerin abgibt: Man wird das Gefühl nicht los, dass das hessische Kleeblatt sich mit seinem Verrat an der hessischen Sache an höherer Stelle empfohlen hat. Wie wäre es mit einem Staatssekretärsposten in einer Steinmeier-geführten Regierung nach der Bundestagswahl? Und dann irgendwann aufs Altenteil bei RWE? Da kann man sich schon mal ein paar Tage lang in der hessischen Provinz als Königsmörder verfemen lassen.

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