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DVB-T: Das Billigste ist nicht immer preiswert

Gewissen Kommentaren entnehme ich, dass die Umstellung des Fernsehens in Hessens auf den Digitalstandard DVB-T Opfer gefordert hat. Auch mich ereilte das Schicksal: Seit dem 29. Mai blieb meine Glotze schwarz und stumm. Heute unternahm ich den Versuch dies zu ändern: Gegen 17.30 Uhr stürmte ich den örtlichen Saturn-Markt. Erster Versuch: eine Set-Top-Box von SEG (DTR 605) zum Preis von 69,90 Euro.

Er musste sein Können an einer handelsüblichen Zimmerantenne (mit Verstärkung bis 35 dB) beweisen. Ergebnis: Ruckelnd hopsten die Kicker von Schweden und Trinidad & Tobago auf gewürfelten Beinen über den Bildschirm. An Sendern bekam das Gerät gerade ZDF, KiKa und 3Sat. Frust machte sich breit. Schnell packte ich das Gerät wieder zusammen und sauste noch einmal zum Elektronikmarkt zurück. Austausch gegen ein TechniSat-Gerät (DigiPal 2) für 108 Euro inkl. Antenne.

Der Erfolg war bahnbrechend. ARD, ZDF, HR, MDR, NDR, WDR, ZDF Doku, Phoenix … und so weiter. Alles gestochen scharf und nur in den Regionalprogrammen manchmal mit minimalen Störungen. Das Billigste ist nicht immer das Preiswerteste. Die beiliegende Antenne zog allerdings gegen meine alte den Kürzeren.

Teenie-Töne

Junge Menschen hören Töne, die ältere selbst bei konzentriertem Hinhören nicht mehr wahrnehmen können. Nach einem Bericht der Netzeitung machen sich das mittlerweile Handyton-Anbieter zu nutze, aber auch Geschäftsleute, die Jugendliche von ihrerer Ladentür fernhalten wollen. Problem: Neun Millionen Teenager haben heute schon einen Hörschaden. Wer mit der Frequenz der Teenie-Abwehrtöne weit genug herunter gehen will, wird in deutschen Innenstädten eine Lärmkulisse schaffen, die einem Posaunenchor entspricht.

Letzter Aufruf

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Noch zwei Mal werden Marco und Jochen wach, heißa dann ist Weltmeisterschaft – und Stromausfall – und außerdem hat Jochen just vor dem Fußballfest das Rauchen aufgegeben – und da ist nicht gut Kirschen essen – und …

Ach wissen Sie was, gucken Sie’s sich doch selbst an:

Spiel mir das Lied vom Tor, die Comedy zur Fußballweltmeisterschaft.

9. Juni, 16 Uhr,

Theaterstübchen, Kassel.

Willkommen, Dapper Drake

Fast sah das nach einem dramatisch inszenierten Auftritt aus: Im April sollte das neue Ubuntu-Linux kommen, und dann dauerte es ganze sechs Wochen länger. Sein Name ist Drake, Dapper Drake, und das ist schlimm genug. Deshalb wollen wir die neue Version bei ihrer Dienstnummer rufen: 6.06 LTS. LTS steht für Longterm Support. Ein halbes Jahrzehnt lang soll das neue Ubuntu mit Sicherheitsupdates versorgt werden. Aber Name hin, Verzögerung her: Das Warten hat sich gelohnt. 6.06 bietet nicht wie 5.10 (Breezy Badger) mehr oder weniger nichts außer neuen Programmversionen und ein wenig Kosmetik. Zum ersten Mal legt Ubuntu ein regelrechtes Artwork vor (sind das Tango-Icons?), eines, das sich nicht auf kackbraune Tapeten im Hintergrund beschränkt. Man mag da verächtlich auf Äußerlichkeiten verweisen. Aber ich habe auch Debian an diesem Wochenende eine Chance gegeben. Das war aber nicht einmal in der Lage, mein Wlan zu erkennen, brachte dafür aber eine Menge überflüssigen Krimskrams mit und sah nach nichts aus. Ich sitze sehr viel am Computer und will mich daran wohlfühlen. Da liegt mir Ubuntu näher. Mein heiß geliebtes Redhat-Artwork habe ich zwar installiert, benutze es derzeit aber gar nicht.

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Der Upgrade hat – wieder einmal – nicht funktioniert. Also: CD herunterladen. Das neue CD-Image ist Live- und Installationsmedium gleichzeitig. Über ein Icon wird der Installationsprozess eingeleitet. Die Prozedur verläuft vorbildlich intuitiv. Einmal mehr kommt hier der entscheidende Ubuntu-Vorteil zum Tragen: Auch Dapper enthält nur das, was 95 Prozent der Computeruser brauchen, kein Programm mehr. Neu dabei ist das Ekiga Softfon.

Einen gewaltigen Sprung vorwärts hat Automatix gemacht. Das Skript installiert per Mausklick alle Multimedia-Anwendungen, die Ubuntu ab Werk fehlen. Jetzt besitzt es endlich eine aufgeräumte grafische Oberfläche.

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Vorsicht: Das Skript fragt ganz harmlos, ob der Besitzer die Änerungen am Quellenverzeichnis (Sources.list) übernehmen möchte. Diesem Anliegen habe ich zugestimmt. Die neuen Quellen hat aber Synaptic nicht mehr auslesen können. Ich musste mir eine neue Sources.list besorgen. Kein großes Problem für mich. Den Neuling kann es aber in arge Schwierigkeiten bringen. Hier gehört ein deutlicher Hinwei hin, der den Benutzer davon abhält, die Einträge zu übernehmen.

Ein weiteres Manko: Mein gewohnter Newsreader, Straw, erkennt keinen Browser mehr. Da ist vielleicht schon was dran, an den Vorwürfen aus der Debian-Community, dass Ubuntu zwar schicker daherkommt, aber auch mehr Bugs hat als ein Debian. Egal: Wozu hat man Linux. Die Auswahl an Newsreadern ist groß. Meine Wahl fiel auf Blam.
Noch zwei Dinge möchte ich loben:

1. Über Automatix lässt sich Seamonkey installieren. Es gibt genug Freunde der alten Mozilla-Suite (ich zähle mich dazu), die sich darüber freuen.

2. Andererseits fällt ein wichtiger Grund für Mozilla gegenüber Firefox weg: Firefox 1.5 läuft in der Dapper-Distro deutlich stabiler als der nachinstallierte 1.5 aus Breezy.

Fazit:
Ubuntu ist schöner, an den richtigen Stellen aufwändiger und noch anwenderfreundlicher geworden. Dabei ist der neue Gnome-Desktop 2.14 deutlich flinker als der 2.12 von Breezy. Das hatte ich allerdings schon bei meinem Ausflug zu Fedora Core 5 festgestellt. Der Upgrade von Breezy auf Dapper lohnt sich also schon deswegen, weil er Komfort bringt und gleichzeitig das System entlastet.
Meine Favoritenlist bleibt also unverändert:

1. Ubuntu

2. Fedora

3. Debian Sarge

4. Suse

5. Debian Etch

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