Monat: Juli 2006

Bye bye, Klinsi

Zuletzt aktualisiert am 29. September 2025 von Wolff von Rechenberg

Einem der Hauptschuldigen kam die zweifelhafte Ehre zu, den Rücktritt von Jürgen Klinsmann als Trainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zu verkünden: DFB-Präsident Gerhard Meyer-Vorfelder.

Kein Mensch kann Klinsi verdenken, dass er hinschmeißt. Keine Personalentscheidung, die der Verbandspräsident und andere Quadratschädel im DFB nicht kritisch zu kommentieren wussten, oder die Medien: Motivationstrainer? Neumodischer Schnickschnack! Das haben wir ’54 doch auch nicht gebraucht. Schon kurz nach Klinsmanns Berufung zum Bundestrainer vor fast genau zwei Jahren, war klar: Auf den DFB konnte der Neue kaum zählen. Die Sportgreise um MV und Franz Beckenbauer diskutierten lieber öffentlich aus, wie lange sich der Jürgen jeweils in Deutschland und in den USA aufgehalten hat.

Die Welt staunt – jetzt, da die WM vorüber ist -, dass wir ja gar keine nationalistischen rotgesichtigen Halbliterstemmer mit Pickelhaube sind. Keine Angst, liebe Welt. In den Reihen des DFB hat diese Spezies ein sicheres Refugium gefunden. Wenn die Griechen sich von Otto Rehagel getrennt hätten, weil der einmal zu oft zum Shoppen in Germany war, dann wären sie nie Europameister geworden. Der DFB sollte vielleicht einfach Sepp Herberger ausgraben und der Mannschaft an die Seite stellen.

Selbstbedienung im Schatten der WM

Zuletzt aktualisiert am 4. Juli 2006 von Wolff von Rechenberg

Wenigstens zeigen unsere Regierenden Verständnis für den allgemeinen Missmut über die … Na gut, nennen wir sie „Gesundheitsreform“. Man muss sich das vorstellen. Kanzlerin Angela Merkel sagt uns: „Du, sorry, dass du das jetzt alles bezahlen musst. Mehr war einfach nicht drin, ohne dass meine Parteifreunde ihre Aufsichtsratsposten in der Pharmaindustrie und in der Versicherungswirtschaft verlieren.“ Die SPD verkauft uns mit stolzgeschwellter Brust als durchschlagenden Erfolg, dass Not leidende Gepiercte jetzt ihre Arztrechnungen selbst bezahlen sollen. Das gewährt tiefen Einblick in den Zustand unserer Parteiendemokratie. Anstelle einer schlagkräftigen Opposition blasen nun Provinzfürsten – hochgerüstet im Dauerwahlkampf – zum Sturm auf die Bundesregierung, oder die namenlosen Apparatschiks und Lobbywühler in den Parteiapparaten.

Letztere sind die Gewinner der Gesundheitsreform: Die Krankenkassen haben immer noch keine breitere Beitragsbasis, die Apothekenpflicht und die Preisbindung für Arzneimitteln ist immer noch nicht gefallen. Das Gesundheitssystem ist immer noch der alte Selbstbedienungsladen, in dem jeder dem immer schmaler werdenden Häuflein der Beitragszahler in die Tasche greift. Deren Zahl wird weiter schrumpfen: So will der Staat in Zukunft die Krankenkasse für Kinder aus Steuern bezahlen. Das bekommen wir verkauft als den Übergang zu einem Gesundheitssystem, das dann endlich alle zur Kasse bittet. Dabei vergessen Kurt Beck und Co., uns darüber aufzuklären, dass der Staat auch für die Kinder von Privatversicherten aufkommt. Die Beitragsfreiheit für Kinder war immer ein entscheidender Wettbewerbsvorteil der Gesetzlichen Kassen vor den Privaten. Das ist nun dahin.

Verständlich, dass sich unsere politische Klasse bemüht, diese … vergessen Sie’s: Dieses Wort kommt mir nicht über die Lippen … noch vor Ende der Fußball-WM über die Bühne zu bringen. Das gibt einen bösen Kater, wenn wir siegestrunken oder deprimiert aus dem FIFA-WM-Stadion Deutschland wanken.

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