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Ubuntu 8.04 Hardy Heron auf IBM Think Pad R51e

Ich hatte mir geschworen, dem Gibbon (7.10) so lange wie möglich die Treue zu halten. Die Langeweile auf dem Krankenlager mag dazu beigetragen haben, dass ich nun doch den Sprung auf die neue Version 8.04 getan habe. Ein Update über das Netz kam für mich nicht in Frage. Damit bin ich schon bei früheren Versionen gescheitert. Also: CD downloaden und installieren. Der grafische Installer funktioniert mittlerweile tadellos. Eine kleine Irritation: Hardy gibt nur noch die Wahl, eine Partition zu formatieren oder nicht. Frühere Versionen haben noch darauf hingewiesen, dass alle Daten erhalten bleiben, wenn man sich gegen das Formatieren entschieden hatte. Ein Detail, das man gleich vergisst, wenn das System – in neuer Rekordzeit – hochfährt. Alle Benutzereinstellungen sind noch da. Ich brauche immer noch einen zusätzlichen Benutzer bzw. eine zusätzliche Benutzerin. Meine Frau liebt es nicht, wenn ich Linux-Experimente mache. Und so schlich sich bei mir eine gewisse Nervosität ein als sich der Benutzeraccount im grafischen Menü nicht einstellen ließ. Das System informierte mich völlig zurecht, dass da bereits ein Ordner im Home-Verzeichnis sei. Eine kurze Recherche und eine Frage in Ubuntuusers brachte mich auf den Kommandozeilenbefehl „adduser“:

$ sudo adduser NEUERNAME

Danach noch das Passwort eingeben:

$ sudo passwd NEUERNAME

Danach muss geht es wieder in das Menü zur Benutzerverwaltung: Dort muss man der neuen Benutzerin Rechte zuweisen (wann dürfen wir Männer das schon unwiedersprochen?) und den ganzen namen eintragen. Fertig!
Mehr kann ich derzeit über das neue Ubuntu nicht sagen. Vielleicht noch soviel: Der Wechsel fällt kaum auf.

Knappe Mehrheit für Demokratie

Nur 60 Prozent haben Vertrauen in die Demokratie. Die Meldung geisterte am Montag durch die Nachrichtenportale. Sie geht zurück auf eine Umfrage für die Leipziger Volkszeitung. Bei den Ossis genießt unsere Staatsform noch weniger Vertrauen. Allerdings schneidet die Soziale Marktwirtschaft noch schlechter ab. Nur 48 Prozent haben noch Vertrauen in die Wirtschaft. Kunststück: Wenn die Befragten repräsentativ ausgewählt wurden, muss unsere Wirtschaft über 48 Prozent noch glücklich sein. Das sind die, die für dieses Jahr noch keine Kündigung gekriegt haben, die nicht von Hartz IV leben und die nicht für einen Hungerlohn malochen.

Dass die Deutschen nicht mehr an die soziale Marktwirtschaft glauben, ist die Korrektur eines Bildes vom weißhaarigen, väterlichen Unternehmer, der seine 30.000 Mitarbeiter alle mit Namen kennt und für jeden ein offenes Ohr hat. Dieses Bild war ein schöner Traum aus Zeiten, in denen man noch sanft auf der nächsten Gehaltserhöhung und der sicheren Rente ruhte. Weiterlesen

Zum 119.

Einen Glückwunsch, auf den wir hätten verzichten können, sprach Google am gestrigen Sonntag, 20. April, aus. Die Älteren werden sich der Bedeutung des Datums erinnern. Der geschmacklose Scherz soll nur ein paar Minuten online gewesen sein.

Wie tief steckt Microsoft in der Krise?

Bei einer Veranstaltung in Seattle ließ Microsoft-CEO Steve Ballmer die Bombe platzen: Das aktuelle Windows Vista ist nichts mehr als eine Beta-Version. Als „Work in progress“ soll Ballmer das ungebiebte Betriebssystem bezeichnet haben, berichtet The Register. Und dann zitiert das Online-Magazin die ganze „Wir haben gelernt“-Litanei. Nein, man wird XP so lange unterstützen wie die Kunden es wünschen. Dazu hat ganz sicher die Save-XP-Kampagne von InfoWorld beigetragen. Mehr als 100.000 User haben sich dort schon eingetragen. Vom Beratungsinstitut Gartner gab es zusätzlich Zunder. Die Analysten der angesehen Firma sehen Microsoft vor dem Kollaps. Im Kerngeschäft Windows schleppt der Riese den Code aus Jahrzehnten mit sich herum, bemängeln die Analysten. Hinzu kommt, dass Windows auch Prügel für die politischen Sünden der Supermacht USA bezieht. Das hat Red Hat-CEO Jim Whitehurst bei einer Tagung des Onlinemagazins InfoWorld behauptet. Angesichts der Tatsache, dass sich ausgerechnet China, Russland, Venezuela und Brasilien gegen die Standardisierung von Microsofts Ooxml-Format stark gemacht haben, dürfen wir wenigstens dies als gesicherte Tatsache betrachten.

Microsoft vor dem Kollaps? Das erscheint mir zu abwegig. Dass der Konzern in argen Schwierigkeiten steckt, beweist am eindrucksvollsten das Übernahmedebakel  um den Internet-Pionier Yahoo. Steve Ballmer hat wiederholt das Gelingen der Übernahme als eine Existenzfrage für Microsoft bezeichnet. Besonders hat es Microsoft auf das Entwickler-Biotop rund um Yahoo abgesehen. Dafür ist der Konzern bereit, mehr als 40 Milliarden US-Dollar zu zahlen.

Buchtipp: Der Mann, der niemals lebte

Ein Buch kann nichts für seinen Titel, schon gar nicht die deutsche Übersetzung. „Der Mann, der niemals lebte“ teilt dieses Schicksal. Ein grausamer deutscher Verlagsmensch verunstaltete den englischen Originaltitel „Body Of Lies“ zu etwas, das besser zu einem Groschenroman gepasst hätte. Dabei setzt David Ignatius in seinem Thriller die Ansprüche deutlich höher, sogar höher als die meisten Spionagethriller. Detailliert protokolliert er eine CIA-Aktion gegen ein Terrornetzwerk à la Al-Qaida.

Im Zentrum steht ein Toter, der den Terroristenanführer Süleyman davon überzeugen soll, dass der US-Geheimdienst sein Netzwerk unterwandert hat – was diesem natürlich real einfach nicht gelingen will. Ignatius erzählt, wie sich die geheimen Landesverteidiger die Leiche eines namenlosen Touristen aneignen, und die penible Vorbereitung der Aktion. Im Zentrum steht der CIA-Statthalter in Jordanien, Roger Ferris. Ferris spricht hervorragend Arabisch und sieht wie ein Araber aus. Aber im Innern ist er überzeugt, dass die Vereinigten Staaten sich mit eiserner Faust und allen Mitteln gegen muslimische Terroristen verteidigen müssen.

Erste Zweifel kommen dem Geheimagenten erst als er sich in die Entwicklungshelferin Alice verliebt, die in palästinensischen Flüchtlingslagern arbeitet. Sie tut das aus ganz ähnlichen Motiven aber mit anderen Mitteln: Sie will zeigen, dass nicht alle Amerikaner schlecht sind. Im gleichen Maß, in dem sie dem Gedenkengebäude von Ferris Schaden zufügt, bringt sie sich jedoch selbst in Gefahr. Davis Ignatius erzählt seine Geschichte wie man das von amerikanischer Thrillerliteratur gewohnt ist: geradlinig und schnörkellos. Sein Buch ist Lehrstück für jene, die noch an das Gute im Geheimdienst glauben, und Argumentationshilfe für jene, die der CIA schon immer alles zugetraut haben. Und es beschreibt die Motive der Geheimagenten. Soviel Wissen über das Wesen der Dunkelmänner vermittelt sonst nur John le Carré.

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