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American Open

Das Fedora-Project gibt heute die Veröffentlichung der Linux-Distribution Fedora Core 5 bekannt. Fedora war mein erstes Linux und ist eine Art alter Liebe geblieben. Wie immer liegt Fedora weit vorn, wenn es um die aktuellste Software geht. So hat Fedora schon jetzt die Desktopumgebung Gnome 2.14 an Bord und den Linux-Kernel 2.6.16. Beides gerade frisch vom Reißbrett gepurzelt.

Bruchlandung mit dem Erpel

Erster Versuch, von Ubuntu 5.10 (Breezy Badger) auf 6.04 (Dapper Drake) zu updaten ist gründlich gescheitert. Das System war zwei Tage lang zerschossen. Wartungssysteme haben nicht gegriffen. Kein Login, kein Xserver, kein garnichts. Wer derzeit den Schritt zu Dapper wagen will, sollte unbedingt die Kommandozeilen-Befehle verwenden („apt-get update“, „apt-get dist-upgrade“). Der grafische Update-Manager ist derzeit noch in den Kinderschuhen. Gleiches gilt für den grafischen Installer Espresso. In allen Ubuntu-Foren findet sich die Warnung, derzeit kein produktives System zu upgraden, da sich Dapper noch im Teststadium befindet. Diese Warnung bitte sehr ernst nehmen, ober mein Schicksal teilen.

Fedora am Montag

Im Linux-Lager herrscht das große Zähneklappern. Lange hat man den Tag herbeigesehnt, an dem man sich in der Lage fühlen würde, dem Riesen aus Redmond – Windows – die Zähne zu zeigen. Erst vertagt Novell den Release seines OpenSuse 10.1, dann verschiebt Red Hat den Erscheinungstag seines Communitiy-Linux Fedora Core 5, und schließlich denkt sogar Ubuntu über eine Verschiebung der neuen Version 6.04 Dapper Drake nach. Zumindest bei Fedora ist das Zaudern nun zuende: Fedora Core 5 erscheint nun endlich am Montag. Die Vorgänge geben dennoch zu denken. Gerade Ubuntu hatte immer wieder betont wie wichtig feste Releasezyklen für den Erfolg einer Linux-Distribution sind. Aber 2006 ist eben kein Jahr wie jedes andere. 2006 wird das Jahr des neuen Windows Vista. Ubuntu-Gründer Mark Shuttleworth hatte für Dapper Drake die Dinge beim Namen genannt: Die Gelegenheit war nie so günstig, eine ernsthafte Alternative zu Windows zu bieten, zumal Microsoft den Schwarzkopierern die Arbeit schwer machen will. Jetzt hat jeder im Linuxlager Angst, Fehler zu machen. Aber schon das spricht für die gewachsenen Bedeutung des freien Betriebssystems. Schließlich galt es bisher als Hobby von ein paar pickeligen Studenten mit Flaschenböden als Brillengläser.

Per SMS ins Arbeitslager

Die chinesische Regierung will nach der Internet- jetzt die SMS-Zensur einführen. Wer sich also auf dem Handy über Freiheit für Tibet auslässt, wird selbst nicht lange frei bleiben. Man darf gespannt sein, wieviele Datensätze da anfallen und ob die Behörden es schaffen, sie alle abzuarbeiten. Immerhin haben wir gerade erfahren, dass es 400 Millionen Handys im Reich der Mitte gibt. Schon in beschaulicheren Gemeinwesen, wie Deutschland oder Österreich, fallen Datensätze im Bereich mehrerer 100 Millionen Stück an. Fest steht: Der Geheimdienst wird ein Lexikon der Jugendsprache brauchen, damit er überhaupt merkt, wenn von Tibet, Taiwan oder dem Platz des himmlischen Friedens die Rede ist.

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