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Bei euch piept’s

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck hat einen Hörsturz erlitten. Das gibt dem deutschen Blätterwald einen willkommenen Anlass, uns allen zu erklären, was ein Hörsturz überhaupt ist. Dabei kommen natürlich die Theorien von der Durchblutungsstörung im Innenohr auf den Praxistresen. Für deren Richtigkeit jedoch gibt es keinerlei Beweis, dafür aber zahlreiche Opfer der Nebenwirkungen der Blutverdünner, die man uns in solch einem Fall verschreibt. „Nutzloses Herumdoktern auf Krankenschein“ nennt das der Tagesspiegel. Wenn die Krankenkassen diesen völlig überflüssigen Unsinn bezahlen, warum nicht auch Schröpfköpfe?

Nur ein eigenes Patent ist ein gutes Patent

Muss Ford eigentlich Lizenzgebühren für die Verwendung des Rades abführen? Kann ja noch kommen. In den USA muss sich der oberste Gerichtshof jetzt mit einem Patent auf den „Sofort-Kaufen“-Button herumschlagen. Das völlig unbedeutende Unternehmen MercExchange will das Auktionshaus Ebay für die Verwendung dieser Funktion zur Kasse bitten. Da können die obersten Bundesrichter schonmal üben für eine Flut ähnlicher Prozesse.

Die eigentliche Sensation versteckt sich in einem Nebensatz: Microsoft ficht da an der Seite von Ebay gegen eine einstweilige Verfügung. Begründung: Einstweilige Verfügungen behindern das Geschäft. Doch dieselben Instrumente hat Microsoft gerade wieder der Linux-Community gezeigt. Microsofts Losung lautet: Nur ein eigenes Patent ist ein gutes Patent. Man könnte jeden anderen Software-Konzern hier einsetzen.

Zurück zum Rad: Hätte man im Altertum schon das „geistige Eigentum“ gekannt, dann wäre schon das Speichenrad nie erfunden worden. Die Lizenzzahlungen an den Erfinder des Rades hätten unseren wackeren Tüftler einfach aufgefressen. Ein Automobil müsste derart viele Lizenzzahlungen an ein unüberschaubares Heer von Patentbesitzern refinanzieren, dass es für keinen außer Bill Gates erschwinglich wäre. Aber so sind die Patente: Einmal was erfunden, dann ab in die Hängematte und die Hand aufhalten. So werden Patent- zu Sozialämtern für Technologieschmarotzer.

Big Brother – das Regierungsviertel

Nachtschicht im Berliner Pergamon-Museum. Zu Gast bei den Sicherheitskräften sind einige Reporter der Bild am Sonntag. Und zum Beweis der Allmacht ihrer Überwachungskameras schwenken die einfältigen Museumsbüttel eine Kamera auf dem Dach ins Merkelsche Wohnzimmer, wo der Kanzlerin-Gemahl Joachim Sauer offenbar Fernsehen schaut. So steht es derzeit bei Stern-online zu lesen. 24 Stunden am Tag soll das Auge auf dem Museumsdach in Angela Merkels Allerheiligstes gelinst haben. Jetzt soll das Spannen aus der Sicherheitszentrale nicht mehr möglich sein.

Mein Rat an die Berliner Prominenz: Meiden Sie die Nachbarschaft von hohen Gebäuden.

Dieses Jahr keine frischen Fenster mehr

Microsoft hat das Erscheinen des neuen Windows – Codename: Vista – auf das nächste Jahr verschoben. Nur Firmenkunden sollen schon im November in den fragwürdigen Genuss der neuen Fenster kommen. Umstritten ist nach wie vor die Zertifizierung für Programme, die auf dem neuen Windows laufen. damit kann Microsoft bestimmen, was auf Vista geht und was nicht.

Das soll dem Schutz vor Schädlingen dienen. Eine Zwangsjacke für Windows nennt es der Bayerische Rundfunk, eine Zwangsjacke für den gläsernen Benutzer an seinem ferngesteuerten Rechner nenne ich es. Galt XP unter Datenschützern nur als bedingt tauglich für vertraulich die Verarbeitung vertraulicher Daten, so dürfte Vista unannehmbar sein.

Daran wird sich jedoch nicht das Schicksal von Windows entscheiden. Der Durchschnittsbürger fühlt sich durch Überwachung längst nicht mehr bedroht. Er streut seine Konsumentendaten längst per PayBack-Karte wahllos um sich. Dem Durchschnittsanwender wird eher die neue Produktphilosophie Sorgen bereiten. Natürlich musste man auch die bisherigen Windowsversionen kaufen und registrieren, doch das noch aktuelle Windows XP läuft zur Not auch ohne Zwangsregistrierung – und damit ohne Sicherheitsupdates. Windows gab es quasi gratis. So verbreitete es sich in den 90-er Jahren. Vista wird eine Zwangsregistrierung verlangen.

Ganz sicher wird Windows Vista zu einem sichereren Internet führen, denn wo Sicherheitsupdates durchgeführt werden, da sinken die Chancen für Schadprogramme. Die Linux-Gemeinde darf sich auf Vista freuen. Mit der Zwangsregistrierung endet eine Ära des unlauteren Wettbewerbs, in der Windows offiziell Geld gekostet hat und in der Praxis gratis zu haben war.

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