Skype mit Großpapas Telefon! Dieses Headset sieht doch fast aus wie ein Bakelit-Knochen aus den Sechzigern. Dem guten Stück fehlt nur der puschelige Überzug Marke Gelsenkirchener Barock.
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Springer und die Gaswerke
„Was würde passieren, wenn Gasprom bei deutschen Medien einsteigt?“ fragten die Grünen-Abgeordneten Matthias Berninger und Grietje Bettin am Montag im Bundestag. Sie spielten darauf an, dass die bösen Wettbewerbshüter dem guten (weil deutschen) Springerverlag die Übernahme von ProSiebenSat.1 immer noch nicht gestatten wollen. Das Wort von der „Inländer-Diskriminierung“ macht die Runde.
Nur: ProSiebenSat.1 ist keine Gas-Pipeline, sondern ein Fernsehsender. Und durch einen allein entsteht noch keine marktbeherrschende Stellung. Ebenso könnte der Springerverlag seinerseits problemlos ein paar Gaswerke kaufen, ohne das Kartellamt um den Schlaf zu bringen.
Ein paar grüne Gutmenschen haben sich vergaloppiert, sollte man meinen. Weit gefehlt: Gerade die Wahl der Gasprom als hypothetisches Beispiel macht die Meldung interessant: Berninger hätte ja auch General Motors nennen können, oder Samsung. Aber Gasprom symbolisiert eben das alte Klischee der Bedrohung aus dem kalten Osten, wo der Deutsche traditionell das Böse vermutet.
So dürfen auch wir etwas vermuten: Springer hat aufgehört um ProSiebenSat.1 zu kämpfen. Wer schon jetzt soviel Meinungsmacht auf die Waage bringt, lässt andere für sich kämpfen.
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Kartellamt untersagt Springer-TV
Stimmungsumschwung
,,Du bist Deutschland“ hat etwas bewirkt, meint der Vorstandsvorsitzende der Bertelmann AG, Gunter Thielen, fünf Monate nach dem Start der Image-Kampagne für unser kleines Gemeinwesen. Einen „Stimmungsumschwung“ sollen die Plakate und Werbespots gebracht haben. Stimmt: So gelacht haben wir lange nicht.
Now for the weather…
Die BBC will gemeinsam mit der Universität von Oxford die Klimaveränderungen für Großbritannien bis zum Jahr 2080 voraussagen. Grundlage ist ein von Wissenschaftlern entwickeltes Klimamodell, das leider die Rechenleistungen heutiger Computer überfordert. Ein Beispiel nahm sich der Fernsehsender an Seti@Home. In diesem Projekt stellen Computernutzer auf der ganzen Welt der Universität Berkley Rechenleistung zur Verfügung, um nach E.T. zu suchen. BBC und Oxford University wollen nun in einem ähnlichen Verfahren herausfinden, ob das Vereinigte Königreich 2080 im Meer versunken oder vom Packeis begraben sein wird.
Nachwuchssorgen in osttdeutschen Amtsstuben
Wenn die Föderalismusreform greift, dann gehen in ostdeutschen Amtsstuben die Lichter aus, befürchtet das Land Brandenburg. Da sich reiche Bundesländer bessere Konditionen für ihre Staatsbediensteten leisten können, wird der junge dynamische Verwaltungsfachmann nach dem Abschluss sein Heil wohl eher im Westen suchen. Die Länder wollten mit der Herauslösung ihrer Beamten aus der Zuständigkeit des Bundes vor allem eines schaffen: Druck auf die Gehälter und Arbeitszeiten. Das betrifft arme wie reiche Länder.
Im Augenblick klingen Brandenburgs Sorgen nach Science Fiction: Länder sollten um qualifiziertes Personal konkurrieren? Der Normalbürger hofft bisher, dass Rekrutierung und Förderung von Personal in den Amtsstuben nach Qualität wenigstens im Verborgenen geschieht.Aber wenn dereinst der Pillenknick durchschlägt, und die Wartezimmer der Personalabteilungen immer leerer werden, …