Verschicken Sie mal eine Datei im RTF-Format. Wenn Sie den Adressaten Tage später zufällig beim Kegel treffen, wird er sagen: „Sag mal, was hast du mir denn da geschickt? Da stimmten ja die Seitenwechsel gar nicht. Und überhaupt: Immer, wenn ich was einfügen wollte, dann hat sich die Schriftart verstellt“. Sie werden den armen Mann vielleicht darauf hinweisen, dass Microsoft sich nach Kräften darum bemüht, dass kein Weg an einer aktuellen Word-Version und dem DOC-Format vorbei führt. Zwecklos. Der Mann ärgert sich vielleicht, wenn er seine alten Dokumente mit dem neuen MS-Office-Paket nicht mehr öffnen kann. Aber nichts, gar nichts ist für ihn schlimmer als aus der Welt von Microsoft ausgeschlossen zu sein.
Theoretiker des freien Marktes stehen angesichts dieser Einstellung vor einer harten Nuss: Die üblichen Zusammenhänge von Qualität, Nachfrage und Preis scheinen hier nicht zu greifen. Der Kunde bleibt beim teuersten – und schlechteren – Produkt. Ganz egal, wieviel Kopfzerbrechen ihm das bereitet.
Die Vernunft greift nun ausgerechnet an einer Stelle ein, wo man sie nicht erwarten sollte – im Öffentlichen Dienst. Dort ist es nicht (mehr) egal, wieviel ein Programmpaket kostet, und die Verwaltungen müssen auch Schriftstücke lesen können, die Jahre zuvor entstanden sind. Es waren diese Überlegungen, die den US-Bundesstaat Massachusetts dazu bewogen hatten, auf das freie Dokumenten-Format ODF zu wechseln. Mittlerweile ist ODF mit dem ISO-Standard geadelt. Damit endet das Diktat des Quasi-Monopolisten Kleinstweich. Und jetzt kommt es noch dicker: Für das Office-Paket liefert Microsoft eine Open-Document-Erweiterung.
Man glaubt die Microsoft-Entwickler bis hierher mit den Zähnen knirschen zu hören (Jedenfalls gefällt mir diese Vorstellung). Diejenigen, die bisher die Standards gesetzt haben, müssen sich nun auf andere einstellen. Weil aber die Unsicherheiten beim Dokumenten-Austausch entfallen, entfällt mit jedes Kaufargument für das Microsoft-Office. MS wird sein am meisten überteuertes Produkt am Ende künftig zu marktfähigen Preisen anbieten müssen.
Autor: Wolff von Rechenberg
Grausam: Einbürgerungstests für Ausländer!

Grausame Einbürgerungstests müssen Ausländer jetzt über sich ergehen lassen. Fest steht: Ein Ausländer, der zu uns gehören will, muss ein besserer Deutscher sein. Er muss sich beispielsweise in der deutschen Geschichte auskennen. Zum Vergleich: Schon vor vielen Jahren schrieben deutsche Hauptschüler, Adolf Hitler habe Krieg gegen die DDR geführt. Unser Musterausländer muss die deutsche Sprache beherrschen – dazuh wil ich mich kar nich eußan – und er darf keine Strafe über 90 Tagessätzen vorweisen. Das Praktische daran: Ab 90 Tagessätzen taucht eine Strafe im polizeilichen Führungszeugnis auf. Wenn die Einbürgerungsbehörde auch geringfügigere Delikte berücksichtigen wollte, müsste sie ein etwas ausführlicheres Zeugnis bestellen. Das kostet jedoch 26 Euro – doppelt soviel wie das einfache Führungszeugnis. Wir dürfen davon ausgehen, dass eine Verschärfung der Einbürgerungsbestimmungen in diesem Sinn erst nach der Mehrwertsteuererhöhung kommt. Dafür sollen die Neuausländer ein feierliches Gelöbnis ablegen.

Fotos:
Oben: Aus einer Rezeptsammlung mit lecker Bratwurscht.
Unten: Wikipedia.
China rüstet auf!
Alle schauen derzeit auf China, aber so recht vertrauen will ihnen keiner. Vielleicht muss sich ja deshalb das Reich der Mitte aus dubiosen Wegen mit Kriegsmaterial versorgen. Ein chinesischer Geschäftsmann hat jetzt einen Kampfjet bei Ebay ersteigert. Angeblich aus tschechischer Fertigung. Aber, wer weiß? Vielleicht entledigt sich ja auch die US Air Force ihrer überzähligen Museumsstücke per Online-Auktion?
1:0 für die Vernunft
Es gibt keinen Markenschutz für den Begriff Fußball WM 2006! Das hat der Bundesgerichtshof in Karlsruhe jetzt entschieden. Das heißt: Es gibt einen Gott, und er hat ein Herz für Nachwuchscomedians. Denn auch Herr Grigat und meine Wenigkeit haben das Wörtchen „Fußball-WM“ in der Werbung für unser Programm „Spiel mir das Lied vom Tor!“ verwendet und waren schon drauf und dran, unsere Trikots bei Ebay feilzubieten, um die Abmahnung bezahlen zu können.
Der Mittelstand ein Robbenbaby?
Interessiert es Sie, warum die EU-Richtlinie für Softwarepatente gescheitert ist? Joachim Wuermeling, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, hat die Antwort: ,,Eine geistige Bewegung“, die ,,dem Freakbereich verbunden“ sei und sich mit dem „Antifaschismus im Internet“ vereint habe, hat „den Mittelstand irregeführt“!
Was ist der Mittelstand? Ein Kampfbegriff konservativer oder liberaler Politiker. Zunächst einmal ist er Mittelmaß. Das ist nichts Ehrenrühriges. Der Mittelstand hat sich eben angestrengt, hat es aber nie zu etwas Nennenswerterem gebracht als – naja – Mittelmaß. Sein Vorteil besteht darin, dass er nicht soviel Moneten hortet, nicht im Schwitzkasten gieriger Aktionäre steckt. Das macht ihn als Sympathieträger interessant. Wer hätte schon Sympathie für Siemens oder Daimler Chrysler?
Geschweige denn Mitleid. Denn wann immer Politiker vom Mittelstand sprechen, meinen sie etwas Ehrliches, Schützenswertes. Der Mittelstand ist das Robbenbaby der konservativen Politik, das den Betrachter mit den melancholischen Kuhaugen eines wackeren Bäckermeisters anschaut.
Der Mittelstand muss ständig geschützt werden. Von allein ist er nicht lebensfähig, das haben konservative Politiker ihrer eigenen Klientel so lange vorgebetet, bis diese es geglaubt hat. Jetzt fühlt sich der Mittelstand schon selbst wie der deutsche Auerhahn – irgendwie ausgestorben. Und die Politiker können als Beschützer des Mittelstandes die Früchte ihrer Arbeit einfahren. Dabei stehen unsere Volksvertreter eher auf den Lohnlisten der Großindustrie – der Erbfeind des Mittelstandes.
Auf jeden Fall kann man dem Mittelstand nicht böse sein. Nicht einmal, wenn er seine aufrechtesten Beschützer verrät und sich in die Arme von „geistigen Bewegungen aus dem Freakbereich“ wirft. Dieses von Dr. Wuermeling entworfene Szenario ist neu. Ein Schulterschluss zwischen Mittelstand und autonomen Bombenlegern und Öko-Freaks? Das hat es noch nicht gegeben. Ich mag mir das auch nicht recht vorstellen. Schuld daran sind die Freaks und Antifaschisten (kritischer Umgang mit Faschismus scheint Herrn Dr. Wuermeling nicht zu liegen). Sie haben den Mittelstand „irregeführt“. Und der Mittelstand? Der fällt auf langhaarige Freaks herein, die ihm sagen: „Ey, du, Sotwarepatente sind jetzt irgendwie ganz scheiße!“ Glauben Sie das?
Damit kommen wir zu dem, was konservative Politiker vom Mittelstand halten: Sie halten ihn für blöd. Naja vielleicht nicht ganz blöd. Sagen wir: Sie halten ihn nicht für klüger als sich selbst.
