Autor: Wolff von Rechenberg

Wenn schon Gewalt, dann auf Deutsch!

Einen „nationalen Aktionsplan“ gegen Schulgewalt fordern Politiker aus allen Lagern. Die Rütli-Schule macht es möglich. Der letzte Deutsche, der mit einem nationalen Aktionsplan Boden gut gemacht hat, war ein Österreicher namens Hitler (bis 1942), und wir wissen, wo das geendet hat. Darum stellt sich bei nationalen Aktionsplänen zuerst die Frage: Wer bleibt dabei auf der Strecke?

Erst hat Stoiber vorgelegt, jetzt heizt FDP-Fraktionsführer Wolfgang Gerhardt nach: Schule nur für Ausländerkinder mit ausreichenden Deutschkenntnissen. Und ich dachte, wir hätten Schulpflicht und kein Schulrecht!? Des is fei scho recht: Dass die Kinder wenigstens „Du Arsch!“ in Deutsch brüllen können, wenn sie aufeinander losgehen – das macht den Unterschied!

Natürlich hat die Gewalt an deutschen (Haupt-)Schulen auch gar nichts mit der Perspektivlosigkeit für heutige Jugendliche zu tun. Sie hat gar nichts damit zu tun, dass eine in Raffgier verrohte Medienlandschaft nahezu unkontrollierte – und unkontrollierbare – Lufthoheit in den Kinderzimmern ausübt.

Wie wäre es mit einer Kampagne für die Hauptschule? Wie wäre es mit: „Du bist die Penne!“? Sagen wir den Kids doch einfach, dass sie geliebt und gebraucht sind, und nicht das, was sie jeden Tag spüren – dass sie wie Abfall unserer Shareholder-Gesellschaft verwaltet werden. Sagen wir ihnen doch, dass es ein Vorrecht ist, eine deutsche Hauptschule zu besuchen. Eine Pflicht kann es ja nicht sein, wie Wolfgang Gerhardt und Edmund Stoiber uns erklären.

Operation Steinzeit II

Denken wir ein begrenztes Internet weiter: Wenn sich TUI und die Telekom einigen, dann wird man bald einen PC kaufen können, der nur für eine einzige Sache gut ist: den Urlaub zu buchen. Um die Formel-1-Ergebnisse zu erfahren, muss ich mindestens einen anderen Netzzugang haben. Zum Beispiel etwas wie AOL und RTL.

Operation Steinzeit

Mal gerade eben etwas in der Wikipedia nachschlagen oder mal rumsuchen, wo es das billigste Flugticket gibt? Das könnte bald Vergangenheit sein. Die großen Netzbetreiber (Carrier) wollen jedem Kohle abknöpfen, der über ihre Server erreichbar sein möchte. Die kleine Homepage über die Familie? Könnte bald ein teurer Spaß werden. Der Wahn der Konzerne, alles für sich haben zu wollen – Internet, Software, Musik und Erbgut – macht der Innovations- und Informationsgesellschaft den Gar aus. Schöne neue alte Welt: Gedealt wird übers Netz, Information gibt es in der Bibliothek.

Quo Vadis, Käseblatt?

Die Zahl der Tageszeitungsabos stabilisiert sich auf niedrigem („unbefriedigendem“) Niveau. Das hat der Verband der Hessischen Zeitungsverleger heute bei einem Treffen in Kassel bekannt gegeben. Außerdem schreitet der Anzeigenverlust weiter fort. Für die Zukunft planen die Zeitungsverleger mehr Angebote im Internet und die Ausweitung ihrer Briefdienste. Ach ja, liebe Kollegen bei den Tageszeitungen: Die Personalkosten sind natürlich weiterhin viel zu hoch.

So endet der unerschrockene Wächter der Demokratie, der Zeitungsjournalist, wie wir ihn aus amerikanischen Spielfilmen kennen: Es bleibt ihm die Wahl, Pixelschubser oder Briefträger zu werden.

Linux im Real

„The World’s Easiest Desktop Linux“! So steht es groß und breit an den Kartons. Der Discounter Real verhämmert in den neuen Bundesländern Computer mit vorinstalliertem Linux. Auch im Markt im Beetzsee-Center in Brandenburg an der Havel. Zum Einsatz kommt die Distribution Linspire, die für sich mit dem eingangs zitierten Slogan wirbt, und den Umstieg von Windows auf Linux möglichst einfach zu machen will.

Schon jetzt gebührt Real großes Lob dafür, dass sie nicht ganz groß den Preis und nur verschämt den Hinweis auf Linux anbringen. In Brandenburg sieht man schon in Höhe der Staubsauger das Linspire-Logo. Wir dürfen gespannt sein, ob das ungewohnte Betriebssystem viele Freunde findet.

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