Kategorie: Tux Area

Linux und Open Source.

Linux im Real

„The World’s Easiest Desktop Linux“! So steht es groß und breit an den Kartons. Der Discounter Real verhämmert in den neuen Bundesländern Computer mit vorinstalliertem Linux. Auch im Markt im Beetzsee-Center in Brandenburg an der Havel. Zum Einsatz kommt die Distribution Linspire, die für sich mit dem eingangs zitierten Slogan wirbt, und den Umstieg von Windows auf Linux möglichst einfach zu machen will.

Schon jetzt gebührt Real großes Lob dafür, dass sie nicht ganz groß den Preis und nur verschämt den Hinweis auf Linux anbringen. In Brandenburg sieht man schon in Höhe der Staubsauger das Linspire-Logo. Wir dürfen gespannt sein, ob das ungewohnte Betriebssystem viele Freunde findet.

Nur ein eigenes Patent ist ein gutes Patent

Muss Ford eigentlich Lizenzgebühren für die Verwendung des Rades abführen? Kann ja noch kommen. In den USA muss sich der oberste Gerichtshof jetzt mit einem Patent auf den „Sofort-Kaufen“-Button herumschlagen. Das völlig unbedeutende Unternehmen MercExchange will das Auktionshaus Ebay für die Verwendung dieser Funktion zur Kasse bitten. Da können die obersten Bundesrichter schonmal üben für eine Flut ähnlicher Prozesse.

Die eigentliche Sensation versteckt sich in einem Nebensatz: Microsoft ficht da an der Seite von Ebay gegen eine einstweilige Verfügung. Begründung: Einstweilige Verfügungen behindern das Geschäft. Doch dieselben Instrumente hat Microsoft gerade wieder der Linux-Community gezeigt. Microsofts Losung lautet: Nur ein eigenes Patent ist ein gutes Patent. Man könnte jeden anderen Software-Konzern hier einsetzen.

Zurück zum Rad: Hätte man im Altertum schon das „geistige Eigentum“ gekannt, dann wäre schon das Speichenrad nie erfunden worden. Die Lizenzzahlungen an den Erfinder des Rades hätten unseren wackeren Tüftler einfach aufgefressen. Ein Automobil müsste derart viele Lizenzzahlungen an ein unüberschaubares Heer von Patentbesitzern refinanzieren, dass es für keinen außer Bill Gates erschwinglich wäre. Aber so sind die Patente: Einmal was erfunden, dann ab in die Hängematte und die Hand aufhalten. So werden Patent- zu Sozialämtern für Technologieschmarotzer.

Dieses Jahr keine frischen Fenster mehr

Microsoft hat das Erscheinen des neuen Windows – Codename: Vista – auf das nächste Jahr verschoben. Nur Firmenkunden sollen schon im November in den fragwürdigen Genuss der neuen Fenster kommen. Umstritten ist nach wie vor die Zertifizierung für Programme, die auf dem neuen Windows laufen. damit kann Microsoft bestimmen, was auf Vista geht und was nicht.

Das soll dem Schutz vor Schädlingen dienen. Eine Zwangsjacke für Windows nennt es der Bayerische Rundfunk, eine Zwangsjacke für den gläsernen Benutzer an seinem ferngesteuerten Rechner nenne ich es. Galt XP unter Datenschützern nur als bedingt tauglich für vertraulich die Verarbeitung vertraulicher Daten, so dürfte Vista unannehmbar sein.

Daran wird sich jedoch nicht das Schicksal von Windows entscheiden. Der Durchschnittsbürger fühlt sich durch Überwachung längst nicht mehr bedroht. Er streut seine Konsumentendaten längst per PayBack-Karte wahllos um sich. Dem Durchschnittsanwender wird eher die neue Produktphilosophie Sorgen bereiten. Natürlich musste man auch die bisherigen Windowsversionen kaufen und registrieren, doch das noch aktuelle Windows XP läuft zur Not auch ohne Zwangsregistrierung – und damit ohne Sicherheitsupdates. Windows gab es quasi gratis. So verbreitete es sich in den 90-er Jahren. Vista wird eine Zwangsregistrierung verlangen.

Ganz sicher wird Windows Vista zu einem sichereren Internet führen, denn wo Sicherheitsupdates durchgeführt werden, da sinken die Chancen für Schadprogramme. Die Linux-Gemeinde darf sich auf Vista freuen. Mit der Zwangsregistrierung endet eine Ära des unlauteren Wettbewerbs, in der Windows offiziell Geld gekostet hat und in der Praxis gratis zu haben war.

American Open

Das Fedora-Project gibt heute die Veröffentlichung der Linux-Distribution Fedora Core 5 bekannt. Fedora war mein erstes Linux und ist eine Art alter Liebe geblieben. Wie immer liegt Fedora weit vorn, wenn es um die aktuellste Software geht. So hat Fedora schon jetzt die Desktopumgebung Gnome 2.14 an Bord und den Linux-Kernel 2.6.16. Beides gerade frisch vom Reißbrett gepurzelt.

Bruchlandung mit dem Erpel

Erster Versuch, von Ubuntu 5.10 (Breezy Badger) auf 6.04 (Dapper Drake) zu updaten ist gründlich gescheitert. Das System war zwei Tage lang zerschossen. Wartungssysteme haben nicht gegriffen. Kein Login, kein Xserver, kein garnichts. Wer derzeit den Schritt zu Dapper wagen will, sollte unbedingt die Kommandozeilen-Befehle verwenden („apt-get update“, „apt-get dist-upgrade“). Der grafische Update-Manager ist derzeit noch in den Kinderschuhen. Gleiches gilt für den grafischen Installer Espresso. In allen Ubuntu-Foren findet sich die Warnung, derzeit kein produktives System zu upgraden, da sich Dapper noch im Teststadium befindet. Diese Warnung bitte sehr ernst nehmen, ober mein Schicksal teilen.

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