Kategorie: Ansichtssache

Die Welt aus meiner Sicht

Claudia Roth: Auch der Krieg kennt Regeln

Mit hohem Besuch endet heute die bundesweit beachtete Ausstellung Baghdad Stories im kasseler Kunsttempel. Claudia Roth (l.), die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, lässt sich hier von Kuratorin Hanne Spuck durch die Ausstellung führen. In einem Interview für die HNA mahnte sie die US-Besatzer im Irak, sich künftig penibel an internationales Recht zuhalten, um Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen.

Forsaumfrage: Amis doch gebildet

Die FAZ veröffentlicht heute eine bahnbrechende Entdeckung: 35 Prozent der Amerikaner meinen, dass das Verhältnis zu Deutschland wegen des Irak-Krieges schlechter geworden ist. Eine Forsa-Umfrage für die Deutsche Welle hat das ergeben. Das bedeutet, dass 35 Prozent der Amerikaner wissen, dass es uns gibt. Sensationell! Weit weniger erstaunt es, dass 58 Prozent jener Amerikaner diese Einschätzung teilen, die die Deutsche Welle hören. Das heißt, dass 42 Prozent , also fast die Hälfte meint, dass sich das Verhältnis zu Amerika nicht verschlechtert hat. Weil die Abkühlung zwischen beiden kapitalistischen Bruderstaaten aber Fakt ist, bedeutet dies, dass fast die Hälfte der amerikanischen Hörer der Deutschen Welle falsch informiert sind. Kollegen, ihr müsst besser werden!
Spaß beiseite: Liebe FAZ, wer unschuldiges Papier mit solchem Umfragemüll verunreinigt, sollte bedenken, dass es mehr als eine Art der Auslegung gibt.
1. Fakt ist auch, eine ähnliche Umfrage in unserem Land hätte noch viel vernichtendere Werte erbracht.
2. Wenn es die Amerikaner interessieren würde, was irgendjemand auf der Welt von ihnen hält, würden sie die Emissionsschutzprotokolle unterzeichnen und keine Angriffskriege mehr führen.
3. Wenn ihr Schröder immer noch vorwerfen wollt, dass er nicht mit Bush in den Krieg gezogen ist, dann könnt ihr ja selbst die Knarre schultern.

Phänomene des Alltags: Der kleine Mann

Der kleine Mann ist immer der Dumme. Aber wer ist eigentlich dieser kleine Mann. Der kleine Mann ist ein Bestandteil der öffentlichen Diskussion. Er macht nur in dieser Funktion Sinn, sehen wir einmal von männlichen Personen unter 1,70 m ab. Entweder argumentiert ein Politiker mit ihm, dann ist er einfältig, spießig, intolerant, fremdenfeindlich und immer schlecht gelaunt. Das heißt: Der kleine Mann ist das, was Politiker fürchten, ein Schreckgespenst, das dem politischen Gegner Angst einjagen soll.Oder der kleine Mann bezeichnet sich selbst so. Dann tut er das, um sich selbst von den großen Tieren abzugrenzen, von jenen, die Macht haben, ihn nie verstehen und nur das Schlimmste im Sinn haben: ihm in den Geldbeutel zu greifen. Und das bringt uns zum Kristallisationspunkt der Frage. Der kleine Mann hat nämlich heute einen Geldbeutel, in den man greifen kann. Das unterscheidet ihn von seinen Vorgängern in den Zeiten Döblins,denen der Fabrikarbeiterlohn kaum reichte, um die ihren durchzubringen. Heute hat der kleine Mann teilweise mehr Geld als so mancher Abgeordnete, der als Adressat seiner Begehrlichkeiten allerdings per definitionem nicht wie er sein kann. Der kleine Mann wirkt heute nur noch klein, weil sein 60.000-Euro-SUV so riesengroß ist. Der wahre kleine Mann ist verschwunden. Er ist schlecht ausgebildet, arbeitslos und geht nicht wählen. Deshalb taucht er in der politischen Diskussion auch nicht als kleiner Mann auf, sondern als Sozialschmarotzer. Im übrigen ist der kleine Mann in Wirklichkeit eine Frau. Eine Frau mit dem größten Armutsrisiko, das unsere Gesellschaft kennt: mit einem Kind!

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