Zum Tag der deutschen Sprache legte Horst Seidenfaden, Chefredakteur der norhessischen Tageszeitung HNA, die Latte hoch. Eine Ausgabe ohne Anglizismen versprach der Zeitungsmacher den HNA-Lesern in der Wochenendausgabe. Nicht ohne anzumerken, dass man erstaunt sein werde, wie sehr englischsprachige Ausdrücke in die deutsche Sprache eingewachsen sind. Darauf braucht der Leser nicht lange zu warten. Gleich auf der nächsten Seite lesen wir das Wort Online-Durchsuchung. Wie wäre es mit „Auflinie-Durchsuchung“? Natürlich ist das Blödsinn. Aber ebenso ungerecht ist die Angewohnheit vieler Zeitungsleser, ihre Zeitung einzig nach Einhaltung einer reindeutschen Sprachkultur zu überprüfen. Die Kollegen selbst achten darauf, möglichst wenige Leser von der Lektüre auszuschließen. Ich selbst erinnere mich an eine Begebenheit aus meiner Zeit als Jazzkritiker. Am Rande eines Jazzkonzerts fragte mich ein Besucher: „Wann bekomme ich denn endlich einmal eine Zeitung in Deutsch?“ Ich antwortete: „Ich kann Begriffe wie Belcanto oder Presto auch nicht mehr lesen. Warum schreibt man nicht Schöngesang oder Schnell?“
Kategorie: Ansichtssache
Die Welt aus meiner Sicht
Geht Amerika intelligent zu Boden?
Ein Weltreiche, die ihren Zenit überschritten haben, sind die Forschungsobjekte des englischen Historikers Paul Kennedy. Mit seinem Buch vomAufstieg und Fall der großen Mächte hat er einen Sachbuchklassiker geschaffen, der mittlerweile in 5. Auflage vorliegt. In einem Artikel für die Blätter für deutsche und internationale Politik sagt er nun mit zwingender Logik den Vereinigten Staaten ihren Niedergang voraus. Der Aufstieg der asiatischen Großmächte China und Indien lasse gar keinen anderen Schluss zu. Er stellt jedoch die Frage, ob die Amerikaner in der Lage sein werden, den Abschied von ihrem Weltreich so intelligent zu managen wie es einst die Briten getan haben, oder – noch früher – die Habsburger. Schon jetzt weist Kennedy auf Alarmsignale hin: So klaffen Staatseinnahmen und Staatsausgaben so weit auseinander, „wie es seit den Zeiten Philipps des Zweiten von Spanien oder der letzten Bourbonenkönige Frankreichs nicht mehr zu beobachten war“. Dieses riesige Haushaltsloch stopfen die Amerikaner mit massenweiser Ausschüttung von Staatsanleihen, schreibt Kennedy und sieht die amerikanische Politik unter dem Einfluss asiatischer Magnaten.
Manchmal tut es gut, weltwirtschaftliche Themen im historischen Zusammenhang erörtert zu lesen. Den ganzen Artikel gibt es hier.
Buch-Tipp: Window Seat
Wer viel reist um Workshops für Adobe Photoshop zu geben, ist besonders in den USA oft auf das Flugzeug angewiesen. Warum sich also nicht die Zeit vertreiben? Mit Fotografieren zum Beispiel? Julieanne Kost hat es getan. Sie hat die Welt unter sich geknipst und mit „Window Seat“ einen der ungewöhnlichsten Bildbände. Bizarre Formen nimmt die Welt an im Auge dessen, der sie aus der Entfernung sieht. Julieanne Kost hat Wolken fotografiert, wie man sie vom Boden aus nicht sieht. Vom Flugzeug übrigens auch nicht. Am Ende des Buches verrät sie, wie sie den Grauschleier der Flugzeugfenster beseitigt hat, wie sie den Ausschnitt wählt und dem Bild jene Farben abringt, die beim Durchblättern des Buches so sehr fesseln. Alles natürlich in Photoshop. Julieanne Kosts Window Seat bietet viel Wissenswertes über Digitalfotografie und über die Bildbearbeitung. Anders verhält es sich mit ihren Tipps zum „Kreativen Denken“. Das ist für Europäer zu amerikanisch, da feiern wohlfeile Ratschläge aus der Brigitte für Hausfrauen nach der Familienphase fröhliche Urständ. Den insgesamt positiven Eindruck des Buches kann das nicht schmälern.
Zuwachs für die Bildergalerien

Manche Leute fotografieren gern Vögel, ich habe eine Schwäche für Insekten und Spinnen. In meiner neuen Galerie mikrokosmos können Arachnophobe das Gruseln lernen. Außerdem haben meine Stadtansichten aus Brandenburg/Havel Zuwachs erhalten.
Heute vor 15 Jahren: Pogrom in Rostock-Lichtenhagen
Im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen kam es im August 1992 zu den massivsten ausländerfeindlichen Ausschreitungen der deutschen Nachkriegsgeschichte, nachdem dort Asylbewerber tagelang ohne Zugang zu sanitären Einrichtungen und Nahrungsmitteln vor der Zentralen Aufnahmestelle für Asylbewerber (ZAst) zu kampieren gezwungen waren. Die rechtsextremen Angriffe zwischen dem 22. August und 26. August 1992 führten zu 370 vorläufigen Festnahmen, 408 eingeleiteten Ermittlungsverfahren sowie 204 verletzten Polizeibeamten. Unter den Festgenommenen befanden sich 110 Personen aus den alten Bundesländern, 217 aus Mecklenburg-Vorpommern (davon 147 aus Rostock) und weitere 37 aus anderen neuen Ländern.
Quelle: Wikipedia