Sein Amt hat Akten verschludert und den in Bremen wohnhaften Türken Murat Kurnaz aufgrund von Hörensagen in der Gewalt amerikanischer Schergen belassen: Walter Wilhelm, Chef des Bremer Verfassungsschutzes, hat im Fall Kurnaz ein Beispiel für Schlendrian bei deutschen Geheimdiensten, aber auch von gezielter Desinformation parlamentarischer Stellen geliefert. Jetzt ist zudem herausgekommen, dass Bremens Innensenator Thomas Röwekamp noch kurz vor Kurnaz‘ Freilassung aus Guantánamo bei Bundeskanzlerin Angela Merkel insitiert hatte, der Türke sei ein Sicherheitsrisiko. Im Deutschlandfunk war heute zu hören, Röwekamp und Wilhelm hätten ihr Handeln damit erklärt, dass Kurnaz ins Raster islamistischer Gewalttäter gepasst hat. Wenn das Raster so gut auf Kurnaz gepasst hat, was taugt es dann? Warum will Innenminister Wolfgang Schäuble die Möglichkeiten der Rasterfahndung durch Maßnahmen wie PC-Spionage erweitern, wenn die bisherigen Raster schon nichts taugen? Betreiben wir jetzt Sicherheitspolitik nach dem Motto: „Wo gehobelt wird, da fallen Späne“? Wenn die bisherigen Möglichkeiten der Dienste schon ausgereicht haben, einen Unschuldigen vier Jahre in Guantánamo zu lassen, was können die Schlapphüte mit uns machen, wenn sie noch mehr dürfen? Noch einmal die Frage: Wer schützt uns vor Innenpolitikern, die Amok laufen?
Kategorie: Ansichtssache
Die Welt aus meiner Sicht
Koalition der Tatenlosen
Im Kampf um die Kinderbetreuung erklimmt die CDU neue intellektuelle Höhen: Zunächst müsse man feststellen, ob es überhaupt Bedarf an neuen Betreuungsplätzen für Kleinkinder gebe, sagt der Bundestagsfraktionschef der Union, Volker Kauder. Klartext: Zählen wir mal Kleinkinder und Kinderkrippen. Wenn wir einmal durch sind, dann sind die Kinder schon im Vorschulalter, dann können wir wieder von vorn anfangen. Und irgendwann wird das Problem einer biologischen Lösung zugeführt sein. Die könnte darin bestehen, dass
– (a) die Altkonservativen aus der Adenauerzeit gestorben sind.
– (b) der Geburtenrückgang soweit fortschreitet, dass die Krippenplätze plötzlich ausreichen.
Nichts ist symptomatischer für die Große Koalition der Nichtstuer. Unsere Kanzlerin und die Ihren beten täglich: Lieber Gott, lass es die EU entscheiden: Rauchverbote, Klimaschutz, Mindestlöhne.
Wolfgang Thierse in Kassel

„Ich habe den Eindruck, dass das ständige Reden über Werte keinerlei Mehrwert hat“: Zu einer Diskussion über Werte in der Gesellschaft war Wolfgang Thierse nach Kassel gekommen. Während eines Interviews mit dem Kollegen von der HNA entstanden die Porträtstudien in meiner neuen Fotogalerie.
Folter nach Hörensagen
Vielleicht sollten sie es lassen, die Schlapphüte der Bundes- und Landesämter, die zum Schutz unserer Verfassung gern mal jemand in Guantánamo verschimmeln zu lassen. Vielleicht sollten sie nicht mehr versuchen, irgendetwas ztu rechtfertigen. Jedes Argument, das da von der Zeugenbank an die Öffentlichkeit dringt, macht die Dinge im Fall Kurnaz nur noch schlimmer. Wenn wir das Amtsdeutsch von den Äußerungen heute vor dem Geheimdienstuntersuchungsausschuss abklopfen, dann ergibt sich folgendes Zitat: „Wir haben Murat Kurnaz für gefährlich gehalten, weil das Bremer Landesamt für Verfassungsschutz in der Nachbarschaft aufgeschnappt hat, dass der Kurnaz ein Islamist ist.“ Dass ein mutmaßlicher islamistischer Terrorist, wie jeder mutmaßliche Terrorist, wie überhaupt jeder mutmaßliche Gesetzesbrecher, einen Anspruch auf ein faires Verfahren hat, diese Ansicht scheinen 2002 weder die Büroklammerbonds in den Amtsstuben, noch der damalige Kanzleramtsminister Frank-Walter Steinmeier geteilt zu haben. Schämen Sie sich, wenn Sie diese Geheimdienstmafia damals gewählt haben, ich tu’s auch.
Amerikaner wünschen sich Bush erfunden
Die Mehrheit der Ameriakner wünscht sich, der US-Präsidenten George W. Bush sei nur eine erfundene Figur. Das berichtet der heutige Borowitzreport. Auf die Frage, „Wenn Sie sich aussuchen könnten, ob George Bush eine erfundene Figur oder eine wirkliche Person ist“, entschieden sich 51 Prozent der Befragten für den fiktionalen Charakter und 42 Prozent für die reale Person. Die übrigen sieben Prozent hielten Bush für erfunden. In einer Beliebtheitsskala erfundener Figuren musste sich der US-Präsident überdies nicht nur dem Superhelden Aquaman geschlagen geben, sondern auch der kleinen Meerjungfrau, dem Osterhasen und Sponge Bob (Schwammkopf).