Kategorie: Ansichtssache

Die Welt aus meiner Sicht

Urlaub

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

mein kleines Internettagebuch verabschiedet sich mit seinem Autor in die Ferien. Mein Schweigen werde ich nur brechen können, wenn mir unterwegs ein Internetcafé begegnet.

Am folgenden Wochenende werde ich mich wieder melden. Voraussichtlich am Sonntag, 28. Mai, begrüße ich Sie und euch alle mit einer Fotogalerie aus dem schönen Dresden und – hoffentlich – einigen lustigen Geschichten.

Cheerio

Wolff von Rechenberg

Eurovision Song Contest

Gerade rechtzeitig zum rumänischen Beitrag reingezappt: Bauerntechno vom Balkan. Stimme des Sängers geht in Ordnung, der Song nicht. Zum Ende der Nummer  noch schnell ein Tonartwechsel. Da hat sogar der Komponist vor der selbst verzapften Langeweile kapituliert. Der Moderator zählt das Lied gleichwohl zu den Favoriten. Mir wird schlecht.

Es folgt Bosnien: Schönes Lied zu akustischen Instrumenten. In Landessprache, daher chancenlos. Litauen beweist mit einer zu spät geborenen Van Halen-Nummer, dass Rumänien im Wettbewerbskriterium Langeweile noch zu schlagen ist. Einer der Sänger sieht aus wie mein Geldberater bei der Sparkasse. Mir ist immer noch schlecht.

Die Akte JJ2

Im deutsch-österreichischen Grenzgebiet wurde ein Braunbär gesichtet. Forscher rechnen damit, dass er in die Bundesrepublik einwandern wird. Der letzte deutsche Braunbär soll 1835 bei Ruhpolding erlegt worden sein.

Foto: Wikimedia Commons

Während der Biologe schon frohlockt, wiegt der Beamte bedächtig das sorgenumwölkte Haupt. Der Bär würde ja aus Österreich einwandern, also über einen sicheren Drittstaat. Damit verlöre er jeden Anspruch auf Asyl. Anders sähe die Sache aus, wenn der Bär ein waschechter Österreicher wäre. Dann stünde ihm als EU-Einwohner natürlich freie Wahl von Wohnort und Arbeitsplatz zu. Damit wäre der Bär einer von uns. Bis auf wenige Ausnahmen: Er verfügt beispielsweise weder über aktives noch passives Wahlrecht bei der Bundestagswahl.

Mit Hochdruck arbeiten Experten an der Identifizierung des fraglichen Tiers. Die Netzzeitung berichtet wörtlich: „Derzeit wird eine DNA-Probe analysiert, die Aufschluss über die genaue Herkunft des Tieres geben soll. Man vermutet, dass es sich um JJ2 handelt. Dieser Bär war bereits im letzten Jahr in der Schweiz und in Tirol beobachtet worden.“ So heißt er also? JJ2? Könnte man doch nur alle wanderwilligen Südländer so genau verfolgen…

Nach dem Gentest wird man sehen müssen, ob die Akte JJ2 sich zu einem Fall für die Ausländerbehörden entwickelt, oder zu einem für das Einwohnermeldeamt. Noch ein Ziel hat die Überprüfung des genetischen Fingerabdrucks von JJ2: Man weiß, wohin man den Bären abschieben muss, wenn ein möglicher Asylantrag abgelehnt würde, woran überhaupt kein Zweifel bestehen kann. Papiere hat JJ2 natürlich keine dabei, aber das ist man ja von Zuwanderern gewohnt: Einfach den Perso aufessen, um dem deutschen Staat die Abschiebung schwer zu machen.

Wenn er Bleiberecht erhielte, wenn er also EU-Ausländer wäre oder irgend etwas kann, was wir gerade brauchen (Programmieren? Spargel stechen?), dann könnte er natürlich auch die deutsche Staatsbürgerschaft beantragen. In diesem Fall müsste er alle deutschen Mittelgebirge und alle Zuflüsse der Donau mit Namen kennen, er müsste detaillierte Kenntnisse der deutschen Geschichte besitzen und die deutsche Sprache gut genug beherrschen. Dann wollen wir ihn gern bei uns aufnehmen. Bei Österreichern haben wir uns damit ja nie schwer getan. Dem prominentesten zugewanderten Österreicher haben wir seinerzeit sogar die Staatsbürgerschaft hinterhergetragen, weil er sonst nicht unser Führer hätte sein können. Der war übrigens auch braun.

Aufregung im Disneyland

Ein ehemaliger Regierungssprecher wie Uwe Karsten Heye sollte wissen, was los ist, wenn er farbigen WM-Besuchern davon abrät, nach Brandenburg zu reisen – unabhängig davon, ob er Recht hat oder nicht. Die Wellen schlagen hoch: Die Brandenburger sehen ihr sicherlich ehrenhaftes Engagement gegen rechte Gewalt untergraben. Einige andere bestätigen, was auch Ausländer in Deutschland wissen: Es gibt Gegenden, die man meidet. Das weiß man auch im Ausland, denn Reisewarnungen kursieren beispielsweise auch in Afrika.

Was mich zum Kotzen bringt, sind die Schäubles dieser Welt, die um ihr Disneyland fürchten, das sie für die WM-Besucher aufbauen wollen: Die Welt zu Gast bei Freunden. Dabei haben 30 Jahre Ausländer-Raus-Wahlkämpfe der Union keineswegs dazu beigetragen, in Deutschland eine weltoffene Gesellschaft zu fördern.

Beispiel Einbürgerungsdebatte: Der Einbürgerungswillige soll Sprach- Geschichts- und was weiß ich für Kenntnisse vorweisen. Dabei ist die Debatte so überflüssig wie ein Kropf. Generationen von Innenministern haben in den vergangenen Jahren immer wieder erstaunt festgestellt, dass die Nachfrage nach der deutschen Staatsbürgerschaft gegen Null tendiert. Selbst bei Migranten der dritten Generation, deren Eltern bereits hier zur Welt gekommen sind.

Wen wundert das? Angesichts politischer Diskussionen, in denen die Unionsparteien a priori einen Lehrsatz immer vor sich hertragen: Der Deutsche will keine Ausländer!

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