Über „Du bist Deutschland“ lacht die Nation und im Kasseler Kommunalwahlkampf erheitert uns die CDU mit einer Variante des Slogans: Du bist Kassel, lesen wir. Dann fällt unser Blick auf ein Gruselkabinett der Biedermeier. Dass ich Kassel bin, weiß ich, aber wer seid ihr? Wir erkennen die Kasseler CDU-Vorsitzende Eva Kühne-Hörmann (Mitte). Gepresst in das orangefarbene Korsett, das die Union im Merkel-Wahlkampf übergestreift hat. Aber Orange steht nicht jedem. Bei den ohnehin etwas pausbäckig fotografierten Heile-Welt-Schönheiten der Kasseler Union betont die Farbe auf ungute Weise die Rottöne der Haut. Und was ist denn schon Orange? Weder richtig gelb noch richtig rot. Topflappen sind orange, Handtücher sind orange und Waschlappen auch.
Mit ihren Konkurrenten um das Kasseler Rathaus teilt die CDU die konsequente Verweigerung von Inhalten. Wir dürfen gespannt sein, wieviele Kasseler die Spießbürgerkampagne der CDU beim Panachieren und Kumulieren goutieren werden.
In der nächsten Notiz vom Kasseler Kommunalwahlkampf werde ich mich mit den Grünen beschäftigen.
Kategorie: Ansichtssache
Die Welt aus meiner Sicht
Massenphänomene
400 Millionen Chinesen haben ein Handy! Zum Vergleich: Die gesamte EU verzeichnet 450 Millionen Einwohner. So lange die Chinesen SMS verschicken und telefonieren, können wir aufatmen. Aber wehe, wenn ein Großteil plötzlich auf die Idee kommt, Helgoland zu besuchen oder die Karl-May-Festspiele in Bad Segeberg.
Fass!
Was wären wir ohne den Hund. Er sucht nach Verschütteten bei Naturkatastrophen und kann geschmuggeltes Dope noch in der Kaffeebüchse riechen. Er bewacht Haus und Hof, treibt Schafe für den Hirten und Gauner für die Polizei. Und: Er führt blinde Menschen. Vielleicht brachte das den belgischen Innenminister auf die Idee, dass auch betrachtenswert ist, was am anderen Ende des Führgeschirrs läuft: Blinde sollen in Belgien künftig das Abhören von Telefonen übernehmen. Sehbehinderte hören einfach genauer hin. Wer die ersten Sätze der Meldung überstanden hat, der erfährt, dass die niederländische Polizei schon Erfahrungen mit einem Einsatz von Blinden gesammelt hat.
Springer und die Gaswerke
„Was würde passieren, wenn Gasprom bei deutschen Medien einsteigt?“ fragten die Grünen-Abgeordneten Matthias Berninger und Grietje Bettin am Montag im Bundestag. Sie spielten darauf an, dass die bösen Wettbewerbshüter dem guten (weil deutschen) Springerverlag die Übernahme von ProSiebenSat.1 immer noch nicht gestatten wollen. Das Wort von der „Inländer-Diskriminierung“ macht die Runde.
Nur: ProSiebenSat.1 ist keine Gas-Pipeline, sondern ein Fernsehsender. Und durch einen allein entsteht noch keine marktbeherrschende Stellung. Ebenso könnte der Springerverlag seinerseits problemlos ein paar Gaswerke kaufen, ohne das Kartellamt um den Schlaf zu bringen.
Ein paar grüne Gutmenschen haben sich vergaloppiert, sollte man meinen. Weit gefehlt: Gerade die Wahl der Gasprom als hypothetisches Beispiel macht die Meldung interessant: Berninger hätte ja auch General Motors nennen können, oder Samsung. Aber Gasprom symbolisiert eben das alte Klischee der Bedrohung aus dem kalten Osten, wo der Deutsche traditionell das Böse vermutet.
So dürfen auch wir etwas vermuten: Springer hat aufgehört um ProSiebenSat.1 zu kämpfen. Wer schon jetzt soviel Meinungsmacht auf die Waage bringt, lässt andere für sich kämpfen.
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Kartellamt untersagt Springer-TV
Stimmungsumschwung
,,Du bist Deutschland“ hat etwas bewirkt, meint der Vorstandsvorsitzende der Bertelmann AG, Gunter Thielen, fünf Monate nach dem Start der Image-Kampagne für unser kleines Gemeinwesen. Einen „Stimmungsumschwung“ sollen die Plakate und Werbespots gebracht haben. Stimmt: So gelacht haben wir lange nicht.