Zuletzt aktualisiert am 17. Oktober 2026 von Wolff von Rechenberg

Erkennst du eigentlich einen KI-Text, wenn du einen liest? Nein? Woher auch. Eine andere Frage: Hast du schon einmal die eingeschränkte Klangqualität von MP3 und anderen komprimierten Dateiformaten für Musik beklagt? Auch nicht? Warum auch. Was beide Themen miteinander zu tun haben:

Checklisten für KI-Texte

In Business-Netzwerken wie “LinkedIn” posten derzeit viele erfahrene Texter:innen und Journalist:innen Checklisten anhand derer man KI-generierte Texte erkennen soll. Beliebte Beispiele: 

  • Viele Gedankenstriche (Halbgeviertstriche)
  • Regelmäßige Dreiklänge (“… das ist A, B und C.”)
  • Doppelungen (“… das ist nicht nur clever, sondern auch smart!”)
  • Widerspruchsfloskeln (“… nicht weil A! Sondern weil B!”)


Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. An solchen Floskeln sollen wir KI-generierte Texte erkennen. Aber stören uns diese Floskeln wirklich? Nehmen wir sie überhaupt wahr? Jetzt kommen wir zu MP3 & Co:

Ende der 1990er Jahre arbeitete ich im Nebenjob in einem exklusiven HiFi-Studio. Dort predigten – und verkauften – wir die reine Lehre von der ultimativen Musikwiedergabe. In diese Welt des kompromisslosen Klangs platzte um diese Zeit MP3. Das Datenformat komprimierte Musik und ermöglichte damit den Download großer Mengen von Musiktiteln in kurzer Zeit – selbst im Zeitalter von 56k-Modems. 

Nicht immer brauchen wir Spitzenqualität

Das Komprimieren der Daten ging allerdings auf Kosten der Qualität. In unseren heiligen Hallen des – angeblich – originalgetreuen Klangs wurden wir nicht müde, im A-B-Vergleich die Unzulänglichkeiten von MP3 vorzuführen. Und unsere Kunden bestätigten durchweg den Unterschied. Haben wir und andere damals den Aufstieg von MP3 aufhalten können? Natürlich nicht. Dem Normalbürger reicht die Qualität. Er braucht nicht mehr. Wozu auch?

Bei den meisten Texten, die für das Internet geschrieben werden, handelt es sich um simple Werbebotschaften und Produkttexte. Stören uns bei solchen Texten ein paar Gedankenstriche? Genau deswegen werden sich KI-generierte Inhalte durchsetzen. Nicht weil sie besser sind als menschliche Texte. Sondern weil sie uns Lerser:innen gut genug sind.

Übrigens: In diesem Text habe ich etliche KI-Floskeln eingestreut. Hat dich das gestört? Hast du es überhaupt bemerkt?