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Telekom-Tagebuch 6: 4. November 2007

Was keiner von uns mehr zu glauben gewagt hätte. Es gibt sie: Telekom-Techniker. Gestern war er bei uns, und schloss das Telefon an. Auch dieser Telekommensch hatte eine eigene Theorie zu unserem DSL-Anschluss. Alles Quatsch mit den vierzehn Tagen. Wenn DSL verfügbar ist, dann ist das morgen geschaltet. Fernsehen wird wohl bei uns nicht gehen. Wir sollten einfach mal morgen Abend den Fernseher einschalten. Wenn’s klappt… Sonst kann man eben nichts machen. Auch eine Reaktion auf unser Schreiben erhielten wir: Warum wir uns nicht früher gemeldet hätten, soll ein anderer Telekommensch gefragt haben, wäre doch schließlich keine große Sache. Das hätte er uns mal persönlich sagen sollen. Ich glaube, dann müsste die Telekom seine Stelle neu ausschreiben und ich müsste dieses Tagebuch aus der Untersuchungshaft weiterführen. Wir werden sehen, ob es morgen klappt.

Telekom-Tagebuch 5: Mittwoch, 31. Oktober 2007

Gestern ging das Einschreiben raus. Jetzt hat die Telekom genau 14 Tage zeit, uns wieder ans Netz zu hängen. Der Zähler tickt ab morgen. Den Reformationstag wollen wir der Telekom lassen, obwohl sie ihn keineswegs verdient hat. Gestern las ich, dass die Telekom mit Millionenbeträgen das Internetfernsehen ausbauen will. Liebe Mitbürger: Wenn ihr nicht zu Leidensgenossen werden wollt, dann bedenkt, dass schon ein Umzug mit dieser Technik weit mehr Ärger macht als einfach den fernseher in die Umzugskiste zu packen! Liebe Telekom: Wenn Ihr das Internetfernsehen beliebter machen wollt, dann geht das nicht mit schicken Pressemitteilungen, sondern nur mit anständigem Service!

Buchtipp: Eliot Pattison – Der fremde Tibeter

der_fremde_tibeterTibet: Die Zwangsarbeiter der 404. Sträflingskolonne sollen eigentlich eine Straße im Himalaya bauen. Doch dann bringt etwas die Bauarbeiten zum Stillstand. Arbeiter finden eine Leiche ohne Kopf. Einer aus ihren Reihen bekommt nun seine zweite Chance. Shan war Ermittler in Peking, bevor er in Ungnade fiel. Nun muss er einen Mord an einem hochrangigen Beamten aufklären: Wie kam Ankläger Jao so kopflos in die Einöde? Dabei verwickelt er sich in einen Wettlauf mit dem Stellvertretenden Ankläger Li: Was hat der zu verbergen?
Eliot Pattison versetzt in seinem Roman „Der fremde Tibeter“ seinen Leser in eine ebenso ungewohnte wie unwirtliche Gegend: aufs Dach der Welt, nach Tibet. Shan muss sich mit dem Dämonenglauben der Tibeter herumschlagen und mit einer ebenso bürokratischen wie korrupten Staatsmacht. Pattison bringt seinem Publikum den Buddhismus näher, ohne sich allzu sehr der Dalai-Lama-Romantik hinzugeben. Er lässt die Konflikte in einem tiefreligiösen Land unter sozialistisch-atheistischer Fremdherrschft offen zu Tage treten. Er entwickelt seine Charaktere glaubhaft, widersprüchlich, eben greifbar menschlich. Er lässt Feinde zu Freunden werden, und zeigt im Kleinen, dass Chinesisches und Tibetisches nicht grundsätzlich unvereinbar sind. So weit, so lesenswert. Nur eines schafft er nicht: eine gute, spannende Geschichte zu erzählen. Kapitelweise lässt er seinen Helden Shan durch den Aberglauben der Tibeter irren, lässt Politik und Religion, Sanftmut und Rücksichtslosigkeit aufeinanderprallen. Dann, auf den letzten Seiten, fällt ihm ein, dass er fast vergessen hätte, den Fall aufzulösen. Zwischen tausend Details über buddhistische Glaubenspraxis und kommunistische Gesellschaftsordnung versteigt sich Pattison irgendwo in den Felshängen des Himalaya – und in der Handlung seines Romans.

Eliot Pattison: Der fremde Tibeter, Aufbau Taschenbuchverlag, 2003.

Telekom-Tagebuch 4: 27. Oktober 2007

Die Uhr schlug 10 und wir ließen zum zweiten Mal alle Hoffnung fahren, dass ein Techniker der Telekom vorbei schaut. Unser Versuch, einen Telefon- und DSL-Anschluss umschalten zu lassen, führte uns nun erneut in den T-Punkt. Dort bemühte sich ein überaus fleißiger Mitarbeiter eine Dreiviertelstunde, um irgendeine Information zu bekommen, wann wir mit Telefon und Internet rechnen können. Ergebnis: Am 3. November wird ein Mitarbeiter vorbeischauen, um an unserem Telefonanschluss beschäftigt auszusehen. Das bekam der freundliche T-Punkt-Mann heraus, nachdem er sich als konstruktivste Lösungsvorschläge Dinge anhören musste, wie: „Sollen die doch von der alten Wohnung telefonieren.“ Er war loyal genug, uns diesen sicherlich gut gemeinten Rat zu verschweigen. Wir haben es trotzdem gehört, liebe Telekom. Das haltet Ihr also von uns Kunden. Nach dem 3. November wird es noch etwa 14 Tage dauern, bis wir wieder Internet bekommen. Das Umschalten des Internetfernsehens ist ja sooooooooooooooooooooooo kompliziert! Merkwürdig. Bei der Anmeldung ging’s viel schneller. Da waren sie in der gleichen Woche noch da. Wir werden der Telekom außerordentlich kündigen. Liebe Telekom, so nicht! Schneidet euch mal zwei Scheiben bei eurem Personal in den Shops ab. Da könnt ihr noch was lernen.

95,5 Prozent käufliche Liebe

Ein Traumergebnis für Kurt Beck. Die ganze SPD liebt ihn. 95,5 Prozent soll er bei seiner Wiederwahl geholt haben. Da sind die Gegenstimmen garantiert namentlich bekannt: Ein gewisser Herr Steinbrück und ein gewisser Herr Müntefering… Beck hatte auch genug für das Traumergebnis bezahlt. Jetzt sollen Arbeitslose im besten Mannesalter noch ein Jahr länger Arbeitslosengeld I erhalten. Na, die werden sich freuen: Hartz IV erst ein Jahr später. Dabei besteht der eigentliche Skandal doch darin, dass Arbeitslose ab 40 als unvermittelbar gelten. Hätte man die Milliarden, mit denen König Kurt die Stimmen der Parteilinken gewonnen hat, nicht für etwas sinnvolles ausgeben? Qualifizierungsmaßnahmen? Vielleicht sogar für alle Arbeitslosen? So finanziert die Staatskasse Becks Wiederwahl. Bei den Pfälzern ist es wie bei den Äpfeln, da fällt einer nicht weit vom anderen.

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