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Das hohe C ist verklungen

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Für die Welt ist die Sache klar: Mit Luciano Pavarottis Weltruhm begann auch sein Abstieg. So heißt es heute im Nachruf auf den italienischen Star-Tenor. Im Moment, in dem er sich alles leisten konnte, brach der unmäßige Lebenshunger des am 12. Oktober 1935 geborenen Bäckersohns durch. Und der Pasta-Hunger. Pavarotti ging aus den Nähten. Als er in den 1990er Jahren als Othello in der Metropolitan Opera auftrat, höhnte ein Kritiker, Othellos Racheschrei höre sich bei Pavarotti an wie ein Schrei nach mehr Pudding.

Doch im Moment des Abstiegs im Auge der Kritiker begann Pavarottis Aufstieg im Ohr des Publikums. Nicht im Ohr des geschulten Opernpublikums. Im Ohr des gemeinen Volkes, das nicht einsah, warum es für Pavarottis berühmtes Nessun Dorma den ganzen Turandot von Puccini kaufen sollte. Gemeinsam mit José Carreras und Plácido Domingo schmolz Pavarotti die Herzen der Menschen. Pavarotti jedoch war stets mehr als seine Partner bei den drei Tenören.
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Bin Laden fliegt mit Google Earth

Und Bumm! Fliegt man ins World Trade Center. Nach den Anschlägen des 11. September 2001 feixte die ganze Welt über den Flugsimulator von Windows, und der Konzern bemühte sich nach Kräften, die Twin Towers aus den eingespeicherten Szenarien zu entfernen. Taugte der Flugsimulator von Windows als Trainingsgerät für Terroristen? Wenn nicht, dann schließt Google jetzt diese Lücke. Das IT-Portal Golem hat in Google Earth einen versteckten Flugsimulator gefunden. Mit der Tastenkombination Str.+Alt+A lassen sich künftig Selbstmordanschläge in bewährter Google-Earth-Qualität planen. Endlich braucht der Islamist sein virtuelles Gefährt nicht mehr in Hochhäuser von fragwürdiger grafischer Aufbereitung steuern. In Google Earth können sogar Objekt von der Größe eines Dreirads gezielt ausgeschaltet werden.

Unseriöse Klimaskeptiker

Und noch ein langer Artikel für lange, graue Sommerabende: Alles nur Klimahysterie? Das fragt der Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf. In aller Ausführlichkeit deckt er die wissenschaftlichen Schwächen der so genannten „Klimaskeptiker“ auf, die einen Zusammenahng zwischen CO2-Emissionen und Klimaerwärmung leugnen. Und er deckt noch etwas auf: Den Medien ist ein Querdenker allemal lieber als ein seriöser Wissenschaftler. Selbst wenn seine Behauptungen jeder wissenschfatlichen Grundlage entbehren. Dadurch liest und hört der kleinen Mann sehr häufiger, dass es keinen Grund gibt, weniger Auto zu fahren, als für die geschätzt 150.000 Menschen gut ist, die jetzt schon an den Folgen des Klimawandels sterben.

Geht Amerika intelligent zu Boden?

Ein Weltreiche, die ihren Zenit überschritten haben, sind die Forschungsobjekte des englischen Historikers Paul Kennedy. Mit seinem Buch vomAufstieg und Fall der großen Mächte hat er einen Sachbuchklassiker geschaffen, der mittlerweile in 5. Auflage vorliegt. In einem Artikel für die Blätter für deutsche und internationale Politik sagt er nun mit zwingender Logik den Vereinigten Staaten ihren Niedergang voraus. Der Aufstieg der asiatischen Großmächte China und Indien lasse gar keinen anderen Schluss zu. Er stellt jedoch die Frage, ob die Amerikaner in der Lage sein werden, den Abschied von ihrem Weltreich so intelligent zu managen wie es einst die Briten getan haben, oder – noch früher – die Habsburger. Schon jetzt weist Kennedy auf Alarmsignale hin: So klaffen Staatseinnahmen und Staatsausgaben so weit auseinander, „wie es seit den Zeiten Philipps des Zweiten von Spanien oder der letzten Bourbonenkönige Frankreichs nicht mehr zu beobachten war“. Dieses riesige Haushaltsloch stopfen die Amerikaner mit massenweiser Ausschüttung von Staatsanleihen, schreibt Kennedy und sieht die amerikanische Politik unter dem Einfluss asiatischer Magnaten.

Manchmal tut es gut, weltwirtschaftliche Themen im historischen Zusammenhang erörtert zu lesen. Den ganzen Artikel gibt es hier.

Buch-Tipp: Window Seat

Wer viel reist um Workshops für Adobe Photoshop zu geben, ist besonders in den USA oft auf das Flugzeug angewiesen. Warum sich also nicht die Zeit vertreiben? Mit Fotografieren zum Beispiel? Julieanne Kost hat es getan. Sie hat die Welt unter sich geknipst und mit „Window Seat“ einen der ungewöhnlichsten Bildbände. Bizarre Formen nimmt die Welt an im Auge dessen, der sie aus der Entfernung sieht. Julieanne Kost hat Wolken fotografiert, wie man sie vom Boden aus nicht sieht. Vom Flugzeug übrigens auch nicht. Am Ende des Buches verrät sie, wie sie den Grauschleier der Flugzeugfenster beseitigt hat, wie sie den Ausschnitt wählt und dem Bild jene Farben abringt, die beim Durchblättern des Buches so sehr fesseln. Alles natürlich in Photoshop. Julieanne Kosts Window Seat bietet viel Wissenswertes über Digitalfotografie und über die Bildbearbeitung. Anders verhält es sich mit ihren Tipps zum „Kreativen Denken“. Das ist für Europäer zu amerikanisch, da feiern wohlfeile Ratschläge aus der Brigitte für Hausfrauen nach der Familienphase fröhliche Urständ. Den insgesamt positiven Eindruck des Buches kann das nicht schmälern.

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