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Zum Geburtstag eine böse Überraschung

Die Australier werden Fremdsprachen lernen müssen, oder bei Geburtstagen künftig die Klappe halten. Grund ist das derzeit wohl rigideste und unsinnigste Urheberrecht auf diesem Planeten. Einmal „Happy Birthday“ singen kostet demnächst umgerechnet 800 Euro. Das berichtet Golem. Das englische Geburtstagslied steht noch bis 2030 unter Urheberrechtsschutz. Wer das Lied außer unter einer gut schallgedämmten Dusche singt, führt es öffentlich auf. Apropos Fremdsprachen: Das Singen von „Zum Geburtstag viel Glück“ dürfte die Sache nicht wesentlich entschärfen. Die Melodie bleibt ja die selbe.

Schießen und Sterben lernen

Während Amerikaner, Kanadier, Niederländer und Briten im Kugelhagel der Taliban sterben, setzt den Bundeswehrsoldaten in Afghanistan eher die Langeweile zu. Das wird sich wohl bald ändern: Wie der Deutschlandfunk heute berichtete, wird der Druck auf die Bundesregierung größer, die Bundeswehr auch im umkämpften Süden von Afghanistan einzusetzen. Damit nähert sich die Stunde der Wahrheit für eine verlogene deutsche Großmachtpolitik. Wie gut erinnern wir uns noch, wie ernst, staatstragend und gewichtig unsere Außenminister von Kinkel bis Steinmeier oder unsere Kanzler von Kohl bis Merkel ausgesehen haben, wenn sie uns mal wieder einen Auslandseinsatz der Bundeswehr angekündigt haben. „In der Stunde der Not, können wir uns nicht verweigern, wenn man uns fragt“; hieß es in wechselnden Formulierungen aus den Reihen unserer politischen Klasse. Dabei versäumten sie nie, die Bedingungen so festzuzurren, dass deutsche Soldaten lediglich Verbandmull spazierenfahren oder in Kabul den Verkehr regeln. Letztlich war man sich immer sicher, dass deutsche Soldaten eine Infektion mit Geschlechtskrankheiten mehr zu fürchten hätten als eine feindliche Kugel. Jetzt fordern unsere Partner echte Solidarität, auch beim Schießen und Sterben. Beides werden deutsche Soldaten von jetzt an lernen müssen.

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold! Der Volksmund behält auch in der Kindererziehung Recht. Das berichtet die Netzzeitung auf ihrer Wissenschaftsseite. Forscher aus North Carolina (USA) haben demzufolge herausgefunden, dass Kinder die Muttersprache vor allem vom Vater lernen. Grund: Frauen überfordern ihre Kinder mit zuviel „Gequatsche“. Es könnte allerdings auch sein, dass Kinder schon im zarten Alter von unter drei Jahren gelernt haben, sich realistische Lernziele zu setzen. So sagt das Männlichkeitsidol Clint Eastwood im Western „Zwei glorreiche Halunken“ („The Good, the Bad and the Ugly“) in einem seiner längsten Sätze: „Nimm einen Zug, dann kannst du gut kacken!“ Das hat der Nachwuchs im handumdrehen gelernt. Erst wenn sie älter als drei Jahre sind, wagen sich Kinder an den ausgefeilten Sprachgebrauch der Mutter.

PPC ist aus!

So schnell stirbt es sich nur in der IT-Branche. Noch kein Jahr ist es her, dass Apple von der PPC-Architektur zu Intels X86-Prozessoren gewechselt ist. Schon stellen kommerzielle Software-Hersteller an, dass es keine neuen Programmversionen für PPC geben wird. Aber auch die Linux-Distributionen Ubuntu und Fedora stellen nach und nach die Unterstützung für Power PC ein. Ein Ergebnis des Drucks, den Ubuntu mit seinen schnellen Versionswechseln in die Branche gebracht hat. Alle halbe Jahr ein neues Linux. Fedora hat sich dem mittlerweile angepasst. Ebenso wie OpenSuse. Einzige Debian bleibt bei seiner breiten Aufstellung: 11 Rechnerarchitekturen unterstützt das freie Projekt. Da kann es schon dauern, bis die neue Version stabil ist. Der Releasetermin für die nächste stabile Version 4.0 (Etch) ist gerade erst vom 4. Dezember auf den Januar 2007 verschoben worden.

Noch keine Täter, aber schon ein Mittäter

Wie muss man sich die Szenerie vorstellen, im Gerichtssaal?


Bundesgerichtshof:
Angeklagter! Bekennen Sie sich schuldig, am Mord in 3000 Fällen mitgewirkt zu haben?


Mounir al Motassadeq:
Moment! Woher sollten wir denn wissen, wie viele Leute da schon waren, in den Twin Towers? Es war doch nicht mal Neun! In der arabischen Welt hat man da noch nicht einmal die Zahnbürste im Mund.


BGH:
Mit wie vielen Todesopfern hatten Sie denn gerechnet?


Motassadeq (überlegt):
Naja, wenn Sie mich so fragen: 200?

BGH: Wie bitte!? 300!

Motassadeq: 240!

BGH: 250!

Motassadeq: 246!

BGH (etwas genervt): Also gut: Beihilfe zum Mord in 246 Fällen. Zum Ersten, zum Zweiten und … zum Dritten!

Ganz nebenbei hat der Bundesgerichtshof ein Stück Rechtsgeschichte geschrieben, als er den Marokkaner Mounir al Motassadeq wegen Beihilfe im Fall der Anschläge vom 11. September 2001 in New York verurteilte. Noch nie ist jemand in Deutschland wegen Beihilfe zu einem Verbrechen verurteilt worden, für das noch kein Täter verurteilt worden ist. Gemäß dem Motto: Wir wissen zwar noch nicht, wer’s war, aber wer ihm geholfen hat, das wissen wir genau! Seit die einzige Supermacht paranoid geworden ist, ist ein bisschen Guantánamo überall.

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