Die Grünen haben es schwer: In Kassel fehlt ihnen ein Joschka Fischer, der beim Wahlvolk gut ankommt. Auch mit den Öko-Themen lässt sich in Zeiten der Vogelgrippe kein Staat und kein Sitz in der Stadtverordnetenversammlung machen. Wer sich heutzutage für Freilandhaltung von Geflügel einsetzt, wird vom aufgeputschten Mob gelyncht. Da kommt der geplante Flughafenausbau in Calden gerade recht. Dagegen zu sein ist schick, zumindest bei Lehrern und anderen ruhebedürftigen sozialen Gruppen, die Eigenheime in der Einflugschneise besitzen. Aber ist das schon eine der 150 versprochenen Ideen? Die Bürgerinitiativen gegen Calden haben ihre Messer längst gewetzt, auch ohne Beistand aus dem Kasseler Rathaus. Papierflieger aus 500-Euro-Scheinen zu falten, das ist doch eine gute Idee! Oder? Ganz sicher vergnügen sich dekadente Spaßvögel in den schwindelnden Höhen eines Josef Ackermann längst auf ähnliche Weise. Wenn also das Plakat schon die erste Idee ist, dürfen wir gespannt sein auf die nächsten 149. Aber wer zählt schon bei einer Partei, die es sich auf der Oppositionsbank so schön bequem gemacht hat, die nur ab und zu als Mehrheitsbeschaffer in die abgeschwächte Verantwortung eines Juniorpartners rückt?
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Notizen aus dem Kommunalwahlkampf I
Über „Du bist Deutschland“ lacht die Nation und im Kasseler Kommunalwahlkampf erheitert uns die CDU mit einer Variante des Slogans: Du bist Kassel, lesen wir. Dann fällt unser Blick auf ein Gruselkabinett der Biedermeier. Dass ich Kassel bin, weiß ich, aber wer seid ihr? Wir erkennen die Kasseler CDU-Vorsitzende Eva Kühne-Hörmann (Mitte). Gepresst in das orangefarbene Korsett, das die Union im Merkel-Wahlkampf übergestreift hat. Aber Orange steht nicht jedem. Bei den ohnehin etwas pausbäckig fotografierten Heile-Welt-Schönheiten der Kasseler Union betont die Farbe auf ungute Weise die Rottöne der Haut. Und was ist denn schon Orange? Weder richtig gelb noch richtig rot. Topflappen sind orange, Handtücher sind orange und Waschlappen auch.
Mit ihren Konkurrenten um das Kasseler Rathaus teilt die CDU die konsequente Verweigerung von Inhalten. Wir dürfen gespannt sein, wieviele Kasseler die Spießbürgerkampagne der CDU beim Panachieren und Kumulieren goutieren werden.
In der nächsten Notiz vom Kasseler Kommunalwahlkampf werde ich mich mit den Grünen beschäftigen.
Massenphänomene
400 Millionen Chinesen haben ein Handy! Zum Vergleich: Die gesamte EU verzeichnet 450 Millionen Einwohner. So lange die Chinesen SMS verschicken und telefonieren, können wir aufatmen. Aber wehe, wenn ein Großteil plötzlich auf die Idee kommt, Helgoland zu besuchen oder die Karl-May-Festspiele in Bad Segeberg.
Fass!
Was wären wir ohne den Hund. Er sucht nach Verschütteten bei Naturkatastrophen und kann geschmuggeltes Dope noch in der Kaffeebüchse riechen. Er bewacht Haus und Hof, treibt Schafe für den Hirten und Gauner für die Polizei. Und: Er führt blinde Menschen. Vielleicht brachte das den belgischen Innenminister auf die Idee, dass auch betrachtenswert ist, was am anderen Ende des Führgeschirrs läuft: Blinde sollen in Belgien künftig das Abhören von Telefonen übernehmen. Sehbehinderte hören einfach genauer hin. Wer die ersten Sätze der Meldung überstanden hat, der erfährt, dass die niederländische Polizei schon Erfahrungen mit einem Einsatz von Blinden gesammelt hat.