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Deutschland sucht den Bundespräsidenten: Rainer Brüderle

Hand aufs Herz – wer wollte in diesen Zeiten nicht einen so leutseligen Bundespräsidenten haben? Ich sehe ihn schon beim Empfang der Queen mit einem Viertele 2002er Kindenheimer Vogelsang in der Hand am Ende des roten Teppichs stehen. Da schunkelt selbst die Ehrenformation vom Heimatschutz. Historische Reden würde er auch halten und alle würden mit einem schwungvollen „Prost!“ enden.

Gemeinsam dem Abgrund entgegen

Die SPD soll bei der Frankfurter Rundschau einsteigen. So will es der deutsche Journalistenverband und so will es scheinbar auch die SPD-eigene Medienholding DDVG. Zwei Dinosaurier, dem Offenbarungseid nah, – der eine politisch, der andere wirtschaftlich – gehen gemeinsam dem Abgrund entgegen. Aus der Sicht des DJV ist das in Ordnung, denn immerhin bleiben damit die Kollegen bei der FR noch in Lohn und Brot so lange die Parteikasse reicht. Erst danach wird die FR eingehen wie seinerzeit der „Vorwärts“. Jemand sollte die SPD-Zentrale an jene unselige Nibelungentreue zwischen Leo Kirch und der Union erinnern.

Kampf dem Hund

Heute will das Bundesverfassungsgericht über die Kampfhunderichtlinien in den Ländern urteilen. Sachlage in NRW: 42 Hunderassen sind als gefährlich eingestuft und müssen mit Maulkorb Gassi gehen. 13 dieser Rassen dürfen nicht mehr gezüchtet werden. darunter so stolze und alte Hunderassen wie der Mastino Napolitano oder die Bordeaux-Dogge. Über beide Hunderassen sind keine gravierenden Unfälle bekannt. Unter den übrigen Rassen befindet sich beispielsweise der slowenische Cuvac, den selbst geübte Augen nur schwer vom ungarischen – und „ungefährlichen“ – Kuvasz unterscheiden können. Jetzt wird es noch willkürlicher: Es gibt 812 Möglichkeiten, die maulkorbpflichtigen Hunderassen zu kreuzen. Sind die so entstandenen Mischlinge ebenfalls Maulkorbpflichtig? Und gibt es überhaupt einen Rassestandard für den kaukasischen Owtscharka? All dies lässt nur einen Schluss zu: Das Übel hängt am anderen Ende der Leine. Und dort muss Gesetzgebung ansetzen.

Deutschland sucht den Bundspräsidenten: Wolfgang Schäuble

Im Dunstkreis der Union gibt es kein Gefecht, in das der wackere Schwabe noch nicht gerollt ist. Zurück kam er immer mit einer blutigen Nase. Der brave Parteisoldat hat mit hündischem Gehorsam Onkel Kohl seinerzeit die Geldkoffer spazieren getragen und – als der Skandal ins Rollen gekommen war – ernsthaft gehofft, dass Kohl ihm seinen Teil der Verantwortung abnimmt. Ein Mann mit Schäubles Vergangenheit sollte niemals Bundespräsident werden. Zum Wohle des Amtes, des Landes und zu seinem eigenen Besten.

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