HiFi-Klassiker: Sennheiser HD414

Zuletzt aktualisiert am 5. Dezember 2025 von Wolff von Rechenberg

Der Sennheiser HD414 gilt als der meist verkaufte Kopfhörer aller Zeiten. 1968, im Jahr seiner Markteinführung, war er eine Revolution: Der erste offene Kopfhörer und ein HiFi-Klassiker.

„Cans“ nennt der Engländer den Kopfhörer. Kannen. Und wie Kannen wirkten früher die Kopfhörer. Wie riesige Kübel saßen sie über den Ohren. Damit sie dort blieben, mussten mächtige Metallbügel die Muscheln an den Schädel pressen. Fast war es als trüge man rechts und links einen VW Käfer am Kopf. Erst 1968 konnten die Pressköpfe aufatmen.

Kopfhörer gegen den Presskopf

Der Sennheiser HD414 wirkte wie – ja wie eigentlich? Auf jeden Fall nicht wie Kopfhörer. Er schien aus wenig mehr zu bestehen als einem leichten Plastikbügel. An den Enden saßen geradezu winzige Schallwandler. Farbige Schaumstoffpolster verhinderten, dass sich die scharfen Kanten der Minihörer in den Ohrmuscheln verewigten. Mehr nicht. Sennheiser behauptete, es sei gelungen, die Treiber so kompakt zu bauen, dass der schmächtige HD414 klinge wie ein Großer. Und das tat er. Mehr noch: Was die Natürlichkeit des Klangbildes anging, setzte der HD414 neue Maßstäbe. Und auch das hatte mit seiner revolutionären Einfachheit zu tun: Der HD414 war der erste offene Kopfhörer.

Vorteile offener Kopfhörer

Die Sennheiser-Ingenieure brauchten keine Resonanzen niederzuringen, die sich in den ohrumschließenden Muscheln der Konkurrenz leicht aufbauen konnten. Je nach Geschmack konnte der HD414 damit im Bass auf Anhieb etwas dünn klingen. Doch seine Stärke spielte er vor allem auf Zeit aus. Das geringe Gewicht führte auch nach Stunden nicht zu Nackenschmerzen. Und weil der HD414 so leicht war, brauchte er keinen hohen Anpressdruck. Im Gegenteil. Er hielt sogar, wenn man den Bügel unter dem Kinn trug. Frauen trugen den HD414 auf diese Weise. Andere Kopfhörer ruinierten die Frisur. Schnell setzte sich der HD414 auch in den Rundfunkstudios und in den Übertragungswagen durch. Er klang hervorragend, trug sich leicht und passte ins Reisegepäck.

Kopfhörerklassiker ohne Ersatzteile

Dabei war er nicht einmal teurer als die Konkurrenz. Bis in die 1980-er Jahre blieb der HD414 in immer wieder leicht veränderten Versionen auf dem Markt. Ersatzteile liefert Sennheiser bis heute. Das betrifft zum einen die anfälligen Kabel, die schnell mal brachen. Vor allem aber die Ohrpolster lösten sich schnell auf. Leider produziert Sennheiser keine Polster mehr für den HD414. Fans müssen also nach einem Drittanbieter forschen. Wer fündig wird, bitte kommentieren!

10 Millionen Exemplare will Sennheiser von diesem wunderbaren Kopfhörer verkauft haben.  Der HD414 war der erste Kopfhörer für Unterwegs. Ohne offene Kopfhörer wie diesen hätte es nie einen Walkman gegeben.

Kategorien: HiFi

32 Kommentare

  1. toll dies alles zu hören…..ich hab einen :-))

  2. Nicht weggeben solange er nicht auseinanderfällt! 😉

  3. nee habe heute vom thomann neue ohrpolster bekommen. die passen super,sind aber etwas blas…alllerdings scheint wohl mein mp3-player (iriver b20) etwas überfordert bezüglich der impedance der kopfhörer.bei voller lautstärke klingen sie immer noch irgendwie leise….aber noch im bereich des tribut zollen :-))

  4. Wolff von Rechenberg

    12. Dezember 2010 — 17:08

    @dirk:
    Sorry, habe ich vergessen zu erwähnen: Die Impedanz des Sennheiser HD 414 liegt mit 2000 Ohm ungewöhnlich hoch. Das kann Probleme mit einigen aktuellen Geräten geben. 🙁
    Für die Mehrheit der aktuellen Kopfhörer sind schon 600 Ohm sehr viel.

  5. Thorsten Romstädt

    7. Oktober 2013 — 15:55

    Eben erst gesehen, daher der späte Kommentar….

    Das mit dem niedrigen Anpressdruck gilt aber nur für spätere Ausgaben des HD 414 (aber noch vor „SL“ oder „Classic“). Die allerersten aus den späten 60ern saßen wie Schraubzwingen. Ich weiss das, ich habe zumindestens noch 2 mit niedrigen vierstelligen Seriennummern von 1968/69 und Original-Bügeln (irgendwo muss sich auch noch ein drittes Exemplar herumtreiben). In Grau.

    Dass die Hörer immer noch Freude bereiten, bleibt davon unbenommen.

  6. Wolff von Rechenberg

    20. Oktober 2013 — 11:04

    Hallo Thorsten,
    danke für deinen Kommentar. Ich hatte einen aus den Siebzigern. Da hatte ich Glück. Ich hatte einen aus den Siebzigern. Da hatte sich dann doch wohl etwas getan. Der saß immer noch fest, aber eigentlich nicht unkomfortabel.

  7. Hallo Thorsten. Ich habe einen alten defekten HD 414 mit 2k-Ohm, leider defekt. Ersatz ist schwer zu finden, die „neueren“ haben alle 600 Ohm. Wo siehst du eine Seriennr.? Das wäre eine Hilfe, um so einen zu finden. Meine alte Bandmaschine hat einen 1k-Ohm Ausgang, da hört sich die 600 Ohm Variante nicht gut an…
    Gruß, Caspar

  8. Mein Kopfhörer ist ein 70er, absolute Spitzentechnik, „passt gut zu meinen 70er DUAL u. TECHNIKS-Geräten“ :-)) Die Polster sind „erst“ Ende der 90er zu Staub verfallen. Und mittlerweile ist ein leichtes Neben-Geräusch zu vernehmen wenn ich die Kabelverbindung etwas stärker (während des Musikhörens) bewege; na ja, ich lass es dann eben.

    In jeder Hinsicht waren die Siebziger die Besten.

  9. Wolff von Rechenberg

    17. August 2014 — 13:17

    Auch für die Kabel gibt es heute noch Ersatz:
    http://www.thomann.de/de/sennheiser_81435_kopfhoererersatzkabel.htm
    Viel Spaß weiterhin mit den HiFi-Klasikern.

  10. Gibt es auch einen Ersatz für die Bügel? Meiner ist leider total verbogen und auch bröselig 🙁
    Vielen Dank und viele Grüße
    Volker

  11. Wolff von Rechenberg

    14. September 2016 — 17:58

    Hallo Volker,
    das weiß ich wirklich nicht. Wie wäre es mit einem neuen Gebrauchten? Dann die besten Teile von beiden Hörern zusammenstellen.
    Viel Spaß
    Wolff

  12. Den HD414 von Sennheiser habe ich auch, mir persönlich ist er doch ein wenig zu höhenbetont abgestimmt, aber er hat eine sehr detailierte Klangauflösung. Ich finde allerdings er eignet sich nicht besonders gut zum laut Musik hören.

  13. Hallo;
    mein HD414 von Sennheiser hat jetzt 50 jähriges. Ich habe Ihn in den 70ern zusammen mit meinem „sündhaft teuren HIFI Plattenspieler“ gekauft. Der Typ HD414 hat mich sehr lange Jahre im Beruf Tontechnik begleitet, war für die Fehlersuche genau so geeignet wie am Mischpult (allerdings hatte ich es vorwiegend mit Sprache zu tun). Abends zu Hause wurde damit bei Wein und Kerze Cream und andere gehört, für U-Musik und vornehmlich mit linearer Equalizer-Einstellung konnte man damit Feinheiten heraushören, die mittelprächtige Boxen (und wer hatte schon das Geld für Kef u.a.) einfach schluckten. Die heute so beliebte “ Badewannen-Entzerrung“, Bässe rein, Höhen rein, kam erst mit der Disco-Ära so richtig hoch. Der Kaufpreis entsprach 3-4 Stundenlöhne eines Arbeiters, das war für ein Kopfhörer schon bemerkenswert. Ersatzteile, auch Polster, sind im Sennheiser Online Shop am günstigsten zu bekommen, da kommt 123 nicht mit.
    Happy musik
    lighttrain

  14. Wolff von Rechenberg

    16. August 2017 — 17:55

    Hallo und vielen Dank für den Tipp.
    Happy Musik
    Wolff

  15. Hallo Fangemeinde des HD 414 ,
    ich bin seit 1987 stolzer Besitzer eines HD 414 SL . Er ist bis heute ein Bestandteil meines Freizeit –
    vergnügens , angesteckt an meinen Onkyo Röhrenvertärkers gibt er immer noch einen guten Sound ab. Da ich gerne ein bisschen lauter meinen Stoner Rock höre , ist er genau das richtige Mittel , meine Umwelt ( Familie und Nachtbarn ) nicht zu stören. Für mein Schätzchen hatte ich tatsächlich
    vor 2 Jahren beim Media-Markt in Bremen 2 Paar Ersatzpolster zu einem humanen Preis erhalten.
    Leider nicht in Gelb , aber schwarz erfüllt auch seinen Zweck. Da die Polster mit der Zeit immer am Bröseln sind , hatte ich zum Schutz einen runde kleine Kopfhörertasche erstanden . Habe jetzt keine starken Abnutzungserscheinungen mehr feststellen können , der Lichtfaktor scheint doch
    eine große Rolle zu spielen.

    Bleibt mir gewogen
    Charly

  16. Wolff von Rechenberg

    30. Oktober 2017 — 14:49

    Hallo Charly,
    vielen Dank für den Tipp.
    Viel Spaß mit dem 414
    Wolff

  17. Hallo Wolff
    Besten Dank für Deine Tipps.
    Ich habe meinen HD414 seit ca. 1979.
    Leider habe ich ich keinen Ton mehr auf auf der linken Seite.
    Bevor ich ein Ersatzkabel gemäss Deinem Post vom 17.8.14 kaufe möchte ich gerne das abmontieren um sicher zu sein, dass es wirklich das Kabel ist.
    Ich kann es trotz kräftigem Ziehen nicht herausziehen.
    ==> Wie entferne ich das Kabel beim Hörer ?
    Zum Voraus vielen Dank für Deine Hilfe !
    Max

  18. Wolff von Rechenberg

    12. Januar 2018 — 23:25

    Hallo Max,
    das Kabel ließ sich seinerzeit eigentlich recht einfach abziehen.Meines Wissens gab es da auch keine unterschiedlichen Standards. Bevor du den Kopfhörer wegen eines festgefressenen Kabels schrottest, würde ich mal bei der Firma Sennheiser fragen. Die sind berühmt für den extrem langen Support für ihre Produkte. Vielleicht kann man dir da einen Tipp geben.
    Viel Spaß
    Wolff

  19. außerdem ist damit möglich, Kunstkopfstereofonie (es gibt einige SChallplatten) zu genießen

  20. Hallo,

    Der HD414 wurde zu 50 jährige Jubiläum von SENNHEISER im Jahre 1995 wieder aufgelegt. Eine Version hat auf dem Bügel die Unterschrift von Fritz Sennheiser‘s Sohn Jörg. Die ab 1996 gefertigten waren einfach nur schwarz.
    Übrigens hatten die allerersten 1968 blaue Ohrpolster und keine gelben.
    Es gibt übrigens Helden, die die unterschiedlich dicken Pins für den Kabelanschluss am Hörer falsch einstecken. Die gehen sehr schwer wieder raus. Und die dünne Büchse ist oft hin.

  21. Hallo und vielen Dank für den Ihren Post! Prima Blog.

  22. Wolff von Rechenberg

    2. Juli 2020 — 12:02

    Vielen Dank, freut mich sehr.
    Alles Gute
    Wolff von Rechenberg

  23. Hallo,
    Es wäre hier vielleicht auch erwähnenswert, dass die ersten (2000-Ohm)-Hörer auch als Mikrofon zu gebrauchen waren ( die Technik scheint ähnlich zu sein). Einfach den KH-Jack in die Mikrofonbuchse des TB-Gerätes gesteckt, und den HD414 auf einen Glaskopf o.ä. gesetzt: fertig ist das Stereo-Mikrofon.

  24. Wolff von Rechenberg

    20. Februar 2024 — 21:45

    Unfassbar! Vielen Dank für die Info, Justin. Das wusste ich tatsächlich nicht. Wer das mal probiert hat, möge hier mal seine Erfahrungen teilen.
    Viele Grüße, Wolff

  25. Walter Bahnsteig

    7. Juni 2024 — 12:21

    Ohrpolster sind leider bei Thomann nicht mehr zu erhalten. Nach deren Auskunft hat Sennheiser die Produktion eingestellt und alle Bestände sind abverkauft.

  26. Wolff von Rechenberg

    7. Juni 2024 — 20:34

    Das war abzusehen. Danke für den Hinweis.

  27. Hallo, ich habe Ende der 70er Jahre in einem HiFi-Laden in Trier einen HD 414 SL in rot gekauft. Es handelte sich um einen colorphone, Limited Edition. Auf Nachfrage bei Sennheiser konnte mir niemand etwas über die Auflagenzahl dieses roten Kopfhörers sagen. Auch wurden ältere Kollegen die bereits in Rente sind dazu befragt, leider konnte sich niemand daran erinnern, dass es mal eine rote Version gab. Ich habe die original Verpackung, sowie Belege über diesen Kopfhörer die diesen eindeutig als limitiert ausweisen. Vielleicht wissen Sie etwas darüber! Vielen Dank und schöne Grüße, Werner

  28. Hallo, mein erster Kommentar von heute wurde aus irgendwelchen Gründen gelöscht. Ich versuche nochmal das wiederzugeben was ich geschrieben hatte.
    Ende der 70er Jahre habe ich mir einen „Sennheiser HD 414 SL Kopfhörer gekauft. Es handelte sich dabei um die Version „Color Phone Limited Edition“ in der Farbe Rot. Von diesem Kopfhörer habe ich bisher weder Fotos gesehen noch irgendeine Beschreibung gelesen. Wie schon geschrieben ist der Kopfhörer komplett in Rot. Die ehemals roten Schaumstoffpolster haben sich schon lange in Luft aufgelöst. Die original Kunststoffverpackung ist auch noch vorhanden. Ebenso die zu dem Kopfhörer beigelegten Bedienungshinweise und auch die Garantiekarte. Da es sich um eine limitierte Auflage handelte habe ich vor einigen Jahren Sennheiser angeschrieben um näheres darüber zu erfahren. Leider wusste dort niemand etwas über in den 70er Jahren hergestellte rote Kopfhörer. Auch Nachfragen von Sennheiser bei ehemaligen Mitarbeitern die mittlerweile in Rente sind hat nichts erbracht. Vielleicht ist irgendjemand diese rote Sonderedition bekannt. Vielen Dank und schöne Grüße, Werner

  29. Aber wer erinnert daran, dass dieses „offene“ System nur entstehen konnte, weil die NASA für ihr Raumfahrtprogramm einen gut sitzenden Kopfhörer benötigte, der jedoch auch noch eine Außenkommunikation erlaubte? Und wer erinnert sich, dass in Folge dieser Akustikforschungen, die Kunstkopfstereophonie entstand? Damals hatten die Ingenieure die „KI“ noch im eigenen Kopf. Da steckte noch wirklich in jedem In genie ur ein „Genie“.

  30. Wolff von Rechenberg

    5. Dezember 2025 — 18:24

    Hallo,
    vielen Dank für die Info. Der Zusammenhang mit der NASA war mir neu. Ich habe keinen Beleg gefunden, dass die NASA der Impulsgeber war. Vielleicht hast du ja dazu eine Quelle. Aber die NASA hat wohl mehrere Paare des Modells für ihre Raumfahrtprogramme eingekauft.
    Beste Grüße
    Wolff von Rechenberg

  31. Moin,
    ich habe auch noch einen aus den 70ern. Er klingt auch heute noch sowas von ausgeglichen und transparent ohne für heiße Ohren zu sorgen.
    Kleine Anmerkung: Da der Kopfhörer vollkommen offen ist, haben ihn wir früher wirklich auf einen resonanzarmen Kopfhörerhalter inKopfform (war in den Jahren üblich) gesetzt, um mit Ihm Aufnahmen im Kunstkopf-Stereofonie zu machen, was überraschenderweise funktionierte.

  32. Wolff von Rechenberg

    3. Januar 2026 — 22:09

    Hallo Ralf,
    vielen Dank für die Ergänzung und weiterhin viel Spaß mit dem Sennheiser HD 414.
    Beste Grüße
    Wolff von Rechenberg

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