Wie hat sich doch die Welt verändert: Die Rapper werden weiß, die Golfer schwarz, die besten Segler kommen aus der Schweiz und Heino ruft zu bürgerlichem Ungehorsam auf: Die Fernsehgebühren sollen wir boykottieren, weil das ZDF die lustigen Musikanten einstellen will. Das berichtet das Musikportal laut.de. Da müssen sich Musikfreunde meiner Generation fragen, ob wir wirklich alles versucht haben, um die Rockpalastnächte zu verteidigen. Ich sehe schon die ersten Dirndl-Demos mit strammen Madln mittleren Alters und Gaudiburschen in Krachledernen.
Autor: Wolff von Rechenberg
Phänomene des Alltags: der Zusteiger
„Zugestiegene Fahrgäste, bitte die Fahrkarten!“ So heißt es seit Jahr und Tag in den Sardinenbüchsen der Deutschen Bahn. Nicht so am vergangenen Freitag im Intercity von Norddeich-Mole nach Cottbus. „Zusteiger, bitte die Fahrkarten“, rief da der Schaffner… oder nennt man den heute nur noch Zugchef. Ach nein, der Chef trägt ja am Ärmel die Kapitänsbinde. Also, der Zugbegleiter. Obwohl er ja den Zug nicht begleitet. Denn der Zugbegleiter läuft ja nicht an der Leine bei Fuß neben dem Zug her und bittet, dass man ihm die Fahrkarten aus dem Fenster reiche. Er begleitet also die Reisenden, nicht den Zug. Und wenn er die Reisenden nur begleitet, was gehen ihn dann die Fahrkarten an? Sie sehen schon, der Zugbegleiter hätte alles Recht, selbst als Phänomen des Alltags behandelt zu werden. Doch diesmal geht es um den „Zusteiger“.
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Neue Fotos aus Brandenburg
Meine Fotogalerie aus Brandenburg ist um zwei Fotos gewachsen.
Blau ins All
1969 hatte man die unbeholfenen Bewegungen von Neil Armstrong auf dem Mond noch für Folgen der Schwerelosigkeit gehalten. Jetzt steht zu befürchten: Der Mann im Mond könnte blitzeblau gewesen sein. Es soll verschiedentlich vorgekommen sein, dass Astronauten die Reise ins All alkoholisiert angetreten haben. Da wird es wohl Zeit für Dopingproben in Cape Canaveral, sonst werden ARD und ZDF den nächsten bemannten Mondflug nicht mehr übertragen.
Buch-Tipp: William Boyd – Ruhelos
1976. Es ist ein langer, heißer Sommer. Ruth Gilmartin fährt aufs Land zu Besuch zu ihrer Mutter. Deren Verhalten bereitet der Tochter große Sorge. Sie öffnet die Tür nur nach vereinbarten Klingelzeichen. Ständig behält die alte Dame den nahen Waldrand im Auge, und obwohl sie vollkommen gesund ist, verlässt sie das Haus nur im Rollstuhl. Schließlich eröffnet Sally Gilmartin ihrer Tochter, dass sie in Wirklichkeit Eva Delektorskaja heißt, dass sie als russische Exilantin vor dem Krieg in Paris gelebt hat und dort für den britischen Geheimdienst angeworben worden ist. William Boyds Roman „Ruhelos“ bricht mit allen Gewohnheiten des Agententhrillers und bleibt dennoch spannend bis zur letzten Seite. Stück für Stück erfährt der Leser die Lebensgeschichte der Eva Delektorskaja: Der Mann, der sie angeworben hat, Lucas Romer, erweist sich als ebenso charmant wie undurchsichtig und langsam wird klar, dass ein gefährliches Geheimnis aus vergangenen Zeiten seine Schatten bis in die Gegenwart wirft. Bis in Ruths Leben. Auch dort scheinen plötzlich nicht mehr alle Menschen dass zu sein, was sie vorgeben.
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